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Gewerbeanmeldung in der Warteschleife: Unternehmer gibt auf

Lokale Wirtschaft : Gewerbeanmeldung in der Warteschleife: Unternehmer gibt auf

Krefelder wollte Firma für Produktdesign gründen – vergeblich. Die Stadt räumt personellen Engpass ein.

Existenzgründer oder Start-ups: Land und Kommunen betonen gerne, wie wichtig beides für die Wirtschaft ist und wie gerne sie neu entstehenden Unternehmen unter die Arme greifen. Doch die Realität sieht schon mal anders aus. Dann hakt es in den Amtsstuben, dann benötigen Unternehmer in spe starke Nerven und viel Geduld. Von solch schlechten Erfahrungen berichtet der Krefelder Sascha Solecki: „Ich hatte mich entschieden, trotz Corona ein Gewerbe zu gründen mit einem guten Konzept und bereits Kunden in Aussicht“, sagt er im Gespräch mit der WZ. Doch dann kam alles anders.

Seine Firma sollte Produktdesign und Prototyping anbieten (CNC, 3D Druck,Textildesign Stick etc.), loslegen wollte er am 1. Februar. Es habe vielversprechende Verhandlungen mit einer großen Discounter-Kette gegeben, sagt er, „es ging unter anderem um die Produktion im 3D-Drucker von Warenregalen“. Weil Solecki schon ahnte, dass das Gewerbeamt etwas Zeit zur Bearbeitung benötigen würde, stellte er Anfang Januar den Antrag. „Leider ist bis heute nichts passiert. Auf meine Nachfrage kam am 10. März lediglich folgende Antwort vom zuständigen Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Stadt Krefeld: ,Wir werden Ihre Anmeldung schnellstmöglich durchführen. Anbei übersende ich Ihnen Informationen des Finanzamtes, damit Sie sich dort steuerlich schon melden können.’ “

Mittlerweile ist Solecki entnervt: „Es ist Mai, meine Kunden fühlen sich leicht veräppelt weil sie so lange warten müssen. Und ein Großteil von ihnen hat sich mittlerweile was anderes gesucht“, sagt er. Das Anmeldeportal sei andauernd nicht erreichbar gewesen wegen Wartung, berichtet er: „Die Gebühr für die Gewerbeanmeldung liegt zwar nur bei 26 Euro, aber wenn man dafür gar keine Gegenleistung bekommt und quasi auf den Gründungskosten von fast 3000 Euro sitzen bleibt, dann ist das natürlich alles sehr unschön.“ Jetzt hat er die Nase voll: „Ich habe dem Gewwerbeamt mitgeteilt, dass es meine Anmeldung wieder löschen soll, wahrscheinlich wird auch da eine Gebühr fällig, obwohl keinerlei Leistung erbracht worden ist.“

„Viele Kunden wollen den Gewerbeschein sehen“

Auf die Frage, warum der zuständige Fachbereich offenbar viel Zeit zur Bearbeitung benötigt, räumt ein Sprecher der Stadt Krefeld ein: „Aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen und ausgeschiedenen Mitarbeitern/innen kommt es zu Verzögerungen bei der Bearbeitung.“ Generell jedoch würden Gewerbeanmeldungen nicht beschieden, es werde lediglich der Eingang bestätigt. Und, so die Stadt weiter: „Mit Einreichung der Gewerbeanmeldung kann das Gewerbe jedoch schon aufgenommen werden. Im Onlineportal der Stadt Krefeld sowie im Wirtschaftsserviceportal des Landes NRW wird ausdrücklich darauf hingewiesen.“

Solecki sagt, davon habe er nichts, denn: „Der Punkt ist doch, dass man den Gewerbeschein benötigt, den wollen die Kunden sehen.“ Und auch das Finanzamt verlange dieses Dokument, „sonst bekommt man auch keine Umsatzsteuer-ID.“

Tatsächlich sei zuletzt zeitweise nicht das städtische, wohl aber das Wirtschaftsserviceportal des Landes NRW ausgefallen, teilt die Stadt mit. Dies sei jedoch mittlerweile behoben worden, so dass Bürger zwei Möglichkeiten hätten, online Gewerbemeldungen durchzuführen. Auf beide Portale wird auf der Homepage der Stadt Krefeld hingewiesen. Gleichwohl kündigt auch die Stadt an, für Besserung sorgen zu wollen: „Inzwischen sind alle Stellen in der Gewerbemeldestelle wieder besetzt und die Rückstände werden sukzessive abgebaut.“ Zudem würden Auszubildende in diesem Bereich eingesetzt. Der Einsatz von überplanmäßigen Kräften sei angedacht gewesen, habe indes aufgrund der Corona-Pandemie bisher nicht umgesetzt werden können.

Für Solecki kommt das alles zu spät. Er berichtet, dass er schon  einmal ein florierendes Gewerbe in Kempen gehabt habe und da sei die Anmeldung wirklich nur eine Formalie gewesen. Solecki: „Selbst die Planung der NRW-Grillmeisterschaft, die ich normalerweise jedes Jahr in Krefeld veranstalte, und für die ein großer Aufwand vom Brandschutz- bis zum Fluchtwegekonzept erforderlich ist, war für mich einfacher als hier in Krefeld ein Gewerbe anzumelden.“