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Aktionsplan Wirtschaft: Diese Ideen sollen Krefeld attraktiver machen

Wirtschaft : Diese Ideen sollen Krefeld attraktiver machen

Die Industrie- und Handelskammer, die Stadt Krefeld und die Wirtschaftsförderung haben vor einem Jahr den „Aktionsplan Wirtschaft für Krefeld“ initiiert — eine Zwischenbilanz.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, die Stadt Krefeld und die Wirtschaftsförderung haben im Sommer 2018 den „Aktionsplan Wirtschaft für Krefeld“ initiiert. Gemeinsam mit Unternehmen, Gewerkschaften, der Hochschule Niederrhein und vielen anderen Institutionen wurden vier Arbeitsgruppen gebildet: „Infrastruktur, Mobilität, Flächen“, „Lebensqualität und Urbanität“, „Bildung, Fachkräfte und Arbeitsmarkt“ sowie „Innovation, Gründung und Digitalisierung“. Seit einem halben Jahr entwickeln die vier AGs nun Projektideen – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Arbeitsgruppe „Bildung, Fachkräfte und Arbeitsmarkt“

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist für die Unternehmen in Krefeld das Konjunkturrisiko Nummer Eins. „Wir haben uns vorgenommen, den Fachkräftemangel in der Stadt zu lindern“, erklärt Oliver-Carlos Göhler, Sprecher der AG „Bildung, Fachkräfte und Arbeitsmarkt“. Dabei möchten die Aktiven der Arbeitsgruppe an erfolgreiche Projekte anknüpfen.

Das von der Wirtschaftsförderung initiierte Portal „Krefeld kann was“ hatte 2018 für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Aktionsplan-Arbeitsgruppe hat nun Ideen erarbeitet, wie dieses Standortmarketingkonzept, das von rund 20 Firmen unterstützt wird, weiterentwickelt werden kann. „Inzwischen haben viele Unternehmen erkannt, dass es nicht ausreicht, auf Bewerber zu warten“, sagt Göhler. „Die Unternehmen müssen selbst aktiv werden und sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren.“

Ein professionelles Stellenmarketing und die Beschleunigung der Rekrutierungsprozesse werden immer wichtiger. „Kleine und mittelständische Unternehmen verfügen allerdings oftmals nicht über ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen, um mit Großunternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte zu konkurrieren“, so Bettina Rademacher-Bensing, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld und stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgruppe. Die Projektidee sieht vor, dass kleine und mittelständische Betriebe die Möglichkeit erhalten, sich mit Hilfe von 360-Grad-Videos auf Plattformen zur Fachkräftesicherung zu präsentieren. „So können sich die Betriebe potenziellen Bewerbern vorstellen“, sagt Göhler.

Arbeitsgruppe „Innovation, Digitalisierung und Gründung

„Als starker Industriestandort beweist Krefeld seit Jahrzehnten, dass die Unternehmen hier Innovationen können – dieses Erbe wollen wir auffrischen und auch für Digitalisierung und die Start-Up-Branche noch wirksamer werden lassen“, so Mario Bernards, Sprecher der Arbeitsgruppe „Innovation, Digitalisierung und Gründung“. „Das Wichtigste dafür sind passende Strukturen, die Entwicklungen möglich machen, anstatt sie zu erschweren. Dafür haben wir in der Arbeitsgruppe diverse Ansätze diskutiert. Vieles gibt es in Krefeld bereits,  aber bei einigen Aspekten haben wir Nachholbedarf. Genau hier setzt der Aktionsplan an.“

Eines der zentralen Projekte ist die Errichtung der Coding School Krefeld. Hier hat sich die Hochschule Niederrhein gemeinsam mit der Stadt und der IHK zum Ziel gesetzt, Programmierkenntnisse frühzeitig an Schüler zu vermitteln. Dazu soll eine Programmierschule gegründet werden. Momentan werden noch Unternehmen gesucht, die sich an der Startfinanzierung beteiligen. In weiteren Ausbauschritten soll das Angebot der Programmierschule auch anderen Zielgruppen zur Verfügung stehen. Denn Digitalisierung umfasst alle Lebensbereiche und Altersgruppen – die Krefelder sollen dafür fit gemacht werden.

Arbeitsgruppe „Infrastruktur, Mobilität, Flächen“

In der Arbeitsgruppe „Infrastruktur, Mobilität, Flächen“ geht es um harte Standortfaktoren –  zum Beispiel um Gewerbeflächen. Das entsprechende Angebot in der Stadt ist knapp. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Konsens darüber zu erzielen, welche Bereiche in der Stadt für neue Gewerbegebiete infrage kommen könnten“, erläutert Detlev G. Moritz, Unternehmer und Sprecher der Arbeitsgruppe. Als Resultat soll eine „Krefelder Erklärung für Flächen“ formuliert werden. Gleichzeitig hat sich die AG vorgenommen, mit einer Brachflächenanalyse zu ermitteln, wie ehemalige Industrieareale für die Wirtschaft nutzbar gemacht werden können.

Beim Thema Verkehr steht unter anderem das Mobilitätskonzept der Stadt im Fokus. Die IHK hatte im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung alle Mitgliedsunternehmen um Anregungen und Hinweise gebeten. Auffällig ist, dass Krefeld eine der wenigen großen Städte ohne ein eigenes Radverleihsystem ist. Im Rahmen des Aktionsplans wird nun ausgelotet, wie dafür ein Sponsoring-Modell mit privaten Anbietern gestaltet werden könnte. „Vor allem junge Leute – Studenten und Schüler – schätzen Radmobilität“, so Moritz. „Ein Radverleihsystem würde Krefeld für diese junge Zielgruppe attraktiver machen.“

Auch bei der Elektromobilität hat Krefeld noch Ausbaupotenzial. Die Stadt nimmt zurzeit an einem Wettbewerb zur Förderung der E-Mobilität teil. „Sollte Krefeld die Fördersumme erhalten, möchten wir im Rahmen des Aktionsplans Unternehmen dafür gewinnen, Ladesäulen auf ihren Unternehmensgrundstücken zur Verfügung zu stellen“, erklärt Moritz.

Arbeitsgruppe „Lebensqualität und Urbanität“

„Unsere Innenstadt soll wieder liebenswert werden.“ Das hat sich Christoph Borgmann, Einzelhändler und Sprecher der AG „Lebensqualität und Urbanität“ vorgenommen. „Wir wollen die vier Wälle als Wahrzeichen Krefelds wieder sichtbar machen“, so Borgmann. „Die Wallstruktur der Innenstadt ist einzigartig.“ Die Stadtgesellschaft müsse sich die schönen Plätze der Stadt wieder zurückerobern. „Das gelingt uns nur mit Aktivitäten, die dazu beitragen, die Innenstadt attraktiver zu machen“, betont Borgmann.

Dabei können auch digitale Werkzeuge helfen. So hat Markus Ottersbach, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Krefeld-Kempen-Viersen, im Lenkungsausschuss des Aktionsplans die Idee einer digitalen Kommunikationsplattform für die Innenstadt vorgestellt. Über diese Lösung können sich Kunden unter anderem über die Produktverfügbarkeit im lokalen Einzelhandel informieren und auch direkt einkaufen. Es wird nun geprüft, ob und wie dieses Portal realisiert werden kann. „Es könnte eine sinnvolle Lösung sein, um den stationären Handel mit einer Online-Lösung zu kombinieren“, sagt Borgmann. „Im Falle einer Realisierung versprechen wir uns davon auch eine höhere Frequenz in der Innenstadt.“

„Eine Zielgruppe, die noch besser angesprochen werden könnte, ist die Gruppe der Studierenden“, so Borgmann. Eine Ist-Analyse hat gezeigt, dass die meisten Studierenden der Hochschule Niederrhein die Stadt nach den Vorlesungen wieder verlassen. Die Arbeitsgruppe „Lebensqualität und Urbanität“ hat sich vorgenommen, das studentische Leben wieder sichtbarer zu machen und Studierende für Krefeld zu gewinnen. „Krefeld wird Studentenstadt“ lautet die Vision.

Im Rahmen des Aktionsplans wurden auch die Studierenden miteinbezogen. Ein Kurs des Designprofessors Thorsten Kraus hat sich im abgelaufenen Sommersemester damit beschäftigt, mit welchen konkreten Maßnahmen die Attraktivität Krefelds als Wohn- oder Aufenthaltsort in den Augen von Studierenden gesteigert werden können. „Zudem ist vielen Studierenden nicht bekannt, welche Unternehmen in Krefeld zuhause sind und welche spannenden beruflichen Perspektiven diese Firmen bieten“, so Borgmann. „Wir möchten doch schließlich, dass viele junge Absolventen in Krefeld oder zumindest in der Region bleiben.“ Damit dies künftig häufiger der Fall ist, arbeitet die AG „Urbanität und Lebensqualität“ an Projektideen.  Red