6:3 für die Elefanten – sie dürfen im Zoo bleiben

6:3 für die Elefanten – sie dürfen im Zoo bleiben

Beschluss: Zwei Millionen Euro für Erweiterung des Großtierhauses. Baubeginn 2008?

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p class="text"><strong>Krefeld. Eine anderthalb Jahre währende Diskussion voller Emotionen ist beendet: Der Krefelder Zoo behält seine drei Elefanten und baut das Großtierhaus so aus, so dass die Anforderungen nach den EU-Haltungsrichtlinien erfüllt werden können. Maximal zwei Millionen Euro stehen für Umbau bzw. Erweiterung des Hauses und der Außenanlage zur Verfügung. Schon kommendes Jahr könnte, wie Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen am Montag vor der Presse verkündete, das Projekt in Angriff genommen und Ende 2009 mit Inkrafttreten der Haltungsrichtlinien als Landesrecht abgeschlossen sein. Mit den Beschluss war der Aufsichtsrat am Donnerstagabend dem Vorschlag der beiden SPD-Vertreter Klaus Kokol und Hans Butzen gefolgt, denen bei einer Analyse der Zoo-Vermögensverhältnisse aufgefallen war, dass zusätzlich zu den bereits im März 2006 diskutierten 1,1 Millionen Euro noch eine "freie Investitionsspitze" von 900 000 Euro aus dem Fünf-Jahres-Plan zur Verfügung steht. Mit 6:3 Stimmen setzten sich CDU, SPD, FDP und Stadtverwaltung gegen die Stimmen der Zoofreunde und der Grünen durch. Damit ist klar: Die Elefanten sind in Krefeld kein "Auslaufmodell", so wie etwa Zwergflusspferdkuh Sophie (33) im selben Gebäude, die ihr Gnadenbrot in Krefeld erhalten wird. Auch die Nashörner bleiben im Haus.Zu bunt war es dem Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim C. Heitmann geworden, als auf der turbulenten Sitzung der Antrag auf Vertagung gestellt wurde. Das lehnte die Mehrheit ab, und Heitmann fragte: "Wollen wir die Elefanten abschaffen oder nicht?". Und ließ abstimmen: Dabei entschied sich der Aufsichtsrat mit 8:1 für die Elefanten. Denn die Zoofreunde favorisierten die "Auslaufmodell-Lösung" mit zwei Tieren. Einzig die Vertreterin der Grünen blieb beim "Nein": Sie war für die Abgabe von Rhena, Mumtas Mahal (beide 38) und Yheetoo (31) an einen anderen Zoo. Die Lebenserwartung bei Elefanten in Gefangenschaft liegt bei über 50 Jahren.

Vergrößerung des Reviers in Richtung Afrika-Wiese

Der Umbau der Elefantenanlage mit drei Einzelboxen ohne Kettenhaltung, vielleicht sogar mit Option auf eine vierte Box, einem "Laufstall" für extreme Witterung, einem neuen Badebecken und der Vergößerung des Freireviers um das Gehege der kleinen Blauducker-Antilopen soll andere Zoo-Projekte nicht beeinträchtigen. Entschieden haben sich Aufsichtsrat und Zooleitung allerdings, den Wirtschaftshof in Modulbauweise zu errichten - als erstes die Futtermeisterei. Die Verwaltung des Zoos zieht vom Gebäude neben dem Eingang auf unbestimmte Zeit in das renovierte Bauernhaus. 330000 Euro sollen im kommenden Jahr darin investiert werden. So schafft man Platz für einen Zoo-Shop an der Uerdinger Straße. Reparatur des Regenwaldhauses und die Planung für die Menschenaffen-Freianlage sollen fortgesetzt werden. Auch das Fachwerkhäuschen für die Nachwuchs-Zoologen soll (80000 Euro) im Frühjahr gebaut werden. Elefantenpfleger Wolfgang Nehring und sein Kollege Ronald Melcher erfuhren erst Montagmittag von der Entscheidung am Vorabend. Beide zeigten sich erleichtert. Nehring, seit 34 Jahren mit Rhena und Mumtas vertraut: "Ich bin überrascht. Gestern erst habe ich ein tolles Foto von den drei Elefanten von einem Zoobesucher geschenkt bekommen. Das hätte auch ein schlechtes Omen sein können." Melcher: "Seit 20 Jahren arbeite ich mit Elefanten. Ohne die Tiere hätte mir etwas gefehlt." Die "alten Hasen" im Revier und ihre beiden Kollegen müssen nach der Fertigstellung des neuen Großtierhauses ihre Elefanten "umerziehen" - nämlich auf kettenlose Nächte in je 33 Quadratmeter großen Einzelboxen.

Zoo in Zahlen

Besucher-Plus: Bis einschließlich November kamen 354000 Besucher in den Zoo, zehn Prozent mehr als 2006.

Einnahmen: Statt kalkulierter 23000 Euro wird die Zoo-GmbH 2007 einen Gewinn von 100 000 bis 150000 Euro machen.

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