Kommentar: Brexit verhindern

Meinung : Brexit verhindern

Der Brexit-Wahnsinn lässt sich verhindern

Die Verhandlungen zum EU-Austritt Großbritanniens befinden sich mehr denn je in der Sackgasse. Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 gab es unzählige Treffen und Gespräche. Fortschritte in Detailfragen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Brüssel und London beim Grundsätzlichen über Kreuz liegen. Premierministerin Theresa May möchte ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der EU, aber die Personenfreizügigkeit lehnt sie ebenso ab wie die Dienstleistungs- und Kapitalfreiheit. Sie will die Rosinen herauspicken. Das lehnt Brüssel völlig zurecht ab. Den Brexit-Freunden in Mays Partei geht selbst dieses Konzept der Regierungschefin zu weit. Sie reden den harten Bruch mit der EU herbei, allen voran Ex-Außenminister Boris Johnson.

Aus heutiger Sicht scheint alles auf einen ungeregelten Brexit im März 2019 hinauszulaufen. Von heute auf morgen gäbe es wieder Zollschranken. Es wäre ein Desaster, und zwar nicht nur für Großbritannien. Die EU verlöre ihre zweitgrößte Volkswirtschaft und damit an Gewicht in der Welt. Der Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der Union würde dramatisch einbrechen, beide Seiten wären Verlierer.

Viele Briten haben längst begriffen, dass der Brexit ein Irrweg ist. Laut einer Umfrage von Anfang September würden sich 59 Prozent für einen Verbleib in der EU aussprechen, wenn sie noch einmal die Chance hätten, ihre Stimme abzugeben. Theresa May hat diesen Weg immer ausgeschlossen. Aber immer mehr Politiker, und zwar quer durch alle Parteien, fordern ein zweites Referendum. Es wäre sehr hilfreich, wenn diese proeuropäische Stimmung von außen befördert würde. Von Angela Merkel zum Beispiel. Es geht nicht darum, dass die deutsche Kanzlerin sich in britische Angelegenheiten einmischt. Aber das öffentliche Desinteresse, mit dem Merkel den Brexit-Wahnsinn begleitet, muss es auch nicht sein. Die Kanzlerin darf schon sagen, wie hilfreich es für alle wäre, den Brexit zu verhindern.

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