Jacques Tilly zeichnet 13 NRW-Metropolen in 13 „Wimmelbildern“

Kalender 2019 : Jacques Tilly zeichnet 13 NRW-Metropolen in 13 „Wimmelbildern“

Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly, bekannt durch seine satirischen Karnevalswagen, hat zusammen mit der Staatskanzlei einen eindrucksvollen Kalender 2019 herausgebracht. Wuppertal, Düsseldorf und Mönchengladbach kommen auch darin vor.

Bekannt ist Jacques Tilly als kreativer Schöpfer von Mottowagen im Düsseldorfer Karneval. Da spießt er alljährlich die Politik in riesigen Motiven auf. Doch Tilly kann auch kleinteilig. Das beweist der Künstler in dem mit der NRW-Staatskanzlei herausgegebenen Kalender für das Jahr 2019: Mit viel Liebe zum Detail werden da auf 13 großformatigen „Wimmelbildern“ die 13 größten Metropolen des Bundeslandes vorgestellt.

Tilly schwärmt vom Reichtum, den die Städte zu bieten haben

Der 55-jährige Künstler sagt selbst, dass es vermessen erscheinen mag, eine ganze Stadt auf einem Blatt darzustellen – ihre Architektur, die Kultur, das Brauchtum, ihre Geschichte, die lokale Wirtschaft und die Persönlichkeiten, die für die Stadt stehen. Und ja, manch einer werde die Bilder für überladen halten. Aber was macht das schon, da der Betrachter doch für jedes Kalenderblatt einen Monat Zeit hat und auch in der vierten Woche noch Neues entdecken kann.

Zentrales Motiv in Wuppertal ist natürlich die Schwebebahn. Foto: Jacques Tilly/Melanie Zanin

Er habe monatelang recherchiert, Bücher über die Städte gekauft, mit in den Metropolen lebenden Menschen gesprochen. Und dabei ist Tilly bescheiden geworden. „Man denkt, man kennt die Städte, nur weil man mal durch Bielefeld oder Essen durchgekommen ist. Aber das ist Illusion, ich hatte absolut keine Ahnung.“ Im Schaffensprozess sei ihm bewusst geworden, „welchen Reichtum diese Städte zu bieten haben, welche unglaubliche Fülle, die mir völlig unbekannt war.“ Da habe er immer wieder Neues entdeckt. Jede Stadt ein eigener Kosmos, sei es nun Aachen, Düsseldorf, Wuppertal, Köln oder Münster. Er habe versucht, die eigene Persönlichkeit, den Fingerabdruck der Stadt einzufangen und in ein einzelnes Bild zu pressen.

Das ist eindrucksvoll gelungen. Auch wenn der ortskundige Betrachter an mancher Stelle merken wird, dass da was nicht stimmt. Dass Gebäude, die eigentlich gegenüber voneinander stehen, nebeneinander gezeichnet sind. Diese künstlerische Freiheit nahm sich Tilly dann doch heraus: „Manchmal musste ich der Stadt topographisch Gewalt antun.“ Um all das unterzubringen, was er unterbringen wollte. Nun hofft Tilly, dass sein Kalender dazu beiträgt, in dem Bindestrichland Nordrhein-Westfalen über dessen eindrucksvolle Metropolen ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Ein Gefühl von Heimat, Identität und Selbstbewusstsein.

Wer genau hinschaut, kann oben rechts die WZ erkennen. Foto: Jacques Tilly/Melanie Zanin

Eben dieser Gedanke ist auch der Hintergrund, dass die Staatskanzlei bei dem Projekt mit im Boot ist. Regierungssprecher Christian Wiermer: „Die Landesregierung hat sich vorgenommen, die Regionen des Landes in den Blickpunkt zu rücken, über die Landeshauptstadt hinaus.“

Neben den bereits genannten Städten sind in dem Kalender auch Dortmund, Duisburg, Bochum und Gelsenkirchen in all ihren Feinheiten liebevoll festgehalten. Auch die Persönlichkeiten – die Lebenden und die Toten – aus Politik, Wirtschaft oder Kultur, die für die Städte stehen, tauchen auf. Illustrator David Salomo hat die 310 Personen auf den 13 Bildern meist gut getroffen. Nicht immer hat man dabei an alle gedacht, oft schafften es einige erst kurz vor Drucklegung ins Bild. So wurden zunächst „irgendwelche Tatortkommissare“ in Münster vergessen, sagt Tilly. Aber jetzt sind sie drauf, Kommissar Thiel und Gerichtsmediziner Boerne und auch Privatdetektiv Wilsberg, an die manch einer als erstes denken mag, wenn von Münster die Rede ist. Tilly selbst dagegen hatte kürzlich Spaß in Duisburg. Nach 30 Jahren sei er mal wieder in der Nachbarstadt gewesen. Und „ganz begeistert in meinem Kalenderblatt herumgelaufen“.

Bei der Darstellung von Aachen gibt es viel zu entdecken. Foto: Jacques Tilly/Melanie Zanin

Der Din A 2 Wandkalender hat die Maße von 42 mal 59,4 cm, gedruckt wurde er im Rahmen der Arbeitstherapie in der Justizvollzugsanstalt Geldern. Kosten: 20 Euro inklusive Versand, zu bestellen unter www.knastladen.de

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