Initiative Zukunft durch Industrie: 2037: Wie Digitalisierung die Arbeit verändert

Initiative Zukunft durch Industrie: 2037: Wie Digitalisierung die Arbeit verändert

Chancen und Risiken der digitalen Welt — Initiative Zukunft durch Industrie lud zur Diskussion.

Krefeld. Wie leben und arbeiten wir im Jahr 2037? Wie wird die Digitalisierung unseren Alltag verändern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Krefeld im Dialog“, zu der die Initiative Zukunft durch Industrie eingeladen hatte. „Nahezu alle großen Unternehmen haben die Digitalisierung als eines der Megathemen der Zukunft entdeckt, aber was bedeutet das?“, fragte Bernd Diener, einer der Sprecher der Initiative. Chancen und Risiken wolle man bei der Veranstaltung mit 130 Gästen ausloten.

Wulf Noll, Ministerialdirigent des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, erinnerte daran, dass die Digitalisierung kein neues Phänomen sei: „Es gibt diesen Trend seit den 50er-Jahren, neu ist allerdings die Verknüpfung verschiedener Elemente.“ Ressourcen sparen, Effizienz steigern, Beruf und Privatleben besser vereinen: Mit der Digitalisierung seien große Hoffnungen verbunden. „Es werden sicherlich Arbeitsplätze wegfallen, es werden aber auch neue entstehen“, so Noll. Für die Landesregierung sei die Digitalisierung auch eine Chance, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. „Wir haben gut ausgebildete Fachkräfte, eine gute Infrastruktur und große Märkte in unmittelbarer Nachbarschaft.“

Für Trendforscherin und Autorin Birgit Gebhardt wird die Digitalisierung herkömmliche Produktions- und Handelsmodelle in Frage stellen. Mit Hilfe von 3D-Druckern sei es künftig möglich, überall und sehr individuell zu produzieren. „Diese Technik macht alles möglich“, erklärte Gebhardt. „Damit kann man sich theoretisch demnächst im heimischen Badezimmer eine neue Zahnbürste ausdrucken.“

Digitalisierung sei ein Modell, das auf Interessen, Individualität und Vernetzung basiere. Die Konsequenzen für den Arbeitsalltag der Zukunft seinen gewaltig. „Interdisziplinäre Teams werden wichtiger, Hierarchien verlieren an Bedeutung“, so die Trendforscherin. „Kollaboration, Kommunikation und Kreativität sind die neuen Tugenden.“ Denn der Mensch trete in Konkurrenz zu intelligenten Systemen, die zunehmend auf der Basis von Algorithmen Aufgaben erledigten und Prozesse steuerten. „Es gilt, die Wissensarbeiter der Zukunft zu befähigen, komplexe Aufgaben zu erledigen und individuelle Lösungen zu finden“, sagte Gebhardt.

„Bei allen Chancen, die die Digitalisierung bietet, dürfen wir diejenigen nicht vergessen, die mit der Entwicklung nicht Schritt halten können“, appellierte Ralf Köpke, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Krefeld.

„Welche Jobs werden übrigbleiben? Das ist die spannende Frage“, ergänzte Thilo Freyth, Schülervertreter am Berufskolleg Uerdingen. „Wenn die Algorithmen und die Maschinen versagen, muss der Mensch die Probleme lösen — darauf müssen wir vorbereitet werden.“

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