Kampfansage an antisemitisches Mobbing auf Schulhöfen

Kooperationsvereinbarung : Kampfansage an antisemitisches Mobbing auf Schulhöfen

Das NRW-Schulministerium fördert die personelle und finanzielle Aufstockung einer landesweiten Servicestelle der Jüdischen Gemeinde.

Als die Jüdische Gemeinde Düsseldorf vor acht Jahren die Planungen für ein Gymnasium aufnahm, „war dabei nie ein Aspekt, einen jüdischen Schutzraum zu schaffen“, sagt Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Gemeinde. „Heute ist dieses Gymnasium ein Schutzraum für jüdische Schüler.“ So habe sich das antisemitische Mobbing an öffentlichen Schulen entwickelt. „Das ist etwas, das uns entsetzt.“

Um gegenzusteuern, erhält die von der Gemeinde getragene „Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit – Beratung bei Rassismus und Antisemitismus“ (Sabra) jetzt zusätzliche Unterstützung vom NRW-Schulministerium. Szentei-Heise und Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) unterzeichneten am Freitag in Anwesenheit der NRW-Antisemitismus-Beauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Kooperationsvereinbarung bis Ende 2023. Das Ministerium finanziert in dieser Zeit eine bei der Sabra angesiedelte Lehrerstelle sowie jährliche Sachkosten in Höhe von 15 000 Euro.

„Ich möchte, dass Schulen sichere Orte sind“, sagte Gebauer anlässlich der Unterzeichnung. Die Sabra solle sich zum landesweiten zentralen Ansprechpartner entwickeln, um das Ministerium und Schulaufsichtsbehörden bei der Umsetzung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu beraten. Beispielsweise könnte die Sabra  gelungene Projekte vor Ort sammeln und in der Folge landesweit von Schulen abrufbar machen. „Auf Schulhöfen soll eine Kultur des Hinsehens und der Menschlichkeit gepflegt werden“, so die Ministerin. In NRW gibt es zurzeit nur ein jüdisches Gymnasium und zwei Grundschulen. Die allermeisten jüdischen Schüler besuchen öffentliche Schulen.

Meldestelle für antisemitische Vorfälle in Vorbereitung

Leutheusser-Schnarrenberger stellte in Aussicht, dass im nächsten Jahr auch eine zentrale Meldestelle für antisemitische Vorfälle eingerichtet wird, womöglich ebenfalls bei der Sabra angesiedelt. Dann müsste über weitere Personalaufstockungen nachgedacht werden. Auch sei es Ziel, dass jeder Schüler in seiner Schullaufbahn mindestens einmal eine NS-Gedenkstätte besucht. Im Haushaltsentwurf 2020 des Landes sind für Gedenkfahrten eine Million Euro vorgesehen. „Wir können nur erfolgreich unsere offene Gesellschaft verteidigen, wenn das gerade junge Menschen verstehen und sich aufgerufen fühlen, sich zu engagieren“, so die frühere Bundesjustizministerin. Laut  Gebauer lässt das Schulministerium derzeit nochmals alle Lehrbücher für den Unterricht vom Leibniz-Institut auf antisemitische Inhalte überprüfen.

Die Sabra wird bisher schon aus dem Integrationsministerium mit der Finanzierung einer Stelle unterstützt. Die Stadt Düsseldorf zahlt jährlich 40 000 Euro für Sachkosten.

sabra-jgd.de

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