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Groß-Kampagne wirbt für Jobs in der Justiz

Personalnot : Groß-Kampagne wirbt für Jobs in der Justiz

Die Justiz in Nordrhein-Westfalen plagen Personalsorgen. Allein rund 500 unbesetzte Stellen gibt es aktuell im Vollzugsdienst – aber lange nicht nur dort.

„Wir haben Personalbedarf in allen 27 Berufsgruppen und allen Regionen“, sagt Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Berichte von überlasteten Richtern, maroden Gefängnissen und zuletzt Skandale wie der Tod eines unschuldigen Syrers in der JVA Kleve helfen ihm da nicht. Aber, so hofft er, eine großangelegte Kampagne mit Mitarbeitern der NRW-Justiz als Models, die jetzt gestartet ist.

„Wir sind mit 40 000 Damen und Herren einer der größten Arbeitgeber in NRW“, erklärt Biesenbach. Aktuell wurden 1635 neue Stellen geschaffen, „die sind noch nicht alle besetzt“, so der Minister. Jobs gebe es „querbeet“ bei den 204 Gerichten, 19 Staatsanwaltschaften und drei Generalstaatsanwaltschaften, in 36 Gefängnissen und fünf Jugendarrestanstalten. Für diese wird bis 2020 auf 1000 Außenwerbeflächen sowie online getrommelt, eine eigene Internetseite mit Stellenbörse ist geplant, daneben Messeauftritte und Workshopreihen.

Herzstück der Kampagne sind die 56 Mitarbeiter, die dem Rechtssystem ein Gesicht geben. Cornelia Jung, Amtsrichterin in Bonn, gehört zu ihnen. Sie hat jahrelange Erfahrung mit Veranstaltungen zur Berufsorientierung an Schulen und der Selbstdarstellung von Unternehmen oder Großkanzleien. „In der Vergangenheit hat die Justiz da ein zurückhaltendes Bild abgegeben“, sagt sie. Wohl auch weil sie in Sachen Verdienst kaum konkurrieren kann: Ein Grund etwa für den Mangel an Rechtspflegern sei, dass diese von den Kommunalverwaltungen mit einer höheren Gehaltsstufe abgeworben würden, räumt Biesenbach ein. Es ist neben der Sicherheit daher vor allem die Sinnhaftigkeit, mit der die Kampagne unter dem Titel „Den Menschen im Sinn“ wirbt.

JVA-Mitarbeiterin: Zwölf Tage Dauerdienst, weil Personal fehlt

„Ich glaube, dass ich einen kleinen Beitrag zur Sicherung der Gesellschaft leisten kann“, beschreibt Miriam Noureddine, Vollzugsbeamtin in der JVA Düsseldorf, den Sinn ihres Jobs. Sie hat erlebt, dass dieser bei Freunden und Verwandten „ein wenig negativ behaftet“ ist. Deshalb macht sie mit bei der Justizkampagne. Und weil sie selbst auf neue Kollegen hofft: „Auch wir sind von Personalknappheit betroffen“, berichtet die junge Frau. Für sie sei es völlig normal, an jedem zweiten Wochenende zu arbeiten – bei hohem Krankenstand auch mal zwölf Tage am Stück. „Man kommt an die Grenzen“, sagt sie. Hätte sie die Wahl zwischen mehr Gehalt und mehr Personal, wäre ihre Entscheidung klar, so Noureddine.

Ihre Schilderung verdeutlicht aber auch, wo die Komplikationen für die Personalwerbung des Justizministeriums liegen: Personalmangel macht schlechte Arbeitsbedingungen, die wiederum den Beruf unattraktiv erscheinen lassen und für weniger Interesse potenziellen Personals sorgen. Ob er glaubt, dass die Rekrutierungsaktion für bis zu 2,4 Millionen Euro diesen Teufelskreis durchbrechen kann, will Biesenbach noch nicht klar beantworten: „Eine so groß angelegte Kampagne ist bei uns noch nie gelaufen.“ Er hofft auf erste Erfahrungen nach der Bewerbungswelle aus den NRW-Abschlussklassen Anfang des Frühjahrs.