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Anwohner wollen keine öffentliche Grünfläche an der Weggenhofstraße

Stadtplanung : Anwohner wollen keine öffentliche Grünfläche an der Weggenhofstraße

Bei einer Informationsrunde ging es um Gestaltung der Anlage und die Umbau-Pläne des Marktplatzes.

Das Votum könnte viel eindeutiger nicht ausfallen. 20 grüne Punkte haben die Anwohner der Weggenhofstraße auf ein Infoplakat geklebt und damit ihren Wunsch über die Gestaltung und Nutzung einer Grünfläche am Marktplatz bei einer Diskussionsrunde mit Vertreterinnen der Stadtverwaltung unmissverständlich artikuliert. Die Variante 3 soll es sein.

Das bedeutet: Schön bepflanzt, mit einem Zaun umrahmt, aber ohne öffentlichen Zutritt. Keine Sitzbänke, keine Möglichkeit dort zu verweilen. Der Grund leuchtet ein. Die Anwohner befürchten, dass sich die Drogenszene dort niederlässt,  Saufgelage stattfinden und die Nachtruhe gestört wird. Der Spielplatz um die Ecke hinter dem Hochhaus soll für solche Zwecke schon missbraucht worden sein, berichten die Anwesenden. Auch Ratten sollen dort schon ihr Unwesen treiben, sagt ein anderer.

Wolfgang Appel, ein Interessenvertreter der Bürger aus dem benachbarten Mehrfamilienhaus, meint: „Wir wollen, dass die Grünanlage nicht öffentlich wird. Eine Begegnungsstätte ist ja schön und gut. Wir wollen aber nicht, dass die Dinge hier eskalieren.“ Kopfnicken und Zustimmung erntet er bei den anwesenden Anwohnern.

Ein Nachbarschaftsgarten sei die Idee gewesen, berichtet Ina Willemsen als Vertreterin der Stadt- und Verkehrsplanung. „Niemand will da drauf. Warum wird unser Wille nicht gehört“, wirft eine Zuhörerin dazwischen. Nur eine Person hat sich dafür eingesetzt, das Grün öffentlich zu nutzen, allerdings auch von einem Zaun begrenzt.

Es geht um eine kleine Fläche, nicht viel größer als 20 Quadratmeter, die neben dem Parkplatz liegt, der zeitweise auch als Marktplatz dient. Eine Frau aus dem Hochhaus habe dort viele Jahre in ihrer Freizeit die Pflanzen gepflegt, erzählen die Leute. „Mit weniger Aufwand sollte man lieber den Platz attraktiver machen“, finden Herr und Frau Weber, die seit 15 Jahren im Viertel leben und dagegen sind, dass jedermann die Grünfläche betreten und dort verweilen darf. „Wer würde die Fläche denn sauberhalten, wenn sie öffentlich wäre“, fragt Claus-Dieter Kraemer, der seit 41 Jahren in einem Haus direkt am Marktplatz wohnt und auf das kleine Grünstück hinunterblickt.

Bäume statt Parkplätze: Das
geht den Anwohnern zu weit

Der Parkplatz an sich war ebenfalls Thema bei den Versammelten. Die Pläne der Verwaltung sehen es vor, dass mehr Bäume und Grünflächen um den Platz herum angelegt werden. Ein neues Hochbeet, Säulenbäume am Rand, eine Sitzmauer. Auch ein Unterflurcontainer soll auf der Höhe des Platzes an der Weggenhofstraße installiert werden. Ein paar Stellflächen für Autos würden dann in Zukunft entfallen, erfahren die Zuhörer.

Das geht den Anwohnern aber schon zu weit. Die Situation mit den Parkplätzen im Viertel sei schon angespannt genug, hört man immer wieder. „Wir haben genug Bäume hier. Wir kommen morgens schon nicht mehr aus unserer Garage heraus, weil sie zugeparkt wird“, sagt eine Frau in der Diskussion. Man dürfe nicht einfach noch mehr Stellflächen wegnehmen ohne Alternative, meint ein anderer Anwohner.

Halteverbot an den Abholtagen vor dem Unterflurcontainer?

Die Stadtumbaumaßnahme solle das Wohnumfeld aufwerten mit mehr Grün, sagt Ina Willemsen von der Stadt- und Verkehrsplanung. Der Umbau werde vom Land gefördert. Viel Zuspruch für das Unternehmen ernten die Vertreterinnen der Verwaltung allerdings nicht für das Projekt des Marktplatzes. Auch schlagen Anwohner vor, nur ein Halteverbot an den Abholtagen vor dem Unterflurcontainer einzurichten, um an den übrigen Tagen Platz für parkende Autos zu lassen.

Da verhallt fast eine Stimme in der Diskussion der gesamten Gruppe, die sich vehement für mehr Grün in den Innenstädten und am Marktplatz Weggenhofstraße einsetzt: „Wir brauchen doch mehr Bäume. Es wird immer heißer. Haben wir noch eine andere Wahl? Wir sind nicht bereit, Abstriche zu machen“, mahnt Petra Weyers. „Aber nicht um jeden Preis“, entgegnet ihr prompt Werner Linnartz.