Krefelder Geschichte Von Krefeld nach Berlin, London und Venedig

Krefeld · Vom früheren Flugplatz an der Verberger Straße konnten teilweise mehr als 130 innerdeutsche und europäische Ziele erreicht werden. Zur Eröffnung des Platzes strömten tausende Krefelder auf das Rollfeld.

Die Eröffnung des Flugplatzes im Jahr 1926 war ein Publikumsereignis. Tausende Menschen stürmten auf das Rollfeld, um die Flugzeuge aus nächste Nähe anzusehen. Mit der Lufthansa ging es – mit einigen Zwischenlandungen – bis nach Berlin.

Die Eröffnung des Flugplatzes im Jahr 1926 war ein Publikumsereignis. Tausende Menschen stürmten auf das Rollfeld, um die Flugzeuge aus nächste Nähe anzusehen. Mit der Lufthansa ging es – mit einigen Zwischenlandungen – bis nach Berlin.

Foto: Stadtarchiv Krefeld

Von Krefeld mit dem Flugzeug nach Berlin, London oder Venedig – das war für einige Jahre ab „Bockum-International“ möglich. So hieß der Krefelder Flughafen natürlich nicht – aber „international“ trifft die Sache schon. Nachdem der Platz zunächst vom Militär genutzt wurde, zog nach den belgischen Besatzungstruppen die „Luft Hansa“ ein. Die Luftlinie nahm im Frühjahr 1926 Krefeld in ihr Streckennetz auf. Von der Verberger Straße gelangten die Passagiere über Dortmund und Braunschweig ohne Umstieg in die Reichshauptstadt Berlin. Anlässlich der Eröffnung der Linie strömten tausende Krefelder auf das Rollfeld.

„Die Flugzeuge sind
Luxuszüge der Luft“

Nur einen Tag nach dem endgültigen Abzug der Belgier aus dem Rheinland überflog am 2. Februar 1926 eine Maschine der „Luft Hansa“ (erst ab 1933 Lufthansa) mit Krefelder Journalisten den Flugplatz und die Stadt. Darüber berichteten sie anschließend in den hiesigen Zeitungen: „Die Flugzeuge sind Luxuszüge der Luft, bequeme Armsessel laden zu wohligem Ruhen und behaglichen Schauen der Landschaft ein, Deckenbeleuchtung, sogar eine Toilette ist vorhanden.“ Weitere zwei Tage später landete dort auch das erste Flugzeug, der Beginn der zivilen Luftfahrt in Krefeld. Vor der regulären Aufnahme des Betriebs kamen rund 50 000 Krefelder zu drei Flugtagen auf das Areal. Für den Auflauf sorgten unter anderem damalige bekannte Piloten wie Gerhard Fieseler und Ernst Udet.

Obwohl die Belgier einige Wartungshallen demontiert hatten, konnte mit den noch vorhandenen Gebäuden der Flugplatz seinen Betrieb aufnehmen. Die prestigeträchtige Berlin-Linie erwies sich jedoch bald als unwirtschaftlich, sodass man stattdessen einen planmäßigen Zubringerdienst zu den Flughäfen in Essen/Mülheim und Köln anbot. Das belebte das Geschäft. Auf diesem Wege konnten im Jahr 1933 die Krefelder mehr als 130 innerdeutsche und europäische Ziele erreichen: Von Krefeld über den Umstieg in Köln nach Venedig kostete ein Ticket 124 Reichsmark (eine Reichsmark 1933 entspricht 4,70 Euro). Die Flugdauer betrug etwas mehr als sieben Stunden. Der Flug nach Köln dauerte nur 25 Minuten und war mit zehn Reichsmark vergleichsweise günstig. Die schnellste Bahnverbindung benötigte übrigens 55 Minuten.

Eine größere Bedeutung hatte in Krefeld zunächst der Frachtverkehr. Im ersten Jahr wurden 73,7 Tonnen Versandgut vornehmlich der Seidenindustrie in alle Welt transportiert. Allerdings sanken auch hier die Zahlen bis zur Einstellung des zivilen Luftverkehrs 1934 an der Verberger Straße auf nur noch 16,7 Tonnen pro Jahr. Vor allem Köln dominierte dieses Geschäft – im Jahr 1934 mit 714 Tonnen. Für die „Luft Hansa“ lohnte sich der Betrieb von Krefeld allerdings so oder so: Die Stadt garantierte dem Unternehmen eine Flugleistung von mindestens 5000 Kilometern, für jeden nicht erreichten zahlte sie 1,70 Reichsmark Ausfallgebühr. Dazu kam es jedoch nur selten. Rund- und Werbeflüge sorgten neben dem übrigen Geschäft für das Erreichen der 5000er-Marke.

Die Starts der Passagiermaschinen steigerten sich in Krefeld von 224 (1926) auf fast 950 (1931) pro Jahr. Wegen des erhöhten Aufkommens wurde im Jahr 1928 die Renovierung und Modernisierung der Flughafen-Gebäude beschlossen und umgesetzt. So entstanden moderne Verwaltungseinheiten, Empfangs- und Warteräume sowie eine Gaststätte. Aufgrund der besseren Ausstattung wurde aus dem Verkehrslandeplatz ein Flughafen zweiter Ordnung. Ein Höhepunkt in der kurzen Geschichte der zivilen Luftfahrt in Krefeld sollte die Landung der Junkers G 38 am 7. Oktober 1932 sein, das seinerzeit größte Passierflugzeug der Welt, also die Airbus A 380 dieser Tage. Der viermotorige Koloss bot 50 Passagieren Platz, unter anderem in der Bugkanzel und den Flügeln.

Unrentable Kurzstrecken:
Zivilluftfahrt endet im Jahr 1934

Der Niedergang des Luftfernverkehrs zeichnete sich in den 1930er-Jahren ab. Die Flughäfen in Köln, Essen/Mülheim sowie Düsseldorf übertrafen die Regionalplätze wie in Krefeld immer mehr an Passagier- und Frachtumsatz. Die kurzen Flüge lohnten sich nicht mehr, weil Flugzeuge und Kraftwagen immer leistungsstärker und schneller wurden. In Krefeld endete 1934 die nur acht Jahre andauernde Zivilluftfahrt. Die letzte planmäßige Maschine hob am 31. Oktober ab. Bis 1945 nutzte dann die Luftwaffe das Areal. Alliierte Flugzeuge starteten und landeten nur noch selten auf dem Platz, sodass der Betrieb bald vollends eingestellt wurde.

Heute befinden sich dort ein Gewerbegebiet und der Stadtteil Gartenstadt. Die noch vorhandenen Gebäude wurden abgerissen. Übrig blieb lediglich ein Teil der gemauerten Einfriedung des Flughafens an der Ecke Werner-Voss-Straße/Emil-Schäfer-Straße. Weitere Informationen und Bilder gibt es online unter: Red