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Analyse zur Europawahl 2019 in Krefeld: Grüne Mitte, roter Süden

ANALYSE : Grüne Mitte, roter Süden, bürgerlicher Norden und Osten

Die Stadt erscheint politisch dreigeteilt. Grün prägt das Zentrum. CDU und SPD verteidigen einige Hochburgen.

Eine solche Karte hat es in Krefeld noch nicht gegeben. Neun der Felder sind grün, das heißt dort hat die gleichfarbige Partei die meisten Stimmen geholt. Grundlage der Betrachtung sind die Ratswahlbezirke, weil sie im Gegensatz zu den Stadtbezirken die Feinheiten des Wahlergebnisses sichtbar machen.

Traar/Verberg, Moritzplatz-Kliedbruch und Fischeln-Süd Die beiden bürgerlichen Parteien haben dieselben Hochburgen. Wo die CDU 30 Prozent der Stimmen oder mehr holte, lag die FDP meist bei acht oder neun Prozent. Diese Viertel sind vor allem im Norden und im Osten der Stadt, Fischeln-Süd ist eine der Ausnahmen jenseits der Bahnlinie. Ihr mit Abstand stärkstes Ergebnis holten die Christdemokraten und die Liberalen in Traar/Verberg. Dort kommen sie gemeinsam auf mehr als 50 Prozent. Die FDP liegt gerade einmal einen Prozentpunkt hinter der SPD. Im Ratswahlbezirk Moritzplatz-Kliedbruch sind es in der Summe noch mehr als 40 Prozent, auch Hüls-Nord ist noch klassisch dem bürgerlichen Lager zuzurechnen.

Bockum, Stadtgarten und Stephanplatz Gänzlich neue Stimmverteilung sind vor allem in der Mitte und im Westen Krefelds zu sehen. Dort haben die Grünen ihre Hochburgen, und zwar Hochburgen, in denen sie die meisten Stimmen aller Parteien verbuchten. In zehn Ratswahlbezirken lagen die Grünen vor der CDU. Ihr bestes Ergebnis holten sie in Bockum (29,6 Prozent), ebenfalls nahe den 30 Prozent landeten sie in den Wahlbezirken Bockum-West, Stadtgarten und rund um die Plätze (Stephan-, Hardenberg- und Bismarckplatz).

Dießem, Linn und Stahldorf Im Gegensatz zu manch anderer Kommune weist die Karte in Krefeld auch rotgefüllte Umrisse auf. Im Süden ist die SPD noch relativ stark. Das bedeutet aber inzwischen, dass sie dort mehr als 20 Prozent der Stimmen auf sich vereint. 25 Prozent schafften die Sozialdemokraten in keinem Bezirk. Die besten Ergebnisse stammen aus Gartenstadt/Elfrath (24,2 Prozent), Linn (23,4), Dießem (23,2) und Stahldorf (22,8). Ganz bitter verlief der Abend für die Genossen neben dem schon erwähnten Wahlbezirk Traar/Verberg auch in Bockum oder am Bismarckplatz, also Vierteln, in denen die Grünen sehr stark sind. Dort liegt die SPD jeweils bei etwa 15 Prozent.

Gartenstadt/Elfrath, Inrath/Kempener Feld und Friedrichsplatz Es gibt noch ein viertes Phänomen bei den Krefelder Wahlergebnissen: Orte, die keine Partei, kein Lager dominiert. Dort liegen CDU, Grüne und SPD nah beieinander, alle um die 20 Prozent. Wahlbezirke wie diese könnten in Zukunft ein häufigeres Phänomen werden, wenn die Grünen etwas weniger von der Euphorie getragen werden und der SPD eine Konsolidierung gelingt. Für die Sozialdemokraten sind gerade diese Bezirke, in denen die Wähler nicht klar zu CDU oder Grünen tendieren, interessant, weil sie dort bei der Kommunalwahl 2020 am ehesten Ratsmandate direkt holen können.