Abriss oder Denkmal: Münster entscheidet übers Casino

Abriss oder Denkmal: Münster entscheidet übers Casino

Vor dem Oberverwaltungsgericht streiten Bayer und Stadt über die Zukunft der ehemaligen Betriebskantine.

Der jahrelange Rechtsstreit um die Zukunft des Bayer-Casinos ist jetzt Sache der Richter am Oberverwaltungsgericht Münster. Am 14. Mai werden in zwei Prozessen die grundlegenden Fragen geklärt, ob die ehemalige Betriebskantine ein Denkmal ist oder ob nicht — und das Gebäude abgerissen werden darf. Letzteres möchte der Chemiekonzern seit Jahren erreichen.

Bereits im Juli 2013 hatte Bayer einen Antrag zum Abriss des ehemaligen „Angestelltenspeisehauses“ gestellt. Die Stadt stellte das Gebäude, Baujahr 1961, 2015 unter Denkmalschutz. Eine Klage der Bayer Real Estate (BRE) dagegen wurde vom Verwaltungsgericht Düsseldorf im Juni 2016 in beiden Fällen abgewiesen. Der Konzern ging in Berufung. Jetzt treffen sich beide Parteien Mitte Mai im Sitzungssaal II am Oberverwaltungsgericht Münster wieder.

Der Konzern beklagt, dass das Gebäude pro Jahr trotz Leerstands Kosten in sechsstelliger Höhe verursachen würde. Eine vollständige Sanierung der ehemaligen Kantine schätzt Bayer auf rund zehn Millionen Euro. Der Konzern hegt andere Pläne und will das Areal als letzte mögliche neue Anlegerstelle nutzen können.

Doch so lange das Gebäude von der Stadt als Denkmal eingestuft ist, wird es keinen Abriss geben. Dass das Casino „denkmalwert“ ist, betont auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der zu dem Gerichtsprozess am 14. Mai beigeladen ist. In einem Gutachten des LVR aus dem Jahr 2013 heißt es, das Casino sei bedeutend für die Geschichte der Bayer AG, die Stadt Krefeld und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im Rheinland. Und weiter: „Seine Erhaltung liegt aus architekturgeschichtlichen, geschichtswissenschaftlichen und soziologischen Gründen im öffentlichen Interesse.“

Zudem besitze das Casino, ein Bauwerk des Krefelder Architekten Helmut Hentrich, eine der am konsequentesten gestalteten Metall-Glasfassaden überhaupt.

Zuletzt hatte der Uerdinger Bezirksvorsteher Jürgen Hengst im Gespräch mit unserer Zeitung betont: „Für das Casino ist praktisch keine Nutzung möglich, weil es im direkten Einzugsgebiet des Chemieparks liegt. Gastronomie oder Tagungsräume wären darin nicht mehr zulässig. Insofern: Ich bin dafür, dass es abgerissen wird.“