Aktionstag: Nicht lange fackeln bei häuslicher Gewalt

Aktionstag: Nicht lange fackeln bei häuslicher Gewalt

Das Netzwerk gegen Übergriffe an Frauen startet am Dienstag verschiedene Aktionen, um auf das Problem hinzuweisen.

Krefeld. Sandra K. hat die Gewalttätigkeiten ihres Mannes zum Schluss nicht mehr ausgehalten und sich nach vielen leidvollen Jahren scheiden lassen. Wenn sie über ihre Ehe spricht, stellt sich die 40-Jährige die Frage: "Warum musste er mich und meine beiden Kinder ständig schlagen?"

Als sie einmal ins Frauenhaus flieht, macht er sie ausfindig und gelobt Besserung. Das Gegenteil ist der Fall. Eines Abends tritt er auf die am Boden liegende Frau so stark ein, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.

Häusliche Gewalt reicht von Beleidigungen über Bedrohungen bis hin zur rohen Gewalt. Sie ist kein einmaliges Ereignis, sondern nimmt oftmals zu. "Fast immer brauchen die Opfer Hilfe und Unterstützung von außen", erklärt Silvia Hellfeier, die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Sie ist in der Koordinierungsstelle des "Krefelder Netzwerks gegen Häusliche Gewalt" tätig.

Am "Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen" möchten die im Netzwerk Aktiven die Menschen für das Thema sensibilisieren. In diesem Jahr ist die Feuerwehr Partner der Aktion unter dem Motto: "Nicht lange fackeln gegen häusliche Gewalt."

Seelische und körperliche Gewalt kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Nachbarn, Lehrer und Ärzte sind die ersten, die blaue Flecken bemerken. Sie dürfen nicht nur hinsehen, sondern müssen handeln, wenn der Verdacht auf Gewalt vorliegt.

Die Fachberatungsstelle "Häusliche Gewalt" ist die erste Anlaufstelle, auch für die Betroffenen selbst. Hier ist der Anrufbeantworter von Leiterin Juliane Saulle ständig eingeschaltet.

"Wir haben pro Jahr knapp 500 Einzelkontakte und 250 Fälle", so Saulle. "Ich versuche am Telefon Rat zu geben, Hausbesuche zu organisieren oder die Frauen zu begleiten, damit sie wissen, wie es weitergeht mit Wohnung, Kindern und Geld."

Karin Kretzer vom Kriminalkommissariat Vorbeugung berichtet: "In 2008 hatten wir 882Anzeigen wegen häuslicher Gewalt - ohne Dunkelziffer."

154 Mal wurde der Täter der Wohnung verwiesen. Dies gilt zuerst für zehn Tage. Das Opfer kann den Verweis per Gerichtsbeschluss auf ein halbes Jahr verlängern. Jeder vierte Fall gehe an die Fachberatungsstelle oder ans Jugendamt, so Kretzer.

Die zuletzt genannte Behörde greift mit dem Team Kindeswohl Krefeld (TKK) in Fällen, wenn Kinder unter drei Jahren betroffen sind, sofort ein. "Bei Kindern bis zu vierzehn Jahren sind wir sehr schnell", sagt Hans Gerber vom Fachbereich Jugendhilfe, "und bei Jugendlichen bis zu achtzehn Jahren schnell."