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Kommentar zur Öffnungsstrategie der NRW-Landesregierung: Kreativ geht anders

Öffnungsstrategie der NRW-Landesregierung : Kreativ geht anders

Ganz kurz durften die Geschäfte in NRW wieder öffnen - dann wurde alles dicht gemacht. Alles andere wäre auch völlig sinnfrei gewesen. Man könnte sich bei einer neuen Öffnungsstrategie lieber mal ein Beispiel an Baden-Württemberg nehmen.

Da dürfte den Verantwortlichen in der Landesregierung der Schreck in die Glieder gefahren sein, als sie am Montagvormittag diesen Satz in der Pressemitteilung zum Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster lasen: „…Das bedeutet, dass ab sofort im gesamten Einzelhandel in NRW keine Kundenbegrenzung pro Quadratmeter mehr gilt und das Erfordernis der Terminbuchung entfällt.“ Doch bevor der Handel die shoppinghungrige Kundschaft zu sich bitten konnte, war es schon wieder vorbei mit dieser Freigabe, die die Verwaltungsrichter wohl auch selbst so nicht wollten. Sie meinten es als Ultimatum: Die Politik soll bitteschön alle gleich behandeln. Es gibt keinen Grund, Schreibwarengeschäfte,  Buchhandel oder Gartenmärkte zu bevorzugen.

Nun dürfen sich die bislang von den Ausnahmen und der relativ weitgehenden Öffnung profitierenden Händler bei dem auf Gleichbehandlung pochenden Mediamarkt „bedanken“. Jetzt müssen auch sie auf Terminvereinbarung für den Einkauf umschwenken. Doch die Alternative, Gleichheit dadurch herzustellen, dass nun alle wieder frei öffnen, wäre angesichts steigender Infektionswerte Irrsinn gewesen.

Der Vorgang zeigt: Wie schnell doch die Politik, nämlich innerhalb von zwei, drei Stunden mit einer Neuregelung reagieren kann. Sie zeigt aber auch, wie sinnfrei und unbegründet da differenziert wurde. Ja, für Lebensmittelläden oder Apotheken muss es aus Versorgungsgründen Ausnahmen geben. Aber was bitte macht Buch- und Blumenhändler oder Gartenmärkte so besonders, dass sie privilegiert behandelt werden?

Das kommt einem bekannt vor. Schon im vergangenen Frühjahr wurde für Möbelhäuser eine Extrawurst gebraten. Solcherart „Strategie“ ist ärmlich gegenüber echter Kreativität, die Baden Württemberg mit der Modellstadt Tübingen zeigt: Nach einem Schnelltest mit negativem Ergebnis gibt es ein Tagesticket mit Zugang zu Außengastronomie, Kulturangeboten und Handel. Ach, solche Ideen wünschte man sich auch hier. Selbst wenn sie nur abgekupfert wären!