1. NRW

Keine Fans, kein Geld, keine Saison

Eishockey : DEG steht vor ungewisser Zukunft

Absage der Eishockey-Saison ist nicht ausgeschlossen. Die DEG kämpft um Hilfen. Spieler suchen Jobs im Ausland.

Die kommende Nacht könnte historisch werden für das deutsche Eishockey. Zum ersten Mal könnten beim Draft der nordamerikanischen Eliteliga NHL gleich drei Deutsche in der ersten Runde gezogen werden. Man könnte denken, das deutsche Eishockey nehme gerade richtig Fahrt auf. Doch aktuell ist nicht mal genug Geld da, um eine Saison spielen zu können. Gerade verschob die Deutsche Eishockey-Liga ihren Start erneut. Weil die geforderten Garantien aus der Politik für Staatshilfen und mehr als 20 Prozent an Zuschauerkapazität ausgeblieben waren. Ursprünglich sollte es am 18. September losgehen. Das Fachblatt „Eishockey News“, schrieb, die Klubs peilten nun den 18. Dezember an, was Recherchen bestätigen. Aber ob bis dahin Hilfsgelder geflossen sind? Ob dann mehr Zuschauer erlaubt sind? Weiß niemand. Aktuell kann DEL-Chef Gernot Tripcke nicht mal eine Saisonabsage ausschließen.

Stürmer Max Kammerer ist
nach Österreich verliehen

Noch versuchen alle, den Worst Case zu verhindern. „Wir alle wollen Eishockey spielen und die Saison endlich beginnen. Das hat höchste Priorität“, sagt Stefan Adam, Geschäftsführer der Düsseldorfer EG. „Aber ein Start ohne verlässliche Perspektive auf Zuschauer ist für die DEG fahrlässig und existenzbedrohend.“ Sein Klub verdiene „mehr als ein Drittel unseres Gesamtbudgets“ mit Tickets, sagt Adam, „da kann sich jeder ausrechnen, was das bedeutet“. Keine Fans, kein Geld, keine Saison. Kritik gibt es dennoch. Von den Spielern: „Wie viel Zeit ist verstrichen ohne ein klares Konzept, wie man einen geregelten Spielbetrieb aufstellen kann? Was tut man gerade im Moment dafür? Was sind Alternativen?“, schrieb der Kölner Nationalspieler Moritz Müller, der Chef der neuen Spielergewerkschaft (SVE), der auch die DEG-Profis Alexander Barta und Marco Nowak angehören. Müller wurde auch grundsätzlich, die DEL habe es „in der Vergangenheit verpasst, den Sport auf gesündere, breitere Füße zu stellen“.

Falsch ist das nicht. Die Liga ist in der Tat zu abhängig von Fans in den Hallen, weil sie zu wenig Einnahmen über TV-Vertrag oder Sponsoren generiert. Die Gehälter machen mit Abstand den größten Posten aus. Wenn sich Liga und SVE bald treffen, könnte es auch darum gehen. Zwar sind die Spieler bereits in Kurzarbeit gegangen und verzichten auf 25 Prozent der Gehälter, aber das dürfte nicht reichen. Ohne weiteren Verzicht ist der Start wohl nicht machbar. Bei der DEG gibt es aktuell noch ein anderes Thema. Manche Spieler versuchen, in anderen Ligen unter zu kommen, um die Zeit zu überbrücken. Daheim wird wegen der Kurzarbeit ja noch nicht mal trainiert. Stürmer Max Kammerer ist bereits nach Österreich verliehen. Ausländische Spieler könnten in ihren Heimligen spielen. Zudem versucht DEG-Manager Niki Mondt, zumindest die Jüngeren innerhalb Deutschlands unter zu bekommen – beim Kooperationspartner aus Dresden.

Doch das ist gar nicht so einfach. „Wir können das nicht wie sonst per Arbeitnehmerüberlassung machen. Die Spieler sind bei uns in Kurzarbeit, spielen sie für einen anderen Klub, müssten wir sie voll bezahlen. Aber dafür fehlen uns aktuell die finanziellen Mittel“, sagt Mondt. Eine andere Lösung wäre, dass Dresden die Gehälter übernimmt. Aber kann sich das ein Zweitligist, der selber zu kämpfen hat, leisten? Unklar. Wie derzeit so vieles im deutschen Eishockey.