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Als Bruchhöfe noch das Hippedörp hieß

Als Bruchhöfe noch das Hippedörp hieß

Vor 85 Jahren ist die Siedlung an der damaligen Stadtgrenze zu Traar für kinderreiche Familien entstanden. Sie versorgten sich selbst. Am Samstag feiern die Bewohner das lange Bestehen der Nachbarschaft.

Krefeld. Eine Hippe gehörte in den ersten Jahren der Siedlung Bruchhöfe zu jedem Haushalt. Hippe ist der kriiewelsche Ausdruck für Ziege. Zu den Siedlungsgrundstücken erhielten die neuen Eigentümer die Ziege gratis, denn die kinderreichen Familien ohne Arbeit sollten sich mithilfe ihrer Parzelle, mit Gemüseanbau und Tierhaltung selbst versorgen. Lange sprachen die Nachbarn deshalb vom Hippedörp.

Am kommenden Samstag erinnert die Siedlergemeinschaft Bruchhöfe mit einem großen Fest an ihre Gründung im Jahre 1932. Im Gemeinschaftshaus an der Alten Rather Straße 105 gibt es ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen.

Wilma Lorenzen gilt als Urgestein: „Ich bin die Einzige, die seit 79 Jahren hier in der Siedlung wohnt und sie noch keinen Tag verlassen hat.“ Sie freut sich mit den anderen besonders auf Gegrilltes und ein Gläschen Bier. Dazu wird ab 18 Uhr die Band KISUM (Musik rückwärts gelesen!) aus Gartenstadt für Stimmung sorgen.

Die Siedlung, heute versteckt in Elfrath gelegen, entstand in den 1930er- Jahren im wasserreichen Bruch. Hier gab es nur ein paar Bauernhöfe in der Nähe von Haus Rath. Die Stadt Krefeld ging auf die Idee der damaligen Reichsregierung ein, armen Leuten Grund und Boden zu verschaffen und sie damit ein wenig aus dem Elend herauszuholen.

Voraussetzung für eine Siedlerstelle war, dass die Familie mehrere Kinder hatte, der Ernährer arbeitslos war und Geschick zur Landbearbeitung besaß. In einer Schrift findet man die weiteren Bedingungen: „Die Gesamtkosten einer Siedlerstelle durften 3000 Reichsmark (RM) nicht überschreiten. Für die Finanzierung wurde ein zinsgünstiges Reichsdarlehen gewährt. Den Restbetrag von 500 RM hatte der Siedler durch eigene Arbeitsleistung im Wege der Selbst- und Nachbarhilfe zu erbringen.“ Seinerzeit sprach man salopp von der Muskel-Hypothek.

Die Siedlungshäuser waren nicht groß. Wilma Lorenzen bewohnt noch eine Doppelhaushälfte mit einem Grundriss von 6,40 mal 4,70 Meter. Im Erdgeschoss gab es ein kleines Wohn- und ein Schlafzimmer. Im Dachgeschoss, über eine steile hölzerne Treppe erreichbar, befanden sich zwei kleine Kinderzimmer. Ein kleiner Anbau für die Küche führte zu den Schuppen für die Tiere. Und das Klo befand weit hinten im Garten. Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es für die Siedlung nur Sickergruben, dann erst erfolgte der Kanalanschluss.

Elisabeth Büntjen, die gemeinsam mit dem Ehepaar Barbara und Detlev Dohmen und Ralf Schenke zum Vorstand der Gemeinschaft gehört, erzählt, dass die ganz alten Bewohner sich noch immer als Traarer fühlen, obwohl man schon seit vielen Jahren zu Elfrath gehört. „Die reichen Traarer Bauern hatten nicht viel Sympathie für die armen Schlucker“, berichtet sie.

Heute gibt es in der Siedlung, die nur eine Zufahrt hat und keinen Durchgangsverkehr, fast 140 Grundstücke. Die Häuser passen sich dem Siedlungscharakter an, sind jedoch oft auf das Doppelte angewachsen. Und anstatt der Tierställe dominieren auch hier die Garagen.