Hochschulgesetz: Streit um Promotionsrecht spaltet die Wissenschaftswelt

Hochschulgesetz : Streit um Promotionsrecht spaltet die Wissenschaftswelt

Experten von Fachhochschulen und Universitäten bei Anhörung im Landtag zum neuen NRW-Hochschulgesetz nicht einig.

Fünfeinhalb Stunden Anhörungsmarathon im Landtag zum neuen Hochschulgesetz NRW – aber die emotionalsten Momente waren den letzten 90 Minuten vorbehalten. Beim Streit um die Promotionsmöglichkeiten an Fachhochschulen hatten die wissenschaftlichen Experten mitunter Mühe, eine Mischung aus gegenseitigen Vorurteilen, erlittenen Kränkungen und Angst vor Verteilungskämpfen mit Sachargumenten im Zaum zu halten.

Ausgelöst wurde der Streit durch einen Änderungsantrag von CDU und FDP. Zentrales Anliegen: Das Graduierteninstitut (GI), erst vor drei Jahren als Einrichtung der Fachhochschulen in NRW geschaffen, um sogenannte kooperative Promotionen auszubauen, soll zu einem Promotionskolleg werden. Bisher sind Promotionen an Fachhochschulen nur möglich, wenn sich für den Doktoranden auch ein betreuender Universitätsprofessor findet. Künftig wären am Promotionskolleg in vom Wissenschaftsrat genehmigten Fachbereichen Doktorarbeiten auch ohne universitäre Beteiligung denkbar.

Für die Fachhochschulen wäre das die Erfüllung eines alten Wunsches. „Sie haben ein Stück Wissenschaftsgeschichte geschrieben“, lobte Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, den Koalitionsvorstoß, den auch die Grünen unterstützen wollen. Laut Martin Sternberg, Vorstand des GI, funktioniert die kooperative Promotion nämlich oft nicht, weil es kein wissenschaftliches Pendant auf universitärer Seite gibt, Uni-Professoren schon zu viele Doktoranden betreuen oder aber Konkurrenzverhältnisse bestehen.

Der Wuppertaler Uni-Rektor Lambert T. Koch, Sprecher der Landesrektorenkonferenz der Universitäten NRW, sieht in dem Änderungsantrag zwar auch „ein entscheidendes Thema für den Wissenschaftsstandort Deutschland“ berührt, aber in bedrohlicher Weise. Die Arbeitsteiligkeit im deutschen Wissenschaftssystem (mehr Forschung an Unis, mehr Lehre an Fachhochschulen) werde aufgehoben. Die Kritiker befürchten, dass am Ende nicht nur Fachhochschulen, sondern auch außerhochschulische Forschungseinrichtungen das volle Promotionsrecht anstreben könnten. Als Folge sehen sie größere Verteilungskämpfe um eine unveränderte Summe an Forschungsgeldern – zum Nachteil für alle.

Koch forderte daher ein Moratorium, um einen tragfähigen Konsens zu finden. Ob allerdings sein Kompromissvorschlag noch fruchtet, statt eines zentralen Promotionskollegs fünf bis sechs dezentrale Standorte auszuwählen, an denen Unis und Fachhochschulen schon gut kooperieren, ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse fraglich.

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