98 000 Bürger wählten die 110

98 000 Bürger wählten die 110

24 Beamte kümmern sich um die Anrufer, die automatisch in der Leitstelle landen. Wie der Alltag der Beamten aussieht, erklärt Fritz Nauen.

Telefone klingeln, Polizeibeamte beruhigen die Anrufer, Einsätze werden organisiert. Das ist der Alltag in der Polizeileitstelle Krefeld. Hier arbeiten insgesamt 24 Beamte, welche die einkommenden Anrufe unter der Rufnummer 110 annehmen. Fritz Nauen blickt zufrieden über die zahlreichen Bildschirme und Arbeitsgeräte in der Leitstelle der Krefelder Polizei hinweg.

Seit 43 Jahren ist Nauen im Polizeiberuf tätig. Vor 22 Jahren wechselte er in die Leitstelle am Nordwall und koordiniert seitdem täglich eine Vielzahl von Einsätzen im gesamten Stadtgebiet. Er erinnert sich noch an die Zeit, in der Funker die Beamten koordinierten. Heutzutage setzt die Polizei auf Digitalfunk und moderne Fahndungsmaßnahmen, wie Öffentlichkeitsmaßnahmen in den sozialen Medien.

Heute agiert er allerdings in anderer Funktion, denn gemeinsam mit „Neuling“ Lena Wörner stellt er die Arbeit in der Krefelder Leitstelle vor, berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen und der Vielfalt des Polizeiberufs. Im vergangenen Jahr nahm die Leitstelle rund 98 000 Anrufe und schickte 60 000 Streifenwagen raus. Eine organisatorische Herausforderung, der Fritz Nauen gemeinsam mit seinen Kollegen trotz des Personalmangels gerecht wird.

Fritz Nauen, Erster Polizeihauptkommissar und Gruppenleiter der Leitstelle

Insbesondere die gegenseitige Verständigung sei der Schlüssel dafür, dass dies fortwährend gelingen kann. Daher erfordere die Arbeit in der Leitstelle ein hohes Maß an kommunikativem Geschick und Flexibilität, erklärt Nauen. „Man braucht ein Empfinden dafür, was sich hinter den Aussagen der Bürger am Telefon verbirgt“, sagt er. Im Zentrum der Polizeiarbeit stehen nämlich die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen. „Wir brauchen die Anrufe der Bürger und ihre zahlreichen Hinweise“, so Nauen. Die Polizei sei letztendlich auf die Hilfe der Bürger angewiesen, der Gedanke, „das macht schon irgend jemand anderes“ sei fatal. „Wenn alle so denken, erfahren wir nicht von dem Vorfall“.

Die Hilfe, die per Telefon regelmäßig geleistet wird, geht nicht selten über Straftaten hinaus. „Viele rufen auch aus Einsamkeit an. Bei manchen Anrufern kennen wir dann bereits die Hintergründe und können entsprechend darauf eingehen“, sagt Nauen. Umso erfüllender sei dann letztendlich das Wissen darum, einer Person wirklich geholfen zu haben.

In der Regel verbleiben Polizeibeamte für fünf bis zehn Jahre in der Leitstelle, ehe sie in andere Bereiche des Berufes wechseln. Lena Wörner arbeitet seit 2013 bei der Krefelder Polizei und war bis zum Januar dieses Jahres im Außendienst tätig. Im Zuge einer dreiwöchigen Hospitation hat sie Einblicke in die Arbeit der Leitstelle gewonnen und arbeitet seitdem selbst dort. Der Perspektivwechsel scheint sie zu freuen. „Man steht weiterhin im Kontakt zum Bürger, ohne die Wurzel zur ursprünglichen Polizeiarbeit zu verlieren“, erklärt sie. Den Idealismus, den ohnehin jede Polizeikraft von Beginn an mitgebracht habe, könne man zudem auch in der Leitstelle gebrauchen, so Nauen.

Im Laufe der Jahrzehnte, in denen Fritz Nauen bei der Krefelder Polizei aktiv war, unterlag die polizeiliche Arbeit einem stetigen Wandel. Im ehemaligen Hauptraum der Zentrale waren vor gut 30 Jahren noch zahlreiche Tonbandgeräte angebracht. Frauen waren im Polizeiberuf derweil weitgehend unerwünscht, Computer noch nicht die Norm. In den 90er Jahren änderte sich dies graduell. Heute befindet sich an jedem Platz ein Computer, und die Digitalisierung schreitet weiter voran. Ein Tweet sollte allerdings niemals den Anruf bei der Polizei ersetzen.

Fritz Nauen geht in diesem August in Pension und nimmt etliche Erinnerungen und Erfahrungen aus dem Berufsleben mit. „Was ich am meisten vermissen werde, sind die Kollegen“, bekennt er. Lena Wörner könne sich folglich auf eine goldene Zukunft freuen.