Energiesparen und Umweltschutz gegen Denkmalschutz Laternen soll das Gas abgedreht werden

DÜSSELDORF · Denkmalschützer protestieren gegen die Umstellung Tausender Düsseldorfer Laternen auf Strom, doch der Stadtrat ist entschlossen: Aus für die Gaslaternen.

In der Straße Altestadt wurde zum Vergleich eine LED-Leuchte (vorne bzw. rechts im Bild) neben einer alten Gasleuchte positioniert.

In der Straße Altestadt wurde zum Vergleich eine LED-Leuchte (vorne bzw. rechts im Bild) neben einer alten Gasleuchte positioniert.

Foto: Gstettenbauer/Michael Gstettenbauer

„Rette mich, ich leuchte seit 103 Jahren, ich bin nachhaltig und ein Industriedenkmal.“ Ein verzweifelter Hilferuf. Der Hilferuf einer Gaslaterne. Er findet sich neben der Zeichnung einer traurig wirkenden Laterne auf der Internetseite des Rheinischen Vereins für Denkmalschutz und Landschaftspflege. Die Denkmalschützer stemmen sich dagegen, dass die knapp 14.000 Gaslaternen in der Landeshauptstadt Düsseldorf umgerüstet werden sollen auf LED-Beleuchtung - Strom statt Gas also.

Damit werde ein einzigartiges Kollektivdenkmal unwiederbringlich zerstört, argumentieren sie. Und die Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD) schreibt in einem offenen Brief: „Die Gaslaternen sind ein wertvolles Industrie-Denkmal und zeugen von der wirtschaftlichen Entwicklung und Erfolgsgeschichte der Stadt ab Mitte des 19. Jahrhunderts.“ Auch der in der Stadtgesellschaft mächtige Heimatverein „Düsseldorfer Jonges“ kämpft für die alten Gaslaternen. Die Jonges  überlegen bereits, sich mit der Initiierung eines Bürgerbegehrens für den Erhalt der Gaslaternen stark zu machen, wenn die Stadt etwas anderes entscheidet.

Doch es sieht ganz so aus, dass sich die Bedenkenträger nicht durchsetzen werden. Auch nicht mit ihrem Argument, dass das Industriedenkmal „Gaslaternen in Düsseldorf“ doch gute Aussichten habe, irgendwann in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen zu werden. Voraussichtlich am 14. Dezember wird der Düsseldorfer Stadtrat über das Aus der allermeisten Gaslaternen in der Stadt entscheiden. Eine große Mehrheit aus CDU, SPD, Grünen und der Partei Klima scheint sicher. Dabei soll aber nur der Energieträger der Leuchten von Gas auf Strom umgestellt werden. Die Optik, so wird betont, soll sich nicht ändern. Nur im denkmalgeschützten Düsseldorfer Hofgarten sollen 220 Laternen weiterhin mit Gas betrieben werden.

Jochen Kral (Grüne), Umweltdezernent der Stadt, sagt, dass das durch die Gasleuchten geprägte Stadtbild an den meisten Stellen erhalten bleibe. „Die Technik der Beleuchtung allerdings muss den durch Klimawandel und russischen Angriffskrieg verursachten veränderten Rahmenbedingungen gerecht werden.“ Umweltschutz, Energiesparen und wirtschaftliche Erfordernisse sind also die Argumente, die sich, so sieht es aus, gegen das Argument Denkmalschutz durchsetzen werden.

Viele Altmaterialien der Gasleuchten sollen aufbereitet und im dann strombetriebenen Modell weiterverwendet werden. Dabei soll LED-Licht in einer warmweißen Farbgebung leuchten. Kral verspricht: „Dank der sensiblen Umrüstung und Wahrung der Originalteile werden die LED betriebenen Laternen äußerlich nur durch Experten von den historischen Gasleuchten unterschieden werden können. Sie sind weder heller als die mit Gas betriebenen, noch unterscheiden sie sich in der Lichttemperatur.“ Und: Die „optimierte Lichtausbeute“ sorge gleichzeitig für eine bessere Ausleuchtung des Gehweges und mache die Düsseldorfer Straßen „noch sicherer“.

Der Plan sieht nun so aus: Vorgesehen ist der weitestgehende Erhalt der äußeren Hülle von mehr als 11.800 Leuchten. Aktuell sind noch knapp 13.600 Gasleuchten in Betrieb, für die eine Umrüstung ansteht. Rund 2000 Leuchten können nicht umgerüstet werden.

Die dabei erzielte Energieeinsparung soll gewaltig sein. Der Energieverbrauch einer gasbetriebenen Leuchte beträgt laut Stadtverwaltung 4565 Kilowattstunden pro Jahr. Demgegenüber benötige eine vergleichbare LED-Leuchte jährlich nur 75 Kilowattstunden.

Die bei der Gasbeleuchtung bisher eingesetzte Energie werde zu weniger als einem Prozent in die Lichterzeugung umgewandelt. Der Rest entweiche als ungenutzte Wärme in die Umwelt. Das führe dazu, dass pro Gaslaterne fünfzigmal so viel Kohlendioxid (CO2) erzeugt werde als bei einer vergleichbaren LED-Leuchte. Hinzu komme: Im Vergleich zu strombetriebenen Leuchten seien Gaslaternen wesentlich störanfälliger. Die 21 Prozent Gaslaternen der Düsseldorfer Straßenbeleuchtung waren im Jahr 2022 nach Angaben der Stadt für 85 Prozent der Störmeldungen verantwortlich.

Und was kostet das Umrüsten von gut 11.800 Gasleuchten auf Strom? Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei rund 116 Millionen Euro. Doch würde man, wie ursprünglich geplant, knapp 10.000 Gaslaternen erhalten, so wären auch damit Investitionskosten von 99 Millionen Euro in die Umrüstung und weitere Betriebsführung mit Gas verbunden, argumentiert die Stadt. Denn es müsste schon bald von Low-Calorific-Gas auf High Calorific-Gas umgestellt werden.

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