Fridays for Future: Behördenmail sorgt für Unruhe an Schulen vor Freitagsdemo

Fridays for Future : Behördenmail sorgt für Unruhe an Schulen vor Freitagsdemo

Vor den neuen Schülerprotesten am Freitag verunsichert ein Satz Schulen, Eltern und Schüler. Die Grünen attackieren Ministerin.

Vor den Klimaschutz-Demonstrationen am Freitag – unter anderem in Wuppertal und Düsseldorf – sorgt eine Mail der Düsseldorfer Bezirksregierung für Unruhe. Gerichtet ist diese an die Schulleitungen in Wuppertal. Darin findet sich neben Hinweisen auf die Folgen unentschuldigten Fehlens auch dieser Satz: „Ich bitte Sie daher, zu dokumentieren, wer am Freitag dem Unterricht fern geblieben ist, um an der o.g. Aktion teilzunehmen.“

Die Bezirksregierung Düsseldorf betont, dass ein entsprechendes Schreiben nicht flächendeckend an die Schulen im Regierungsbezirk herausgegangen sei. Hintergrund sei, dass es eine Meldung des Polizeipräsidiums Wuppertal über eine außerordentlich große geplante Schüler-Demonstration in Wuppertal gegeben habe. Um einen Überblick über das Geschehen vor Ort zu erhalten, habe man um Meldung der Anzahl der teilnehmenden Schüler (ohne Namen) gebeten.

Düsseldorfer Schulleiter soll harte Reaktion angekündigt haben

Dennoch, so glaubt Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, habe die Mail ihre Wirkung auch andernorts nicht verfehlt.  So hätten Eltern den zitierten Satz nicht so verstanden, dass er sich auf die Anzahl der an der Demo teilnehmenden Schüler bezog. Schließlich lässt er sich auch so lesen, dass einzelne Namen registriert werden.  Beer sieht in der Mail ein Misstrauensvotum gegenüber den Schulleitungen – über Wuppertal hinaus. „Auch die Schulleitungen tauschen sich doch untereinander aus“, sagte die Grüne gegenüber dieser Zeitung. So habe der Schulleiter eines Düsseldorfer Gymnasiums die Beurlaubung von Schülern zur Demonstration widerrufen, die zuvor vom Konrektor bereits erteilt worden sei. Ferner soll er angekündigt haben, der Bezirksregierung die Namen aller teilnehmenden Schüler zu melden. Auch habe er die Möglichkeit von Geldstrafen angekündigt.

Beer kritisiert, dass es vor den am Freitag weltweit stattfindenden Jugendprotesten für einen effektiven Klimaschutz „nicht sein kann, dass Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen mit massivem Druck und unverhohlenen Drohungen von diesen Demonstrationen ferngehalten werden.“ Deswegen müsse Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) unverzüglich einschreiten und klarstellen, „dass alle Schülerinnen und Schüler in NRW ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen können, ohne drakonische Strafen fürchten zu müssen“.

So weitgehend war die Reaktion von Ministerin Gebauer zwar nicht. Wohl aber sagte sie mit Blick auf das Düsseldorfer Gymnasium: „Ich habe die Bezirksregierung gebeten, unverzüglich auf die Schule zuzugehen und die Schulleitung – sofern sich der vorgetragene Sachverhalt als zutreffend erweist – zu einer schulrechtlich angemessenen und verhältnismäßigen Reaktion zu veranlassen.“

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