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NRW: Großer Rückhalt im Landtag für dezentrale Behördenjobs

NRW : Großer Rückhalt im Landtag für dezentrale Behördenjobs

Alle Fraktionen im nordrhein-westfälischen Landtag haben sich dafür ausgesprochen, für Mitarbeiter der Landesverwaltung auch dezentrale Arbeitsplätze anzubieten. Sie forderten die Landesregierung am Freitag im Düsseldorfer Parlament auf, moderne Büro-Gemeinschaften („Co-working space“) vor allem im ländlichen Raum zu schaffen.

Dazu könnten sowohl Räumlichkeiten und Infrastruktur kommunaler oder mittlerer Behörden genutzt werden als auch private Büro-Gemeinschaften, heißt es in einem gemeinsamen Antrag von CDU und FDP. Die Landesregierung solle die Optionen prüfen und ein entsprechendes Pilotprojekt angehen.

Alternativen außerhalb des eigentlichen Büroarbeitsplatzes böten die Chance, lange Pendelstrecken zu vermeiden, innerstädtische Wohnungsmärkte zu entspannen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und den Wunsch nach einem heimatnahen Arbeitsplatz mit einem sozialen, kreativen Arbeitsumfeld zu kombinieren, betonten die Koalitionsfraktionen. So könnten neue Leute gewonnen werden, die ansonsten nicht bereit wären, in die Großstadt umzuziehen oder weit zu pendeln, sagte der CDU-Abgeordnete Florian Braun.

Schließlich konkurriere der öffentliche Dienst in Zeiten des Fachkräftemangels mit der Privatwirtschaft um die besten Talente. „Viele Tätigkeiten der öffentlichen Verwaltung können orts- und zeitunabhängig ausgeübt werden. Mobile Arbeit steht daher effizienten Arbeitsabläufen nicht entgegen“, argumentierten CDU und FDP in ihrem Antrag, der nun in den Fachausschüssen des Landtags weiter beraten wird.

NRW-Digitalminister Andreas Pinkwart (FDP) begrüßte den Vorstoß. Die Corona-Pandemie habe den Anteil der Beschäftigten, die von zu Hause aus arbeiten, deutlich gesteigert, sagte er. Homeoffice allein sei aber nicht das digitale Arbeiten der Zukunft. „Das entwickelt die Menschen nicht weiter. Das ist nicht zwingend kreativitätsfördernd“, sagte er. Dezentrale Gemeinschaftsarbeitsplätze böten dagegen die Möglichkeit, Pendlerströme zu reduzieren, aber nicht so isoliert zu Hause zu arbeiten.

SPD, Grüne und AfD begrüßten den Vorstoß im Grundsatz. Grüne und AfD mahnten aber Tempo bei der konkreten Umsetzung an. Er hätte sich mehr gewünscht als Aufträge zum Dialog, zur Prüfung und Evaluierung, sagte der Grünen-Abgeordnete Matthi Bolte-Richter. „Die Pandemie hat den Mythos der effizienten, für jede Aufgabe gewappneten Verwaltung entzaubert“, stellte er fest. Jetzt müsse sie fit gemacht werden für den Neustart nach Corona. „Dafür könnte ein bisschen mehr passieren.“

Pinkwart hielt dagegen, die CDU/FDP-Koalition arbeite seit Jahren an der Aufgabe, habe aber nach der Regierungsübernahme von Rot-Grün keine Anknüpfungspunkte gehabt. „Wir hatten die Werkzeuge 2017 überhaupt nicht, weil wir eine komplett analoge Verwaltung angetroffen haben.“ Homeoffice habe es nur in sehr begründeten Ausnahmefällen gegeben. Nun werde der Finanzminister dafür sorgen, dass in NRW sehr schnell ein konkretes Projekt für moderne Arbeitsformen an den Start gebracht werde. „Wenn das gut ankommt, werden wir das an vielen Stellen anbieten können.“

Prinzipiell unterstützt auch die AfD dezentrale Behördenarbeitsplätze im ländlichen Raum. Seine Fraktion habe einen solchen Antrag schon vor zwei Jahren gestellt, sagte der AfD-Abgeordnete Sven Tritschler. Dass so viele Landesbehörden in der teuren Landeshauptstadt Düsseldorf säßen, stamme aus der Zeit von Schreibmaschine, Umlaufmappen und Rohrpost. Die Koalitionsfraktionen forderten nun aber sozusagen sich selbst auf, das alles erstmal zu prüfen und Pilotprojekte zu machen. „Ein Jahr vor Ende der Legislatur ist das nahe an der Arbeitsverweigerung.“

Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamts ist das Land mit rund 345.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im öffentlichen Dienst. Insgesamt umfasst er in NRW rund 860.000 Beschäftigte - inklusive Gemeinden, Gemeindeverbänden und rechtlich selbstständigen Einrichtungen unter Landesaufsicht wie etwa staatliche Universitäten.

Antrag

Zahlen IT.NRW

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(dpa)