1. NRW

Kommentar zur Diskussion in Tönisvorst über Sicherheitskonzepte

Meinung : Gespräch und einen Schulterschluss suchen

Dass Vereine unter hohen Sicherheitsauflagen ächzen, die sie kräftemäßig und finanziell stemmen müssen, ist kein neues Thema und schon gar keins, das ausschließlich Vorst oder St. Tönis (be)trifft.

Seit dem Love-Parade-Unglück  2010 sind die Anforderungen landesweit angezogen. Mit Blick und im Nachgang auf das furchtbare Geschehen in Duisburg zurecht. Trotzdem geht  regelmäßig ein Murren durch Vereine. 2011 sagte der Willicher ASV-Präsident Willi Stennes mal den Satz: „Unser Schützenfest ist nicht die Loveparade.“ Er wie viele andere Brauchtumsvertreter ärgerten sich  darüber, dass nach der Katastrophe von Duisburg die Sicherheitsauflagen für Feste verschärft worden waren. 2014 wurde sogar am Schloss Neersen demonstriert. Martin Zinnel,  Leiter des Geschäftsbereichs Einwohner und Ordnung bei der Stadt Willich, wies die Kritik zurück.  „Wenn etwas passiert, müssen wir dafür den Kopf hinhalten.“

Diese Situation lässt sich auf die aktuelle Diskussion in Tönisvorst übertragen. Und erinnert auch an 2015, als die Schützen in St. Tönis angesichts der Kosten und fehlender Unterstützung fragten: Ist dies das letzte Schützenfest?

Die Unzufriedenheit ist weiter präsent. Genau da muss noch einmal angesetzt werden: Im direkten Gespräch der Vereinsvertreter mit der Stadt. An einem Tisch. Miteinander, nicht übereinander. Vielleicht geht von einem Schulterschluss eine Signalwirkung aus. Vielleicht schließen sich Vereine noch einmal über Stadtgrenzen hinaus kurz und machen  gemeinsam deutlich, wie schwer ihnen seit fast zehn Jahren strenge Auflagen das Leben  machen.

Zum Schluss noch ein Satz aus dem WZ-Redaktionsarchiv. Gesagt hat ihn 2015 Wolfgang Schouten, Tönisvorsts damaliger Ordnungsamtsleiter: „Wir können uns von den Standards, die das Land vorgibt, nicht freisprechen, aber  wir sind kein Verhinderungsamt.“