Albert-Schweitzer-Realschule in Krefeld wehrt sich gegen Parkhaus

Albert-Schweitzer-Realschule : Krefelder Schule wehrt sich gegen Parkhaus

133 Stellplätze sollen in einem Neubau auf dem Gelände der Albert-Schweitzer-Realschule in Krefeld entstehen. Einen Bolzplatz auf dem Schulgelände habe die Stadt vor einigen Jahren wegen der dafür notwendigen Zäune aus „ästhetischen Gründen“ abgelehnt.

Wer derzeit mit Schülern der Albert-Schweitzer-Realschule ins Gespräch kommt, hört empörte Sätze wie diese: „Die nehmen uns hier noch mehr Grün weg!“ „Für das Fußballtraining wäre gar kein Platz mehr!“ „Notfalls machen wir eine Demo!“ Was René, Tom und Pascal aus der sechsten Klasse so auf die Palme bringt, sind Pläne der Stadt Krefeld, die am 19. Juni im Ausschuss für Bauen, Wohnen und Mobilität diskutiert werden: Auf dem Schulgrundstück soll zur Lüdersstraße hin ein Parkhaus mit bis zu 133 Stellplätzen entstehen.

Zum wiederholten Male nehme die Schulgemeinde dies „mit einigem Befremden zur Kenntnis“, heißt es in einer Stellungnahme, die Oliver Munzert vom Lehrerrat, Schulleiterin Christa Lunkenheimer, Stefanie Körte als Vorsitzende der Schulpflegschaft und Schülersprecher Andy Zola unterzeichnet haben. Nach Auskunft der stellvertretenden Schulleiterin Christina Eckhard wird dieses Schreiben an Verwaltung und Politik, aber auch an die Nachbarschaft rund um die alte Samtweberei an der Lewerentzstraße gehen.

Die ersten Pläne für die Parkpalette waren Anfang 2018 bekannt geworden. „Seitdem hatten wir davon aber nichts mehr gehört“, sagt Eckhard. Um so überraschter sei man gewesen, nun indirekt, also aus der Ausschussvorlage, erfahren zu müssen, dass diese Planung trotz aller Bedenken der Schule weiterverfolgt werde.

Stadt argumentiert mit hohem Parkdruck in der Innenstadt

Die Stadt spricht in der Ausschussunterlage davon, dass der Parkdruck in der Innenstadt hoch sei, oft würden auch Fahrzeuge in der Nähe des Schulstandorts verkehrswidrig abgestellt. Seit Schließung der baufälligen Quartiersgarage in der Alten Samtweberei fordere die Politik dringend eine neue Quartiersgarage.

Der Bau des Parkhauses mit seinen sieben Nutzungsebenen auf fünf Etagen könnte die Situation aus Sicht der Stadt entspannen. Für Langzeit- und Dauerparker sei hier die Anmietung von Stellplätzen möglich. Sollte das perspektivisch angedachte Parkverbot auf dem benachbarten Deutschen Ring umgesetzt werden, würde dies zu einer zusätzlichen Verlagerung des ruhenden Verkehrs führen, argumentiert die Stadt.

Das Parkhaus soll auf dem Grundstück des jetzigen Lehrerparkplatzes (dort stand früher eine Turnhalle) in Fertigbauweise errichtet werden. In der Höhe soll es sich an den Nachbarhäusern orientieren. Die Aus- und Einfahrt soll zum Ring hin erfolgen. „Konfliktpotential mit Schülern wird dadurch deutlich reduziert bzw. vermieden“, heißt es in der Unterlage.

Die Schulgemeinde sieht dies alles ganz anders. Den Parkdruck in der Innenstadt könne man nicht über ein Parkhaus regeln, das davon 1,2 Kilometer entfernt sei. Einen Bolzplatz auf dem Schulgelände habe die Stadt vor einigen Jahren wegen der dafür notwendigen Zäune aus „ästhetischen Gründen“ abgelehnt – wenn man Platz für Autos brauche, spielten diese offenbar keine Rolle.

Das Außengelände sei schon jetzt sehr klein: Die von den Schulbau-Richtlinien geforderte Fläche von 25 Quadratmeter pro  Schüler könne die Albert-Schweitzer-Schule als Ganztagsschule derzeit nur zu 72,5 Prozent erfüllen. Die geplante Bebauung nehme Teile einer Wiese hinter dem Lehrerparkplatz ein und werde das Schulgrundstück weiter reduzieren – und dies ausgerechnet im Bereich der Rasenspielfläche. Sollte die Stadt weitere Anbauten auf dem Gelände umsetzen (es ist von einer Erweiterung des ehemaligen Grundschulgebäudes die Rede), würde sich die Situation weiter verschlechtern. „Wir wollen auch nicht noch mehr wachsen“, betont Christina Eckhard mit Blick auf derzeit 640 Schüler.

Es sei ein „unfassbarer Anachronismus“, über ein neues Parkhaus an ungeeignetem Standort noch mehr Autoverkehr in die City locken zu wollen, schreibt die Schulgemeinde. Grün und Bäume sowie Spielmöglichkeiten wolle man hier opfern, dafür mehr Lärm erzeugen. Geradezu als zynisch wird es laut Eckhard empfunden, wenn jetzt davon geredet werde, auf dem Dach des Parkhauses könne man ja ein Bienenvolk ansiedeln. „Da werde ich richtig wütend.“

Der wichtigste Punkt aus Sicht der Schule: Das Verkehrsaufkommen werde sich drastisch erhöhen – „und somit auch die Unfallgefahr für die 640 Schüler“. Auch eine Zufahrt am Deutschen Ring ändere daran nichts. „Gerade bei diesem Thema sind wir sehr sensibilisiert“, betont Christina Eckhard und erinnert daran, dass eine Schülerin der Albert-Schweitzer-Realschule im Dezember 2017 an der Gladbacher Straße tödlich verunglückt war.

„Sind Autos in Krefeld wichtiger als Kinder?“, fragt die Schulgemeinde. Erste Gespräche mit der Politik hat es laut Eckhard gegeben, Vertreter der SPD hätten dabei signalisiert, das Parkhaus sei nicht zu verhindern. Die Grünen seien unentschlossen, mit der CDU spreche man erst wenige Tage vor der Ausschusssitzung.

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