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143 Millionen Euro für Krefelds Schulen

143 Millionen Euro für Krefelds Schulen

Eine 15 Seiten lange Liste verdeutlicht den Sanierungsstau, den die Stadt innerhalb von fünf Jahren an allen 60 Schulen aufarbeiten will.

Krefeld. Eine historische Vorlage — so nennt Oberbürgermeister Frank Meyer den Beschlussentwurf zur Sanierung der Krefelder Schulen, der nächste Woche Mittwoch im eigens dafür ins Leben gerufenen Unterausschuss vorgestellt wird. Knapp 143 Millionen Euro will die Stadt in den kommenden Jahren bis 2022 aus eigenen und aus Fördermitteln des Landes in die Schullandschaft investieren. Ein Schritt, mit dem Meyer die Hoffnung verbindet, dass er „uns ein gutes Stück in der Schulpolitik nach vorne bringt“. Es sei ein ebenso ambitionierter Schritt, nach „Jahrzehnten der mangelnden Bauunterhaltung“, in denen man „von einem Notfall zum nächsten“ saniert habe, sagt Meyer, der mit der Aufarbeitung des Sanierungsstaus auch sein Wahlversprechen von 2015 einlösen will.

Versiffte Schultoiletten, undichte Fenster in den Klassenräumen, fehlende Dämmung der Dächer — erstmals sei die Stadt nun „in der Lage zu sagen, wo die Bedarfe sind“, so Meyer. Die Verwaltung hat in den vergangenen Monaten eine 15 Seiten lange Liste zusammengestellt: Diese führt jede einzelne Sanierungsmaßnahme an allen 60 Schulen im Stadtgebiet auf, zeigt, aus welchem Fördertopf die jeweilige Maßnahme finanziert wird und mit welchen Kosten die Verwaltung bis 2022 rechnet. Den höchsten Förderbedarf gibt’s demnach mit 444 Projekten und mehr als 80 Millionen Euro an den 24 weiterführenden Schulen der Stadt (siehe Grafik). Jürgen Maas, Fachbereichsleiter Schule, nennt die Liste „ein wichtiges Steuerungsinstrument für Politik und Verwaltung“, das Transparenz schaffen soll — und gleichzeitig die „Riesenherausforderung“ zeige.

Denn fest steht schon jetzt: An allen Schulen werden Klassenräume und Flure saniert; alle Schulen bekommen im Rahmen von Digitalisierungsprojekten eine schnellere Internetverbindung und die dafür notwendige Vernetzung innerhalb der Gebäude. „Die Umsetzung wurde nach Dringlichkeit und vorhandenen Kapazitäten priorisiert“, erklärt Rachid Jaghou, Fachbereichsleiter Zentrales Gebäudemanagement, sei aber nicht in Stein gemeißelt. Aktuelle Vorkommnisse wie Sturmschäden oder gesetzliche Änderungen beim Schulbaurecht des Landes könnten auch zu Veränderungen in der Prioritätenliste führen, wie Meyer erklärt.

„Wir wissen jetzt, wie viel Geld wir wo in die Hand nehmen müssen“, sagt Beigeordneter Markus Schön, für den es am Mittwoch, an seinem ersten Tag als Schuldezernent „deutlich unangenehmere Themen gäbe, als sich mit der spannenden Frage zu beschäftigen: Was bauen wir jetzt an Pädagogik wie konkret?“. Das ist Martin Linnes Einsatz. Der Baudezernent spricht von einem „Riesenprogramm, das wir auch stemmen können — davon sind wir überzeugt“.

Für alle zwölf ausgeschriebenen Stellen seien nach anfänglichen Besetzungsschwierigkeiten inzwischen Architekten und Fachleute der technischen Gebäudeausstattung gefunden, auch die vier Verwaltungsstellen. „Die operative Basis ist da“, jetzt gelte es noch Kündigungsfristen abzuwarten, so Linne, und weiter: „Die Handwerksbetriebe sind nach wie vor sehr gut ausgelastet, manche Stellen müssen eben zweimal ausgeschrieben werden.“ Dass es da zu Verzögerungen von zwei oder drei Monaten kommen könne, sei normal. „Jedes große Bauwerk hat mal als kleine Baustelle angefangen.“