Köln: Art Cologne: Wenn sich nur noch Millionäre Kunst leisten können

Köln : Art Cologne: Wenn sich Kunst nur noch Millionäre leisten können

Bei der Art Cologne können Besucher eine Ahnung davon bekommen, wie sehr die Preise auf dem Kunstmarkt anziehen. Manche Werke können sich nur noch Millionäre leisten.

Noch vor der Eröffnung strömten Sammler wie Julia Stoschek und Gil Bronner auf die Art Cologne. Sie können sich freuen. Denn diese Messe hat wirklich alles. Der Galerist Klaus Schwarzer, der selbst mit Konrad Klaphecks „Vollkommener Ehe“ (1963) einen Trumpf dieses Malers mit erotisch aufgeladenen Schuhspannern ausspielt, erklärt: „Es ist toll, was sich hier tummelt. Mit dieser Messe wird der Standort Köln für die moderne Kunst bestätigt.“

Nicht ganz so lustig ist es für junge Sammler. Sie können höchstens bei „Eigen und Art“ Blätter mit Buntstift von Ulrike Theusner für 1200 Euro ergattern. Ihr Mädchen mit Bierdose im Hintergrund ist ein geniales Porträt. Hingucker zu moderaten Preisen sind auch die Arbeiten von Jörn Stoya bei Petra Rinck, der reine Pigmente auf die Leinwand reibt und damit strahlende Farbeffekte erzielt.

Manche Galeristen haben sich mit Kollegen zusammengetan, um die hohen Standgebühren zu stemmen. So präsentieren Natalie Hug und Aurel Scheibler gemeinsam die junge Carolin Eidner, die schon mit Preisen königlich bedacht wurde. Sie macht Schablonen und Rahmen, in die sie eine mit Pigmenten angereicherte Gipsmasse gießt. Es entsteht ein strenges, klares, perfekt gebautes Objekt aus Gips, das Malerei und Objektkunst zugleich ist.

Wie sehr die Preise angezogen haben, macht die relativ kleine Bronze „Wicht“ von Thomas Schütte deutlich. Sie kostete 2006 in der Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer rund 40.000 Euro. Nun ist sie bei Schönewald für 480.000 Euro zu haben. „Das ist halt so auf dem Kunstmarkt. Aber in Amerika würde das Werk 750.000 Dollar kosten“, so der Galerist Paul Schönewald.

Fotografie spielt nicht mehr die erste Geige auf dem Kunstmarkt

Das ist noch wenig, wenn man die Preise für Klassiker zugrunde legt. Bei Henze & Ketterer liegt Ernst Ludwig Kirchner mit „Sängerin am Piano“ (1930) bei 3,9 Millionen Euro. Denselben Preis verlangt Ludorff für ein unspektakuläres „Russisches Mädchenpaar“ von Otto Müller. Lucio Fontanas „Concetto spaziale“ (mit Loch in der Mitte) soll 1,45 Millionen Euro bringen. Selbstverständlich hält Gerhard Richter in dieser Preisklasse mit. Immerhin von hoher Qualität ist Robert Rauschenbergs „Spread“ („Verbreitung“, 1978) bei Thaddaeus Ropac. Auf rosarotem Seidenkissen legt der Pop-Künstler seinen roten Pinsel und vernäht den Rest des Bildes mit Tüchern zur Collage.

Einen Hampelmann gibt es auf der Kunstmesse in Köln, hergestellt von Christian Eisenberger. Wer zieht, setzt sechs Arme in Bewegung. Foto: Helga Meister

Unübersehbar ist das Fotogramm von Thomas Ruff bei David Zwirner, New York. Es wurde zum Teil mit dem Superrechner Juropa des Forschungszentrums Jülich gerendert (850.000 Euro; 4er-Auflage). Dennoch spielt die Fotografie nicht mehr die erste Geige. Die Galeristin Priska Pasquer erklärt dies mit der Rolle von Instagram und Facebook. Sie setzt dagegen mit dem Südafrikaner Pieter Hugo, der in seinen Aufnahmen menschliche Situationen erzählerisch präsentiert. So hält etwa eine mexikanische Braut einen Leguan im Schoß, als wolle sie über die eigene, wechselhafte Zukunft nachdenken.

Neue Materialien sind bei Eigen und Art zu bewundern. Birgit Brenner hält eine spritzfeste Keramikwand fürs Badezimmer parat, die sie in der Meißner Manufaktur herstellte. Sie glossiert das traute Heim mit Perserteppich und Büropflanze.

 Im Reigen der Eitelkeiten ist Jörg Immendorff eine herausragende Größe. Sein „BABA“ von 1994, dieser gelbe Karren mit den unter einer Plane versteckten nackten Weibern, ist in Farbe und Motiv großartig. Das Bild gehört zu „Rake’s Progress“ für die Salzburger Festspiele, wo sich der Künstler als Hochstapler selbst auf die Schippe nahm. Und die Gemälde des Leipziger Neo Rauch sind magische Wunderwerke.

Selten wird auf der Messe gejuxt. Der österreichische Street Art-Künstler Christian Eisenberger tut es mit seinem übergroßen Hampelmann, der vorn Joseph Beuys und hinten sein eigenes Konterfei hat. Zieht sein Galerist Philipp Konzett an der Strippe, strampelt die Figur mit jeweils sechs Armen in der Luft. Möglicherweise will sie den Kunstbetrieb veräppeln. Der hat es allerdings schwer, zumindest in Deutschland mit den hohen Abgaben. Nach Auskunft von Karin Schulze-Friedling, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Galerien, ist der hiesige Kunsthandel minimal. Er liegt weltweit bei einem Prozent. Von 67 Milliarden Dollar Umsatz sahnen die Auktionshäuser 30 Milliarden ab. Daniel Hug, der Messekönig von Köln, muss also laut trommeln, wenn das Geschäft gewinnbringend sein soll.

Mehr von Westdeutsche Zeitung