23-Jähriger muss für mehr als zwei Jahre in eine Erziehungsanstalt

23-Jähriger muss für mehr als zwei Jahre in eine Erziehungsanstalt

Das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung.

Krefeld. "Vorsichtigen Optimismus" sieht der psychologische Gutachter in der kriminellen Zukunft des 23 Jahre alten Mehmet F. (alle Namen von der Redaktion geändert). Der junge Türke ist vor dem Landgericht der gefährlichen Körperverletzung und der Vergewaltigung angeklagt. Mehmet F., der keinerlei schulische oder beruflichen Abschlüsse hat, wird aus der Untersuchungshaft in Mönchengladbach vorgeführt.

Auf der Anklagebank sitzt ein Mensch, still und hager, der in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist: Vater Alkoholiker, Mutter Analphabetin, sieben Geschwister. Als Halbwüchsiger hängt er an der Flasche, später Drogen, zuletzt ganz harte: Heroin. Mit zehn Jahren wird er von einem Mann sexuell missbraucht.

Eines seiner Opfer, Ulf-Georg Z. (28), Student, verwickelt sich in seiner rund eineinhalbstündigen Vernehmung in erhebliche Widersprüche. Der Prozess nimmt eine überraschende Wende. Der Vorwurf der Vergewaltigung wird fallen gelassen.

Dagegen sieht das Gericht in einer weiteren Straftat von Mehmet F. im Mai 2009 ausreichend Beweise. Mehmet hat damals mit Kumpanen den 25 Jahre alten Holger M. brutal überfallen und krankenhausreif zusammengeschlagen. Mit den Füßen trat er auf Kopf und Körper von Holger M. ein. Er musste danach zwei Mal operiert werden. Hier erinnert der Richter an den Fall Dominik Brunner in München. Der war von Jugendlichen derart zugerichtet worden, dass er an den Folgen starb. "Angeklagter, sie können froh sein, dass hier nicht Ähnliches passiert ist."

Zwei Tage vor Heiligabend schickt das Gericht Mehmet F. für zwei Jahre und vier Monate in eine geschlossene, staatliche Erziehungsanstalt. Das hatte auch der Gutachter gefordert. Zwei Jahre brauche Mehmet mindestens, "um sich mit den grundlegenden Lebensstrukturen" vertraut zu machen. "Ich möchte mein Leben ändern", sagt Mehmet im Schlusswort leise. "Sie haben auch nur das eine", sagt der Richter, und: "Nutzen Sie diese Chance".