Krefeld: 154 Kinder Opfer von Missbrauch

Krefeld: 154 Kinder Opfer von Missbrauch

Einen alarmierenden Bericht legt die Verwaltung im Ausschuss für Jugendhilfe vor. Die Täter werden immer jünger.

Krefeld. Ein Großteil des sexuellen Missbrauchs von Kindern passiert im unmittelbaren sozialen beziehungsweise familiären Umfeld. Auch in Krefeld. Allein im vergangenen Jahr sind 84 Mädchen und 39 Jungen unter 14 Jahren Opfer dieser Form von Gewalt geworden, die drei Jüngsten waren Säuglinge. Das geht aus einem neuen Bericht der Stadtverwaltung hervor, der gestern Abend im Jugendhilfeausschuss vorgelegt worden ist.

Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirche und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes haben diesen Bericht erbeten. In dem 22-seitigen Papier stehen neben den aktuellen Fallzahlen auch die Hilfe-, Beratungs-, Unterstützungs- und Betreuungsangebote sowie insbesondere die präventiven Maßnahmen der Stadt und der Freien Träger.

„Sexueller Missbrauch zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten“, lautet die Erkenntnis der Jugendhilfe. Fast immer sei der Missbrauch keine Einzeltat, sondern erstrecke sich über einen längeren Zeitraum, teilweise sogar über Jahre - von vielen unbemerkt.

Die Missbrauchsarten schließen sich dabei gegenseitig nicht aus, das heißt, die Kinder und Jugendlichen haben zum Teil Missbrauch unterschiedlicher Form erleiden müssen. Das reicht von Pornos zeigen und Nacktaufnahmen machen bis hin zu schwersten sexuellen Gewalttaten.

In Krefeld ist vor vielen Jahren bereits damit begonnen worden, ein breitgefächertes Hilfeangebot im Bereich „Sexueller Missbrauch“ aufzubauen. Darunter sind Träger und Vereine wie der Weiße Ring und der Kinderschutzbund, verschiedene Beratungsstellen, die Polizei, der Sozialdienst katholischer Frauen, die Psychotraumatologische Ambulanz im Alexianer Krankenhaus wie auch der städtische Fachbereich Jugendhilfe, der den eigenen Spezialdienst „Hilfe für Opfer bei sexuellem Missbrauch“ vorhält. Die Zahlen in der gedruckten Grafik ebenso wie im jetzt vorgelegten Bericht sind vom Fachbereich Jugendhilfe erfasst und ausgewertet worden.

Die Täter beziehungsweise Tatverdächtigen waren danach im vergangenen Jahr zu 96 Prozent männlich.„Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der relativ hohe Anteil an jugendlichen Tätern“, lautet die Erkenntnis des Spezialdienstes. Allein 47 Personen (27 Prozent) waren unter 18 Jahre alt. Fazit der Fachverwaltung ist: Es fehlen in Krefeld Präventivangebote, unter anderem auch für Flüchtlingsfamilien. Außerdem fehlen Gruppenangebote und stationäre Aufnahmemöglichkeiten für Kinder unter 13 Jahren, die selber sexuell übergriffig geworden sind.

Klar ist auch, die 1,75 Planstellen im Fachbereich Jugendhilfe reichen bei 154 Fällen pro Jahr nicht aus, um zeitnah bei Verdacht auf Missbrauch zu beraten oder sogar verhindernd eingreifen zu können.

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