Gewaltprävention Früh Nein-Sagen lernen: Minibuch für Kita-Kinder

Dortmund/Wuppertal · Ein Bilderbuch wird derzeit in Dortmunder Kitas verteilt, es soll Kinder stärken und für das Thema Missbrauch sensibilisieren. Ein guter Baustein für die Präventionsarbeit, sagt der Kinderschutzbund.

Ein Kind spielt in einer Kita.

Ein Kind spielt in einer Kita.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Geschichten von Darina, Ceylin und Lennard über „unangenehme Schmatzer“ von Erwachsenen, einer komischen Einladung des Nachbarn in seine Wohnung oder merkwürdigen Blicken vom Fußballtrainer: Ein Bilderbuch für Kita-Kinder wird derzeit in Dortmunds Kindertagesstätten verteilt, um sie altersgerecht für ihre Rechte und körperliche Selbstbestimmung zu sensibilisieren und gegen sexuellen Missbrauch zu stärken, wie Stadtsprecherin Katrin Pinetzki berichtete. Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) sprach von einer lobenswerten Initiative für die Präventionsarbeit.

Diese solle früh anfangen, nicht erst mit fünf oder sechs Jahren, sagte Margareta Müller vom DKSB-Landesverband NRW in Wuppertal der Deutschen Presse-Agentur. „Bei jungen Kindern geht es darum, die eigenen Gefühle und den Körper kennen und benennen zu lernen.“

Auf das eigene Gefühl vertrauen

Gleichstellungsbüro und Jugendamt der Stadt hatten das Buch „Dortmunds Kinder sind stark!“ zusammen mit Autor Thorsten Trelenberg und Illustratorin Birgitta Nicolas entwickelt. Es soll Jungen und Mädchen auch ermutigen, sich selbstbewusst zu äußern und auf ihr Gefühl zu vertrauen. Beispiele: Wenn Darina nicht mehr so wie früher mit Papa in der Badewanne baden wolle, sei das völlig in Ordnung, lautet die Botschaft einer der Geschichten. Und dass Ceylin ein Eintrittsverbotsschild an ihre Zimmertür hänge, damit Mama nicht immer einfach so reinkomme, wird als tolle Idee gelobt.

Zunächst werden 20.000 Exemplare der Präventionsbüchlein an die städtischen Kitas ausgegeben, die Aktion soll in den nächsten Jahren wiederholt werden. Ein solches Bilderbuch oder ein ähnliches Konzept aus anderen Kommunen ist der Stadt Dortmund nicht bekannt. Man habe eine Anfrage aus Castrop-Rauxel erhalten, es sei Interesse bekundet worden, die Bücher zu übernehmen, sagte Sprecherin Pinetzki.

Nein-Sagen muss gelernt sein

Kindern falle es oft nicht leicht, in unangenehmen Situationen „Nein“ zu sagen - und das gelte besonders bei vertrauten Personen. Sexuelle Gewalt finde aber häufig innerhalb des Familien- oder Bekanntenkreises statt. Pädagogische Fachkräfte in den städtischen Einrichtungen haben der Sprecherin zufolge vorab eine Informationsveranstaltung besucht, in der das Buch vorgestellt und der Einsatz in der Kita besprochen wurde. Die Kinder dürfen das Buch mit nach Hause nehmen, es werde aber auch in der Kindertagesstätte eingesetzt. Zielgruppe sind Vorschulkinder im Alter von fünf bis sieben Jahren. Auch Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten damit unterstützt werden - etwa um die richtige Sprache für das Thema Missbrauch im Gespräch mit den Kindern zu finden.

Kitas seien gesetzlich verpflichtet, ein Schutzkonzept zu haben, betonte Margareta Müller, Fachberaterin für den Bereich Gewalt gegen Kinder im DKSB-Landesverband NRW. Es gebe eine Vielzahl von Materialien wie Bilderbücher, Spiele, Lieder, auch Präventionstheater oder Selbstbehauptungskurse. Auch der Kinderschutzbund biete zahlreiche Materialien für die praktische Umsetzung in Kitas an. Weitere Organisationen und Verlage hätten ebenfalls Präventionsmaterial im Angebot.

Mehrere Pixi-Bücher in einfacher Sprache hat das Kinderhilfswerk verfasst - etwa über das Recht von Kindern auf Privatsphäre und auf Schutz vor Gewalt und Misshandlung, wie Expertin Müller weiter schilderte. Die Stadt Münster habe zudem kürzlich zusammen mit weiteren Akteuren eine Materialbox zusammengestellt, zu der ein Bilderbuch gehöre, das jüngeren Kinder die Arbeit des Jugendamtes erläutere.

© dpa-infocom, dpa:240520-99-97530/2

(dpa)
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