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Alte Dampflok soll zurück auf die Gleise

Nostalgie : Alte Dampflok soll zurück auf die Gleise

Ein Verein von Eisenbahn-Liebhabern aus Nürnberg restauriert im Krefelder Ringlokschuppen den Zug – im Frühjahr soll alles fertig sein

Eine Lokomotive fährt durch einen Wald, steuert auf die Kamera zu. Der Dampf schießt aus ihrem Kessel weit empor. Von weitem hört und sieht man sie kommen. Bei einigen Zuschauern weckt das Intro eines kurzen Werbefilms Kindheitserinnerungen. Eine schwarze Dampflok bei voller Fahrt, eine zischende und schnaufende Urgewalt mit 2470 PS. Heute ist sie längst verschwunden aus dem Alltagsleben der Menschen. Sie war einst das, was heute der ICE sein soll. Der ganze Stolz der damaligen Bundesbahn, ein Symbol der Ingenieurskunst, geschaffen für den Hochleistungsbetrieb.

Traum – wenn diese Lok die Kinder am Bahnsteig zum Staunen bringt

Der Nürnberger Verein „Faszination Dampf“ will eines dieser Stahlrösser wieder auf die Gleise bringen. „01 1104“ soll wieder fahren – so heißt die Schnellzug-Lokomotive, die es auf stattliche 140 km/h bringt, die Herzen vieler Liebhaber und Nostalgiker erobert hat und in einer Halle des Krefelder Ringlokschuppens generalüberholt wird. Das ist das erklärte Ziel der Gruppe von Eisenbahn-Romantikern und Technikern aus allen Ecken Deutschlands, denen kein Weg zu weit ist, um jeden Samstag selbst Hand anzulegen.

Mitten in Krefeld, unweit des Hauptbahnhofes. „Es ist unser Traum, dass diese Lok bald die Kinder am Bahnsteig zum Staunen bringt wie uns damals. Der Dampf, das Geräusch, die großen Räder“, schwärmt Sandor Nicklich, Vorstandsmitglied im Verein und selbst Ingenieur, der in seinem Beruf Züge zusammensetzt. Das Siemens-Werk in Uerdingen kennt er allzu gut. An fast jedem zweiten Wochenende fährt er von Nürnberg nach Krefeld in den Schuppen. Im Frühjahr, so seine Hoffnung, soll die Lok unter viel Dampf und Aufsehen wieder auf den Schienen durch die Republik rollen.

Das 1940 von der Berliner Maschinenbau AG in den Dienst gestellte Stahlross befindet sich bereits seit fünf Jahren im Ringlokschuppen. Die damalige Bundesbahn legte den Betrieb der Dampfzüge in den 1970er Jahren still. 1974 ging „01 1104“ außer Dienst, ein Jahr später kam sie nach England in ein Museum. Dort aber sollte sie nicht ihre weitere Existenz fristen. 1996 holte man sie per Schiff zurück, über Rotterdam ging es nach Süddeutschland. 2010 gründete sich der Verein „Faszination Dampf“. Man entschloss sich, die Lok zu restaurieren. Die Eisenbahn Werkstätten Krefeld (EWK) erhielten den Zuschlag gegenüber einem Werk im thüringischen Meiningen. „Hier am Standort war mehr technisches Fachwissen über diesen Hochleistungszug aus Westdeutschland“, sagt Sandor Nicklich. Bis zu 1000 Kilometer am Tag spulte die Lok einst ab. Eine immense Energieleistung von Mensch und Maschine, die Bewunderung bei den Mitgliedern im Verein hervorruft.

In Kooperation mit den EWK wird an der Fertigstellung gearbeitet

Heute wird die Lok nicht mehr mit Kohle, sondern mit Öl angetrieben. Asche und Schlacke fallen damit nicht mehr als Abfallprodukte an. Ihre angestrebte Präsenz in Zukunft als Reisezug mit bis zu 800 Passagieren soll die Menschen mehr für die Technik begeistern. In Kooperation mit den EWK wird nun an der Fertigstellung des Dampfrosses gearbeitet.

Der Verein darf viele Arbeiten aus Sicherheitsgründen nicht selbst ausführen. „Da ist die Erfahrung der EWK gefragt“, sagt Nicklich. Der Rost, der Schmutz, das Öl sind längst abgetragen. „Es fügt sich nun alles“, sagt der Vereinsvorstand. Ab Januar soll die allmähliche Inbetriebnahme beginnen. Fast jedes Teil ist eine Einzelanfertigung, manche Komponenten kommen auch von Krefelder Firmen wie der Eichenholzboden im Innern. Derzeit wird viel zusammengebaut in neuer Farbe. Die Helfer des Vereins freuen sich auf die „Hochzeit“, wenn die Lok mit den Achsen wiedervereint wird. Dann ist es nicht mehr weit bis zum Start auf den Gleisen.

Gänsehaut auf
den Rücken zaubern

Jedoch hat sich neuerdings ein Zeitproblem ergeben. Die EWK müssen das Gelände rund um den Ringlokschuppen bald verlassen, das nun dem Eisenbahn-Unternehmen Akiem mit Sitz bei Paris gehört, das 2017 auch die deutsche MGW-Gruppe übernommen hatte, einen Spezialisten auf dem Instandhaltungsmarkt für Lokomotiven. Die Franzosen wollen den Platz anders nutzen, die Branche boomt. „Wir hoffen, dass wir bis zur Fertigstellung noch Teile der Werkstätten für unsere Arbeiten nutzen können. Wir wollen mit den EWK und MGW reden, um Lösungen zu finden“, sagt Sandor Nicklich.

Der Traum der Eisenbahner soll weiterleben. Die fahrende Dampflok soll ihnen eine „Gänsehaut auf den Rücken zaubern“.