Ailton: Die Lichtgestalt der 6. Liga

Ailton: Die Lichtgestalt der 6. Liga

Der „Kugelblitz“ aus Brasilien verzaubert im Dezember die gesamte Stadt.

Krefeld. Über viele Jahre führte der KFC Uerdingen in der Fußballwelt ein Schattendasein. Das ist seit dem 2.Dezember 2009 vorbei: An diesem Tag bringt eine Lichtgestalt den Krefelder Sechstligisten europaweit in die Schlagzeilen. Der brasilianische Star Ailton unterzeichnet einen mit angeblich 300000 Euro dotierten Vertrag in Uerdingen. Hunderte Fans, ein Dutzend Kamerateams - mit viel Pomp präsentiert KFC-Boss Agissilaos Kourkoudialos (genannt Lakis) seinen "Kugelblitz" in der Grotenburg.

"Ganz Deutschland lache, dass Ailton spiele jetzt sechste Liga", sagt der 36-Jährige in seinem typischen und von den Fans geliebten Ailton-Deutsch. "Isse verrückt, aber ich binne eben bisschen verrückt." Das Lachen des Brasilianers verzaubert für ein paar Tage die ganze Stadt: Autogrammstunden, Weihnachtsmarktbummel, Wohnungssuche. Ailton hier, Ailton da. Wie einen Tanzbären scheucht ihn der KFC durch die Marketing-Manege. Mit Erfolg: Der Umsatz im Fanshop steigt, der Medienrummel ebenfalls und Sponsoren stehen laut Lakis Schlange.

Weitere Ex-Profis sollen Ailton in die Grotenburg folgen. Die Türken Erhan Albayrak (32) und Ersan Tekkan (24) sind schon da. Auf Lakis’ Marketing-Wunschliste stehen angeblich Dietmar Hamann (36) und Boris Zivkovic (34). Und dann geistert ja auch noch der Trainer Olaf Thon durch Krefeld - genauer gesagt durchs Café Inn. Alles, um laut Lakis schnellstmöglich zurück in die dritte Liga zu kehren.

Am 8.Januar wird Aílton Gonçalves da Silva in Krefeld zurückerwartet. Dann steht ein Laktattest an, auf den er sich nach eigener Aussage bestens in Brasilien vorbereitet: "Esse, schlafe, esse, schlafe, bisschen laufe." Im Januar geht es auch ins Trainingslager nach Norderney. Dort wird der KFC-Trainer - wahrscheinlich Wolfgang Maes - vermutlich "esse" durch "laufe", "sprinte" und "hüpfe" ersetzen.

Schließlich braucht der Klub einen fitten Ailton für seine ehrgeizigen Ziele. Nur durch Medienpräsenz - zu der man KFC-Boss Lakis ausdrücklich gratulieren muss - schafft man keinen Aufstieg. Dazu muss der "Kugelblitz" auch sportlich überzeugen. Ansonsten könnte es Ärger mit den Mannschaftskollegen geben, die im Schatten der teuren Lichtgestalt stehen.

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