1. NRW

Grevenbroich: Gutachter für Trasse durch die Erftaue

Planungen für die L 361n gehen in die nächste Runde : Gutachter pro Erftauen-Trasse

Beim Landesbetrieb Straßen.NRW liegt das Verkehrsgutachten für den Bau der L 361n vor. Darin wird die „Variante II“ favorisiert, die Trasse entlang der Erftaue. Nur sie bringe eine Entlastung für Kapellen und Wevelinghoven.

Die Verkehrsanalyse für den Bau der umstrittenen L 361n liegt jetzt dem Landesbetrieb Straßen NRW vor. Wie Klaus Münster, Abteilungsleiter für Planung, auf Anfrage mitteilt, haben sich die Gutachter für die sogenannte „Variante II“ ausgesprochen, die am Rand der Erftaue verläuft. Ebenfalls untersucht wurde die „Variante VII“, die Westumgehung zwischen Kapellen und Noithausen. Die Gutachter würden vom Bau dieser Trasse aber abraten, sagt Münster. Sie würde nicht zur Verkehrsentlastung von Wevelinghoven und Kapellen beitragen.

„Wir haben die Aufgabe, eine Umgehung zu bauen. Oberstes Ziel ist es, die beiden belasteten Orte stark zu entlasten“, stellt Münster klar. Mit der „Variante VII“ könne dieses Ziel nicht erreicht werden. Das belege das nun vorliegende Gutachten, dem eine Verkehrsprognose für das Jahr 2030 zugrunde liege.

Demnach würden sich zu diesem Zeitpunkt täglich rund 11 000 Fahrzeuge auf der Durchgangsstraße „An der Untermühle“ zwischen Wevelinghoven und Kapellen bewegen. Mit dem Bau der „Variante II“ könnte der Verkehr dort um mehr als 50 Prozent reduziert werden – um etwa 6000 Fahrzeuge. Bei einem Bau der „Variante VII“ würden die Gutachter lediglich von „einer Verkehrsentlastung in der Größenordnung von rund 15 Prozent“ ausgehen. Nicht untersucht worden sei die von Bürgermeister Klaus Krützen vorgeschlagene „Nordwesttangente“. Sie sei erst dann ins Spiel gebracht worden, nachdem der Auftrag für das Gutachten bereits vergeben worden war, betont Münster.

Zurzeit wartet Straßen NRW auf das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung. Bei dieser faunistischen Untersuchung werden die Auswirkungen der Trasse auf die Natur der Erftaue untersucht. „Wir erwarten das Papier in den nächsten Wochen. Es wird spätestens Ende März vorliegen, also noch vor Ostern“, sagt Klaus Münster. Anschließend werde geprüft, ob anhand der Ergebnisse an der Streckenführung der „Variante II“ festgehalten werden kann, ob möglicherweise nachgesteuert oder die Linie neu bestimmt werden muss. Letzteres wäre allerdings „für uns der Worst Case“, sagt Münster, der schlimmste anzunehmende Fall. 

„Rettet die Erftaue“ will weiter
an der „Variante VII“ festhalten

Die Aussagen der Gutachter sind Wasser auf die Mühlen für die Bürgerinitiative „Pro Ortsumfahrung“, die sich seit Jahren für die „Variante II“ stark macht. „Die Aussagen bestätigen das, was wir schon immer gesagt haben: Die Verkehrszahlen sind hier extrem hoch – und eine deutliche Entlastung kann nur die L 361n bringen“, sagt Sprecher Leo Krüll. „Wenn es damit sogar noch zu mehr als einer Halbierung des Verkehrs kommen soll, ist das natürlich eine super Sache.“ Und Krüll macht eines deutlich: „Sobald es die Umgehung gibt, wird es innerorts keinen Lkw-Verkehr mehr geben – der kann dann ausgesperrt werden.“ Bestätige die Umweltverträglichkeitsprüfung, dass die Trasse entlang der Erftaue gebaut werden kann, könne mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen werden.

Die Bürgerinitiative „Rettet die Erftaue“, die für die „Variante VII“ ist, lehnt den Bau der Trasse entlang der Erftaue ab: „Solche Straßen werden heute nicht mehr gebaut, das sind Dinosaurier“, sagt Dirk Schimanski, Vorsitzender und Ratsherr der Grünen. „Immer mehr Leute steigen vom Auto aufs Fahrrad um, der geplante S-Bahn-Ausbau wird künftig viele Menschen von den Straßen herunterholen – alleine durch die Mobilitätswende ist diese Trasse verkehrspolitisch obsolet.“

Die Bürgerinitiative will nun abwarten, bis das Verkehrsgutachten öffentlich gemacht wird und mit dessen Auswertung beginnen. „Daher fällt eine Aussage zurzeit schwer. So ist zum Beispiel offen, ob bei dieser Studie auch der Ziel- und Quellverkehr berücksichtigt wurde“, sagt Schimanski. Denn der spiele nach Ansicht der Initiative bei der Verkehrsbelastung von Wevelinghoven und Kapellen eine große Rolle. Die Initiative halte weiter an der „Variante VII“ fest, „sie bedeutet einen geringeren Eingriff in die Landschaft“.