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Hilden: Hilfe für einen guten Start ins Leben

Mein Verein : Damit Kinder gut ins Leben starten

In Hilden gibt es mehr als 160 Vereine. Manche sind bekannt, andere nicht. Der Verein „Du-Ich-Wir“ unterstützt Schüler nicht nur beim Deutschlernen.

„Jedem Menschen einen Zugang zu guter Bildung geben.“ Dieses Credo könnte durchaus von einem verantwortungsvollen Bildungsminister stammen, kommt aber von Dominik Adolphy.

Der Mann ist 30 Jahre jung, trägt Jeans und Zopf und ist einfach überzeugend, wenn er von den Visionen des von ihm gegründeten Vereins „Du-Ich-Wir“ in Erkrath schwärmt, der sich zum Ziel gesetzt hat, benachteiligten Kindern durch Nachhilfe zu echten Lebenschancen zu verhelfen.

Es war im Jahr 2013 als Adolphys Eltern (beide sind Lehrer) ein älteres Auto verkaufen wollten und ihm und seiner älteren Schwester den Erlös zum Teilen versprachen. „Es kamen für jeden 500 Euro dabei raus“, erzählt Dominik. Für ihn sei das viel Geld gewesen, aber er hätte ja damals schon als Student alles besessen, was er brauchte.

Also wandte er sich an die Caritas und erfuhr, dass man Kindern mit Migrationshintergrund mit Schulmaterialien und Nachhilfe in Deutsch helfen könne. „Das hat mich total erfüllt und ich habe sofort Freunde gefragt, ob sie mit machen“, erzählt er.

Freundin Lena, die heute Lehrerin für Englisch und Französisch ist, und andere Freunde und Bekannte unterstützten die Idee, Kindern und Jugendlichen ehrenamtlich beim Deutschlernen zu helfen. Irgendwann waren die 500 Euro aufgebraucht.

„Wir haben dann 2015 den Verein „Du-Ich-Wir“ gegründet, um Menschen beim Deutschlernen zu helfen. Mit einer Web-Side, Face-Book und Flyern haben wir auf uns aufmerksam gemacht.“

Es entwickelte sich eine Kooperation mit dem Hochdahler Gymnasium. 23 junge Menschen aus dem Abiturjahrgang, gaben anfangs ein bis zwei Stunden kostenlosen Nachhilfe-Unterricht. „Wir haben uns selbst als privilegiert gesehen und deshalb in der Pflicht zu helfen.“

Ein Jahr später wurde die Rotary-Stiftung Hilden-Haan-Erkrath auf das Projekt der jungen Leute aufmerksam und spendierte zunächst „Nachhilfe-Koffer“, dann Lehrbücher, später Mietzuschüsse und Gehälter. Adolphy:„Die Rotarier sind unsere größten Sponsoren und haben uns bis heute entscheidend dabei geholfen, dass wir unseren Traum verwirklichen können.“

Seit April 2020 sind er und Rachida El Khabbachi fest angestellte Mitarbeiter. Insgesamt acht öffentliche Ehrungen hat der Verein für seine Förderungsarbeit mittlerweile eingeheimst. Aber: Es werden weiter Spenden gebraucht.

Die Verbindung einer wirtschaftlichen Unternehmung mit einem sozialen Zweck ist bisher gelungen: Rund 115 Schüler werden durch den Verein betreut. Das bedeutet, dass die Schüler nichts zahlen und die Lehrer kein Gehalt bekommen. „Diese ehrenamtliche Tätigkeit ist nach wie vor unser Herzstück.“

Daneben haben sich eine Schülernachhilfe in Ferienzeiten und eine Nachhilfe parallel zu Schulzeiten entwickelt, von denen weitere 130 Schüler profitieren. Auch sie zahlen nichts, aber die meist studentischen Lehrkräfte erhalten 17 bis 19 Euro pro Stunde, die durch Förderpartnerschaften aufgebracht werden.

In Zukunft will der Verein expandieren. In Haan ist bereits an der Grundschule Bollenberg Förderunterricht für elf Schüler angesagt. Ab September startet ein weiteres Du-Ich-Wir-Projekt in Hilden. Daneben laufen schon Kurse in Mettmann, Langenfeld und Wülfrath.

Dominik Adolphy, der 1991 in Hilden geboren wurde, hat nach seinem Abitur 2010 in Erkrath Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal studiert, später seinen Master in Corporate Development und Economic Psychology in Köln gemacht.

„Meine Eltern waren damals nicht begeistert, dass ich anschließend über ein Jahr ehrenamtlich arbeitete.“

Scheint sich aber gelohnt zu haben, denn die Schüler sind von dieser Art Nachhilfe restlos begeistert