Acht Krefelder Straßen sollen laut BUND im Sommer autofrei werden

Mobilität : Acht Krefelder Straßen sollen laut BUND im Sommer autofrei werden

Acht Straßen sollen in Krefeld im Sommer tagsüber gesperrt werden. WZ fragt nach Reaktionen von Politik und Verwaltung.

Karin Mast von der Kreisgruppe Krefeld im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat ein ungewöhnliches Experiment vorgeschlagen: Acht Straßen in der Innenstadt sollen im Sommer tagsüber autofrei werden. Das Ganze soll im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche 2019 geschehen und ein Versuch sein, die Stadt zu verändern.

Das Vorbild zu der Aktion könnte Hamburg sein, denn dort ist eine autofreie Zone rund ums Rathaus bereits seit dem vergangenen Herbst im Gespräch. Die Idee dazu sei bei einem Workshop in der „Patriotischen Gesellschaft“ entstanden, berichtete kürzlich das Magazin „Die Zeit“ in seiner Online-Ausgabe. Mit beweglichen Blumenkübeln könne man um 11 Uhr acht kleine Straßen des Viertels absperren und sie um 23 Uhr wieder öffnen, damit der Lieferverkehr rollen kann. Auch die Parkhäuser sollen erreichbar bleiben.

Gastronomen, Grundeigentümer und Hausnutzer hätten sich bei einer Befragung mehrheitlich positiv geäußert, als Zeitraum des Experiments sei Mai bis September im Gespräch, schreibt „Die Zeit“. Ein „Antrag auf Sondernutzung des öffentlichen Raums“ sei in Vorbereitung. Entscheiden müsse darüber der City-Ausschuss der Bezirksversammlung, in dem es eine Rot-Grüne Mehrheit gebe.

CDU: Vorschlag ist nur auf den ersten Blick charmant

„Ob wir das in Krefeld so wie in Hamburg mehrere Monate hinbekämen, wäre von Seiten der zuständigen Fachleute zu prüfen, aber im Rahmen der Mobilitätswoche sollte das doch auf jeden Fall realisierbar sein“, sagt Karin Mast. Sie hat ihren Vorschlag an den Oberbürgermeister und sämtliche Ratsfraktionen geschickt.

Wie sehen dort die Reaktionen aus? Bei der CDU heißt es auf Anfrage der WZ: „Der Vorschlag des BUND ist auf den ersten Blick charmant. Auf den zweiten Blick haben jedoch Anwohner, Händler, Pendler und Besucher der Innenstadt das Recht, öffentliche Straßen zu nutzen. Gerade den Anwohnern und Händlern kann eine Straße nicht einfach vor der Nase gesperrt werden.“

Die CDU schlägt vor, die Mobilitätswoche für andere Projekte zu nutzen. Daher habe man auch den Antrag gestellt, dass die Stadt an dem EU-Projekt teilnimmt. „Die Stadtverwaltung ist also gefragt, hier entsprechende Initiativen zu setzen. Wenn der BUND daran mitarbeitet, wäre hier mehr gewonnen, als acht Straßen zu sperren“, so die Christdemokraten. Die Überlegungen könnten dann auch in das Krefelder Mobilitätskonzept einfließen, das gerade erarbeitet wird (siehe Box).

FDP: Mehrbelastung an anderer Stelle

Skeptisch äußert sich auch die FDP. „Die Bürger ticken anders als der BUND“, urteilt der Fraktionsvorsitzende Joachim C. Heitmann. Denn der Teufel stecke im Detail: Die Sperrung von Straßen an einer Stelle habe eine Mehrbelastung an anderer Stelle zur Folge. Auch habe der BUND weder einen konkreten Zeitraum vorgeschlagen noch Straßen benannt. Schon jetzt sei die Krefelder City vielfach von Fußgängern geprägt, auf den Straßen gebe es oft Tempo 30 oder weniger. Auch müsse man die Belange von Handel und Dienstleistungen berücksichtigen sowie nach den Empfehlungen des von Junker und Kruse erarbeiteten Gutachtens „Krefeld-Perspektiven für die Entwicklung der Innenstadt“ das Wohnen in der City fördern. „Wir sollen den Plan einer autofreien City daher nicht weiter verfolgen“, sagt Heitmann.

Linke: Umsetzung wäre ein guter Anfang

Wolfgang Dresen, Geschäftsführer der Fraktion Die Linke, sieht das anders. „Die Innenstadt sollte nicht für Autos da sein, sondern für Menschen“, betont er. Die Umsetzung des Vorschlags des BUND wäre deshalb aus seiner Sicht „ein guter Anfang“, doch müsse die Sperrung über die genannten acht Straßen hinaus gehen. Temporeduzierungen wie auf dem Ostwall in Höhe der Straßenbahnhaltestelle Rheinstraße seien vorbildlich. Den Zulieferverkehr für die Geschäfte könne man auf bestimmte Zeiten beschränken. Um die Innenstadt von Autos zu befreien, sei aber der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs notwendig, fordert Dresen.

SPD: Das Experiment ist ein spannender Ansatz

Auch Jürgen Hengst, planungs- und verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, begrüßt die Idee des BUND: „Wir halten das vorgeschlagene Experiment für einen spannenden und interessanten Ansatz.“ Selbstverständlich sei klar, dass es hierbei zunächst nicht um langfristige Effekte, sondern um eine Sensibilisierung und einen Gedankenanstoß für eine neue Ausrichtung innerstädtischer Mobilität gehe. „Wir werden uns daher in unserer nächsten Fraktionssitzung am kommenden Montag mit dem Vorschlag auseinandersetzen und zudem das Gespräch mit dem BUND suchen, um offene Fragen, etwa welche Straßen konkret temporär vom Pkw-Verkehr befreit werden sollen oder welche Konsequenzen dies für die Buslinien der SWK oder Entsorgungsfahrten der GSAK hätte, zu klären.“

Ein Ziel der Politik der SPD sei die Umsetzung stadtplanerischer Maßnahmen, „mit der wir die Chancen einer umweltfreundlichen Mobilität verbessern“. In direktem Bezug auf die Krefelder Innenstadt bedeute dies eine deutliche verkehrliche Entlastung sowie eine Ausrichtung der Planungen an den Funktionen einer modernen Innenstadt. Ein Beispiel sei die mögliche Verkehrsberuhigung der St.-Anton-Straße, um ihre Wirkung als „trennende Schneise“ durch die Innenstadt endlich aufheben zu können. „Flankiert werden muss diese Maßnahme dann von Optimierungen der Verkehrsflüsse des Stadtrings“, sagt Hengst.

Bündnis 90/Die Grünen erklärten, der BUND-Vorschlag sei „gar nicht so schlecht“ und müsse geprüft werden. Eine Umsetzung könne auch über acht Straßen hinaus gehen.

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