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Menschenaffen: Affen Hautnah - ein Besuch hinter den Zoo-Kulissen

Menschenaffen : Affen Hautnah - ein Besuch hinter den Zoo-Kulissen

Im Zoo können Tierliebhaber den Menschenaffen näher kommen und ihnen Essen zubereiten.

Krefeld. Nach einer Viertelstunde hat Charly genug. Im hohen Bogen wirft der Schimpanse einen Ball über die Gehege-Begrenzung hin zu den wenigen Gästen, um sie aus seinem Territorium zu vertreiben. Zwei Besucher, Andrea und Marc Käwel, haben ihn und seine Familie zuvor von oben aus gefüttert. Sie sind das Premierenpaar, das erstmals das neue Angebot nutzen und hinter die Kulissen der Gehege gucken darf — dort, wo sonst kein Zoo-Besucher hinkommt.

„Charly ist der Chef, jetzt müssen wir gehen“, erklärt Christine Peter ihren „Praktikanten für einige Stunden“. „Mit dem Ballwurf zeigt er uns, dass er Ruhe haben möchte“, sagt die deutschlandweit einzige Fachfrau für Tierbeschäftigung. Andrea Käwel freut sich, ganz nahe bei den Tieren sein zu können: „Ich habe den außergewöhnlichen Besuch von meinem Mann zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich bin schon immer eine große Zoo- und Tierliebhaberin gewesen, möchte den Alltag der Pfleger kennenlernen und die Tiere aus einer anderen Perspektive erleben. Nach dem Urlaub auf dem Bauernhof sind wir nun hier. Der Zoo ist wunderschön mit dem alten Baumbestand. Das passt zu den Tieren. Hier sehen wir: Die Tiere stehen im Mittelpunkt.“

In der Futterküche haben die Premierengäste aus Langenfeld zuvor die Hände desinfiziert, Reisbällchen gedreht und einen Eimer mit halbierten Paprika, Kohlrabi, Möhrenstücken, Porree und Eisbergsalat gefüllt. Vier, fünf Kilo sind darin. Als sich die Gruppe nähert, gibt es aufgeregtes Gekreische bei den Schimpansen: „Das ist die Vorfreude aufs Mittagessen“, sagt Peter. Sie hat jede Menge Infos parat und sagt: „Futter gibt es dreimal täglich. Zwischendurch werden Leckerlis versteckt.“

Andrea und Marc Käwel werfen das Futter aus sicherer Höhe Richtung Menschenaffen. Charly fängt auch ungenau geworfenes Gemüse und Reisbällchen locker mit den Händen oder sofort mit dem Mund — natürlich ohne dabei vom Ast zu fallen. Massa, der 45-jährige Gorilla im Gehege nebenan, hat einen halben Salatkopf in den Händen, beißt genüsslich ab und kaut — ohne die Gruppe aus den Augen zu verlieren. „Hier ist sein Bereich. Er beobachtet uns. Ich bin seine Bezugsperson. Mich jetzt zu umarmen oder laut zu sprechen, geht gar nicht. Er passt auf mich auf und hält immer Blickkontakt. Seine Züge sind jetzt sehr entspannt“, erklärt Peter.

Schicht für Schicht beißt Massa vom Porree ab und richtet den Kopf dabei stets zur Gruppe hinauf. Die Besucher sind begeistert. Auch über die Begleiterin vom Zoo: „Da spüren wir ganz viel Liebe zu den Tieren.“ Tumba, die 43 Jahre alte Gorillafrau, hat es der Besucherin angetan. „Sie guckt so süß und treu aus ihrem herzlichen Gesichtchen, fast wie ein Mops“, findet Andrea Käwel. Von nebenan schaut ein Orang Utan neugierig durch die Scheibe.

Dann geht es zurück in die Futterküche. Hier wird das Menü für Weißgesichtssakis und Agutis zubereitet, die gemeinsam untergebracht sind. Die wuscheligen Äffchen huschen über die Zweige, die Agutis, die mit Meerschweinen verwandt sind, sind sehr neugierig, stürzen sich auf die Erdnüsse und quietschen beim Knabbern leise vor Wonne. Auch Andrea und Marc Käwel haben keine Scheu. „Die sind so niedlich“, finden die beiden und halten krabbelnde Mehlwürmer zum Festmahl hin.