Angriff mit Beil: Pure Zerstörungswut oder Tötungsabsicht?

Angriff mit Beil: Pure Zerstörungswut oder Tötungsabsicht?

Im Streit um einen Laptop ging der Angeklagte mit einem Beil auf einen Geschäftsmann los.

Krefeld. Drogen, Alkohol und psychische Probleme: Sowohl der 43-jährige Angeklagte als auch die am Montag vor der zweiten Großen Strafkammer vernommenen Zeugen sind diesbezüglich keine unbeschriebenen Blätter.

Umso schwerer fällt es dem Schwurgericht, die Aussagen der Beteiligten auf Wahrheitsgehalt und Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Der Angeklagte aus Krefeld hatte zum Beispiel zur Tatzeit einen Blutalkoholwert von mindestens zwei Promille. Im Dezember 2012 ging er im Streit um einen Laptop mit einem Beil auf einen Geschäftsmann los. Dieser konnte den Angriff abwehren und den Angreifer entwaffnen.

Anlass der Auseinandersetzung war, dass der Geschäftsmann, ein langjähriger Bekannter, dem Angeklagten den Laptop verkauft und für ihn bestimmte Programme installiert hatte. Im Geschäft funktionierte das Notebook noch, zu Hause nicht mehr.

Der Streit eskalierte, als ein Umtausch des Computers abgelehnt wurde. Die Programme konnten allerdings wiederhergestellt werden. Der Käufer fühlte sich dennoch betrogen, stürmte im Dezember 2012 in den Laden, zog ein Beil aus seiner Jacke und schlug damit in Richtung des Geschäftsmanns.

Durch ausgiebige Befragung und detailgetreue Nachstellung der Szene versuchte der Richter von den Zeugen zu erfahren, wie sich der Vorfall abgespielt hatte.

Doch schon die aktuelle Darstellung der Beteiligten vor Gericht widersprach in Teilen den früheren Angaben bei der Vernehmung durch die Polizei. Der Angeklagte verweigert bisher die Aussage. Er blickt auf eine schwierige Vergangenheit zurück. Mit 13 begann er mit dem Konsum von Alkohol, mit 15 von Heroin. Es folgte die Mitgliedschaft in einer rechtsradikalen Jugendbande und mit 17 Jahren die erste Haftstrafe.

Die Kernfrage für das Gericht ist, ob der Angeklagte mit Tötungs- oder gar Mordabsicht auf seinen Bekannten losging oder ob er mit dem Beil nur „Eindruck schinden“ beziehungsweise aus Wut die Ladeneinrichtung demolieren wollte. Zwischen den Versionen liegt ein Unterschied von etlichen Jahren Haft, weshalb es der Richter auch besonders genau nimmt.

Dabei droht dem Angeklagten wohl in jedem Fall die Einweisung in eine psychiatrische Klinik, da er ohne Lösung seines Drogen- und Alkoholproblems eine Gefahr für seine Umwelt darstellt. Auch die Einschätzung des Gutachters wird eine Rolle spielen. Weiter verhandelt wird am 17. und 24. Juni.

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