Klimawandel: 40 Grad in Deutschland könnten bald normal sein

Neuer Dürresommer droht : Warum 40 Grad in Deutschland bald normal sein könnten

Das Thermometer klettert an die 40 Grad,in den kommenden Tagen könnten auch in Nordrhein-Westfalen Hitze-Rekorde fallen. Klimaforscher sehen einen Trend.

Weite Teile Europas leiden unter der Hitzewelle. Mittwoch könnten hierzulande 40 Grad erreicht werden. Die bisherige Juni-Rekordmarke wurde 1947 im baden-württembergischen Bühlertal mit 38,5 Grad gemessen. Ist das noch eine übliche Sommerhitze oder steckt schon der Klimawandel dahinter?

Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigen Meteorologen den kausalen Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und Wetterkapriolen. „Ja, der Klimawandel beschert uns immer häufiger extremere Wetterlagen – von Hitze und Trockenheit bis hin zu kräftiger ausfallenden Starkniederschlägen an Gewittertagen“, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Grund aus Sicht des Experten: Die wichtigen Höhenwinde, unter anderem der Jet-Stream, die in unseren Breiten die Erde umkreisen, werden immer langsamer, weil die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Äquator kleiner werden. „Dadurch können einzelne Wetterlagen viel länger an einem Ort hängenbleiben – und aus dem ersehnten Regen wird eine Überschwemmung,“ so Hoffmann.

Laut Christian Franzke, Klimaforscher von der Universität Hamburg, sind Hitzewellen ein natürliches Wetterphänomen. „Das gab es schon immer. Aber der Klimawandel sorgt dafür, dass die Hitzewellen viel intensiver und heißer werden – einfach dadurch, dass die Temperatur generell angestiegen ist.“ Laut Franzke haben wir in Deutschland einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur von 1,5 Grad seit 1881. Weltweit beträgt der Temperaturanstieg im Schnitt etwa ein Grad.

Andreas Fink, Professor am Institut für Meteorologie und Klimaforschung in Karlsruhe, formuliert es so: „Die Hitzewelle ist im Jetztklima doppelt so wahrscheinlich wie in vorindustrieller Zeit – damit ist eine Zuschreibung zum Klimawandel gegeben.“

Nach der sehr langen Hitze- und Trockenperiode im vergangenen Jahr und der sehr warmen Phase rund um Ostern in diesem Jahr droht Deutschland erneut ein sehr heißer Sommer. Dass dabei häufiger Temperaturen von bis zu 40 Grad erreicht werden, halten die Experten für wahrscheinlich.

Gefahr von Waldbränden ist schon sehr hoch

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gibt es mehrere Gründe für die bereits im Juni ungewöhnlich hohen Temperaturen. Aus Nordafrika strömt extrem heiße Luft in oberen Schichten nach Deutschland, sagt DWD-Experte Andreas Friedrich. Hinzu komme der klare, wolkenfreie Himmel. Am Donnerstag soll der „erste Hitzehöhepunkt“ zwar vorbei sein, aber die Temperaturen bleiben oberhalb der 30-Grad-Marke. Am Wochenende drohen dann in NRW erneut Werte von bis zu 40 Grad.

Angesichts der Hitze wächst die Gefahr von Waldbränden. Das gilt nicht nur im besonders gefährdeten Bundesland Brandenburg, sondern auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen. Für Mittwoch wurde vielerorts bereits die fünfte und höchste Warnstufe vorhergesagt.

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