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A57-Ausbau in Krefeld: Angelsportfreunde fürchten um ihr Biotop

Umwelt : Angelsportfreunde fürchten um ihr Biotop

Der Baustart für den Ausbau der A57 an der Anschlussstelle Krefeld-Zentrum wird noch Jahre dauern. Doch schon jetzt ist die Sorge Betroffener groß.

Der Weiher im Neuenhofenpark an der Fasanenstraße ist ein intaktes Ökosystem mit einer riesigen Vielfalt an Fischen. „Alle europäischen Arten, die es gibt, haben wir hier“, schwärmt Ralf Bertram, Vorsitzender des Angelsportvereins Krefeld Bockum. Rotauge, Rotfeder, Brasse, Karpfen, Hecht, Zander, Barsch, Aal und Wels teilen sich den fast ein Hektar großen und bis zu zwölf Meter tiefen Lebensraum. Doch Biotop und Parkidylle als wichtiger Grünzug zwischen den am stärksten befahrenen Verkehrsachsen Krefelds sind in Gefahr. Die Verbreiterung der A57 rückt nicht nur zeitlich näher, sie wird dem Teich auch räumlich unangenehm nahe kommen, befürchten die Angelfreunde.

Den Zeitpunkt der Offenlegung der Pläne im vergangenen Jahr haben Bertram und seine Vereinsmitglieder zwar verpasst, doch an die Pflöcke, die bei den Planungsarbeiten vor Ort eingeschlagen gewesen sind, kann er sich noch genau erinnern. „Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt. Aber wir gehen davon aus, dass auch die Zufahrt von dem Ausbau betroffen ist.“ Schon heute sind es von der Lärmschutzwand bis zum südwestlichen Ufer des Sees nicht viel mehr als zehn Meter. Bertram deutet auf ein kleines, weißen Steinhäuschen am Rande der Kleingartenanlage neben der Berliner Straße und zieht den Finger durch die Luft entlang des Uferwegs bis zum Hundeplatz. „Das wird alles betroffen sein“, glaubt er. Nicht ganz klar sei, ob der Weg nach der Verbreiterung der Autobahn erneut rund um den Teich geführt werde. „Dann müsste von dem Teich an der Seite etwas weggenommen werden.“

Soweit wird es nach Angabe von Athanasios Mpasios, Leiter der Projektgruppe Bundesautobahn bei Straßen.NRW, aber nicht kommen. „Wir gehen nicht in den Park rein und bleiben in unserem Eigentum“, verspricht er. Die so genannte Rampe werde nur aufgeschüttet. „Den Weg gehen wir auch nicht an.“ Allerdings müsse in der Böschung gearbeitet werden, sagt Mpasios. „Natürlich wird es ein baulicher Eingriff werden.“

Allein schon von den Arbeiten bei der Verbreiterung der Autobahn gehe eine Gefahr für den Teich und seine Bewohner aus, sagt Bertram: „Das ist ein Biotop, damit muss man vorsichtig umgehen.“ Es könne beispielsweise zu viel Sand in den See gelangen. „Da kann solch ein Gewässer auch mal umfallen.“ Der Vorteil sei, dass der Weiher mit zwölf Metern in der Mitte besonders tief sei. Deshalb sei auch in den vergangenen Jahren mit großer Hitze der Bestand nie gefährdet gewesen. „Wir hatten hier nie Schwierigkeiten mit Fischsterben.“

Falls die Arbeiten näher an den See heranrückten, als geplant, könnten auch die Wurzeln der abgeholzten Weiden am Uferrand Schaden nehmen. Sie dienen Jungfischen als Unterschlupf und auch ausgewachsenen Tieren als Schutz vor Kormoranen. Drei Pärchen fliegen täglich zur Jagd ein. Vergrämen lassen sie sich durch den beweglichen Kunststoffschwan in der Mitte nicht. Ralf Bertram schließt nicht aus, dass die Spundwände für den künftigen Lärmschutz in der Nähe des Uferrand eingelassen werden und die Schutzräume der Tiere zerstören würden.

Verkleinerung des Weihers hat schon die Runde gemacht

Sogar die Variante, dass der See verkleinert wird, haben die Mitglieder des Angelsportvereins schon diskutiert. Allerdings hätten dann nicht mehr alle rund 30 Mitglieder des Vereins die Möglichkeit, dort zu angeln. Und würde die Nachwuchsarbeit womöglich behindern. Mehrere Jugendliche sind bei den Anglern aktiv – nicht nur, weil das Hobby wie beim Vorsitzenden von einer Generation zur nächsten weitergegeben werde. Bertrams Vater Dieter gehörte zu den Gründungsmitgliedern des über 50 Jahre tätigen Vereins, Sohn Sascha ist auch Mitglied beim Angelsportverein Krefeld Bockum – und der Enkel steht schon bereit.

Große finanzielle Sprünge kann sich der Verein trotzdem nicht leisten. Von den Mitgliedsbeiträgen werde zumeist die Pacht an die Stadt bezahlt, große Sprünge für die Renaturierung seien kaum möglich. Allein der Kauf von Seerosen für das Ufer in Höhe von rund 500 Euro sei ein finanzieller Kraftakt für den Verein gewesen. Aber er sei notwendig. „Die Fische benötigen die Pflanzen, damit sie den Laich dort abstreifen können.“

Vor den Bauarbeiten, die vermutlich erst 2023 an dieser Stelle beginnen, haben die Angler aber erst noch ein aktuelles Problem: Der Pachtvertrag des Angelsportvereins läuft im kommenden Jahr aus. Diese Sorge kann Projektleiter Athanasios Mpasios den Anglern natürlich nicht nehmen, aber er verspricht, dass der Teich unangetastet bleibt. Das gelte aber nicht für die Hundefreunde Krefeld-Bockum. Sie werden einen Teil ihres Geländes direkt neben der A57 verlieren. Wie groß dieser Bereich ist, kann Mpasios nicht sagen. Angelika John-Manten, Frau des Vereinsvorsitzenden Dieter Manten, glaubt, dass es sich um die „Spitze“ der Fläche Richtung See hin handelt. Natürlich werde man sich nicht gerne davon verabschieden, sagt sie. „Aber wir haben zum Glück ein großes Gelände.“

Auch der Neuenhofenpark an der westlichen Seite wird bluten für den Ausbau. Wie Athanasios Mpasios erklärt, wird die gesamte Böschung für die Verbreiterung in Anspruch genommen. Die Lärmschutzwand werde dann direkt an dem Weg von der Essener zur Uerdinger Straße stehen.