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Kempen: Bürgerinitiative Stolpersteine putzt Erinnerungssteine an der Alten Schulstraße

Aktion an der Alten Schulstraße : Initiative putzt Stolpersteine

An der Schulstraße wurde am Mittwoch an den 76. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz erinnert.

(evs) Ganz zufrieden ist Ute Gremmel-Geuchen, die Vorsitzende der Kempener Bürgerinitiative Stolpersteine, noch nicht mit dem Ergebnis ihrer Mühen. Mithilfe von Essigessenz und einer Paste poliert sie die acht Stolpersteine, die in das Kopfsteinpflaster vor dem Haus Alte Schulstraße 10 eingelassen sind. Bei zwei Grad Außentemperatur und Regen laufen die ursprünglich golden glänzenden Steine schnell wieder an. So wie Gremmel-Geuchen waren jetzt mehrere Mitglieder der Initiative unterwegs, um die 60 Stolpersteine auf Kempener Stadtgebiet zu reinigen, die dort seit 2015 verlegt wurden.

Historiker gibt Auskunft
über die Familien

Anlass ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 76 Jahren. Normalerweise sind es Schüler der weiterführenden Schulen, die die Reinigung der Stolpersteine am 9. November übernehmen. 2020 musste dies corona-bedingt ausfallen. Auch jetzt konnten keine Schüler eingebunden werden. An der Seite von Ute Gremmel-Geuchen ist nur der Kempener Historiker und Autor Hans Kaiser, der sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Kempen auseinandergesetzt hat. Er gibt Auskunft über die Bewohner des Hauses Schulstraße 10, die Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden. Eine ganze Familie, drei Generationen, wurde ausgelöscht. In dem Fachwerkhaus lebten Mitglieder der Familien Goldschmidt und Bruch. Sie starben durch Selbstmord und in den Lagern von Riga, Auschwitz und Theresienstadt.

Besonders anrührend ist das Schicksal von Selma Bruch, die ihrer Tochter Ilse freiwillig nach Auschwitz folgte, um sie nicht allein zu lassen. Lediglich der Sohn Herbert konnte über die Niederlande nach England gebracht werden und überlebte. Nach dem Krieg wurde er von seiner in den USA lebenden Tante adoptiert. Herbert hat Kontakt nach Deutschland abgelehnt. Seit etwa zwei Monaten gibt es aber Kontakt zu dessen Sohn Richard in Washington. „Er möchte den Spuren seiner Vorfahren nachgehen, sogar neben der amerikanischen die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen“, erzählt Kaiser.