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Fragen und Antworten zur Corona-Pandemie: Was Masken wirklich bringen

Covid-19 : Fragen und Antworten zur Corona-Pandemie: Was Masken wirklich bringen

Wie gut schützen Masken vor einer Ansteckung? Und sind Visiere eine Alternative? Fragen und Antworten zum Thema.

Seit September läuft unsere Leser-Aktion zu Corona. Das Projekt wird von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt. Wir freuen uns, dass das Angebot auf Ihr Interesse stößt. Hier weitere Antworten auf Ihre Fragen. Das Coronavirus prägt längst den Alltag jedes einzelnen und wirft immer wieder Fragen auf. Besonders zum Tragen der Schutzmasken erreichten uns viele E-Mails.

Grundsätzlich ist sich die Mehrheit der Deutschen bei dem Thema einig, wie etwa das Forschungsprojekt Cosmo zeigt, das nahezu wöchentlich Umfragen zu Corona durchführt. So ist die Akzeptanz, eine Maske zu tragen, in den vergangenen Tagen sogar noch ein wenig größer geworden: Sie lag zuletzt bei 92,9 Prozent, vor zwei Wochen waren es noch 89,9 Prozent. Dennoch ergeben sich viele Fragen. Das zeigen auch die Zuschriften im Rahmen unserer Aktion Corona-Check. Eine Übersicht:

Wie gut schützen Masken vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2?

Nach einer großen Meta-Analyse im Auftrag der WHO, für die ein kanadisches Forscherteam mehr als 200 Studien auswertete, senken Masken das relative Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, um etwa 80 Prozent.

Das bedeutet: Wenn das Basisrisiko sich anzustecken, bei etwa 50 Prozent liegt, dann verringert es sich mit Maske auf zehn Prozent. Ist das Basisrisiko ein Prozent, reduziert sich die Gefahr für eine Ansteckung auf 0,2 Prozent. Diese Angaben gelten für den einfachen chirurgischen Mund-Nasen-Schutz. Basierend auch auf dieser großen Studie, veröffentlicht im Juni im Fachmagazin „Lancet“, hat die WHO schließlich ihre Maskenempfehlung ausgesprochen.

Trish Greenhalgh von der University of Oxford hat zusammen mit fünf weiteren Forschern im Oktober ebenfalls eine umfassende Auswertung der aktuellen Studienlage veröffentlicht. Alle Autoren sind Experten und beobachten die Situation um Corona und Masken seit Beginn der Pandemie. Damals haben sie eine erste Arbeit im „British Medical Journal“ veröffentlicht, die gewonnenen Informationen dann fortlaufend mit jeder neuen Studie aktualisiert.

Ihr Fazit: Masken können die Übertragung des Virus signifikant verringern. Die Vorteile der Masken überwiegen mögliche Schäden, wenn die Ausbreitung von Covid-19 gestoppt werden soll.

Welche Masken gibt es – und was können sie?

Die Mund-Nasen-Bedeckung (MNB), auch als Community Maske oder DIY-Maske bekannt, ist die einfachste Art von Maske. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine solche Bedeckung zum Beispiel beim Einkaufen, in Bus und Bahn sowie in öffentlichen Gebäuden. Dort ist das Tragen einer Maske sowieso meist Pflicht. Auf diese Weise sollen die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 reduziert und Risikogruppen geschützt werden.

Diese Empfehlung beruhe auf Untersuchungen, die belegen, dass ein relevanter Anteil von Übertragungen von Sars-CoV-2 unbemerkt erfolgt: also zu einem Zeitpunkt vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen, schreibt das RKI in seiner Empfehlung. Das Tragen einer MNB trage dazu bei, andere Personen vor feinen Tröpfchen und Partikeln, die etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen, zu schützen (Fremdschutz). Wichtig ist hierbei, dass Mund und Nase bedeckt sind.

Medizinische Gesichtsmasken (auch bekannt als Mund-Nasen-Schutz, MNS, OP-Maske oder Einweg-Maske) dienen vor allem dem Schutz anderer Menschen. Sie sind mit einer mittig liegenden Filtermembran versehen, die Partikel in Tröpfchengröße zurückhält. Diese Membran ist außerdem wasserabweisend und hält auf diese Weise Tröpfchen unabhängig von ihrer Größe zurück.

Begrenzt schützt ein MNS auch den Träger der Maske. Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologe und die Gesellschaft für Virologie in einer am 4. November veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme hin. Untersuchungen zeigten, dass der MNS Viren zurückhalten und den Träger/die Trägerin schützen kann.

Generell gelte: Je besser eine Maske sitzt, desto geringer ist die Gefahr, dass potenziell virushaltige Tröpfchen austreten. Denn bei losem Sitz gelangt die Atemluft an den Rändern der Maske vorbei. Masken-tragende Menschen sollte sich besser von Gesicht zu Gesicht (und nicht seitlich) begegnen – und zusätzlich Abstand halten. „MNS und Abstand unterstützen sich also gegenseitig“, schreiben die Experten.

Partikelfiltrierende Masken (FFP1, FFP2 und FFP3) sollen den Träger der Maske – zum Beispiel Krankenpflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte – vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen schützen. Das Design dieser Masken ist unterschiedlich.

Es gibt solche ohne Ausatemventil und andere mit Ausatemventil. Masken ohne Ventil filtern sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz, obwohl sie primär nur für den Eigenschutz ausgelegt sind. Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher keinen Fremdschutz.

Sind Masken mit Nano-Silber sinnvoll?

Händler beschreiben Masken, die Nano-Silber enthalten, als besonders geeignet für Allergiker, Asthmatiker oder Menschen, die ein geschwächtes Herz- oder Lungensystem haben. Dies soll den besonderen Nutzen für den Einsatz in Zeiten von Corona suggerieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist nicht überzeugt. In seiner aktuellen Information rät das Bundesinstitut von dem Gebrauch der Masken ab – die teils zu stolzen Preisen verkauft werden. „Über die Wirkung von Nano-Silber auf Viren ist bisher nur wenig bekannt“, schreibt das Institut.

Für Coronaviren gebe es nur vereinzelte Studien, die „die einen moderaten inaktivierenden Effekt zeigen, der aber auch von der Art der Nanopartikel und deren Applikation abhängt.“ Das BfR verweist auf eine Studie, die im Fachmagazin „Science“ erschienen ist.

Silber hat keimtötende Eigenschaften, die durch die Bildung von Ionen auf seiner Oberfläche zustande kommt, schreibt das BfR. Bei Nanosilber sei diese stärker ausgeprägt, da die Oberfläche der winzigen Teilchen im Verhältnis zum Volumen größer ist. Zudem kann Nanosilber Zellwände durchdringen. Bei Aufnahme in den Körper kann es deshalb in nahezu alle Organe gelangen, mit noch nicht abschließend geklärten Auswirkungen auf die Gesundheit.

Durch das Tragen einer Maske sei durch das Atmen oder den Speichel eine Freisetzung und Aufnahme von Silberionen möglich, schreibt das BfR. Da derzeit eine abschließende Bewertung der gesundheitlichen Risiken durch Silbermasken aufgrund der dünnen Studienlage nicht möglich sei und längerfristige Auswirkungen auf die „Mikroflora der Haut und eine mögliche Resistenzentwicklung bei Bakterien“ nur unzureichend erforscht sind, empfiehlt die Behörde, auf den Einsatz von Nanosilber zu verzichten. Zumindest solange, bis die Datenlage eine abschließende Bewertung der gesundheitlichen Risiken erlaubt.

Sind Visiere eine Masken-Alternative?

Visiere als Ersatz für einen Mund-Nasen-Schutz sehen meist futuristisch aus und erlauben eine freie Sicht auf die Mimik des Trägers, was etwa für gehörlose Menschen wichtig ist. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass sie einen gleichwertigen Schutz bieten.

Im Gegenteil: Vor der Ausbreitung möglicherweise infektiöser Atemluft schützen sie nicht gut. Sie bremsen zwar den Luftstrom, können aber nur die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. „Die Verwendung von Visieren kann nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht als Alternative angesehen werden“, urteilt das Robert-Koch-Institut. Aktuelle Studien wiesen darauf hin, dass die Wirkung von Visieren auf ausgestoßene Partikel deutlich schlechter ist.

Was ist mit Masken mit Ventil?

Gleichermaßen sind Masken mit Ausatemventilen wenig geeignet für den Schutz anderer Menschen, denn aus diesen Öffnungen entweichen Tröpfchenwolken wie bei den Visieren. Dementsprechend gibt auch das Bfarm zu bedenken: „Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher keinen Fremdschutz.“

Wie müssen Stoffmasken gewaschen werden?

Nach Angaben des Bfarm bieten Alltagsmasken aus Stoff zwar keine nachgewiesene Schutzwirkung gegen das Virus, dienen aber als Barriere für den Tröpfchenauswurf des Maskenträgers. Sie können damit Studien zufolge die Gefahr einer Übertragung verringern. Der Effekt verstärkt sich, wenn alle eine Maske tragen. Um auch andere Keime abzutöten, sollten Masken nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad Celsius, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen werden. Anschließend soll die Maske vollständig getrocknet werden, heißt es vom Bfarm.

Wie verstaut man sie zwischendurch am besten?

Wer seine Mund-Nasen-Bedeckung gerade nicht trägt, steckt diese am besten in einen wiederverschließbaren Plastikbeutel. Das zeigt April Baller, Präventionsexpertin der WHO, in einem offiziellen Video. Auch das Bfarm rät, die Maske – wenn nicht im Gesicht – möglichst luftdicht in einem Beutel aufzubewahren oder diese sofort zu waschen. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, vor allem um Schimmelbildung zu vermeiden.

Und wenn man die Maske unterwegs nur mal kurz absetzten will?

Experten raten, genau dies nicht zu tun. Und wenn doch, nutzt man dazu am besten nur die Bänder an den Seiten der Maske. Die Vorderseite solle nicht berührt werden, da diese prinzipiell kontaminiert sein und man sich hierüber infizieren könnte. Die weitaus bessere Variante sei dann, die Maske an den Ohrschlaufen hängen zu lassen oder sie an Handgelenk oder Arm zu tragen, sagt René Rossi. Er leitet die Abteilung „Biomimetic Membranes and Textiles“ an der Universität St. Gallen und ist Mitglied einer Covid-Taskforce beim Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz.

Stimmt es, dass Masken schädlich für den Träger sein können?

Masken-Experten um Trish Greenhalgh von der University Oxford haben diese Frage gründlich untersucht. Sie fanden keinerlei Belege für diverse Behauptungen, die im Umlauf sind. So führt das Tragen einer Maske auch nicht zu einem weniger bewussten Verhalten – eher im Gegenteil. Ihre systematische Überprüfung zur Ermittlung von Schäden durch das Tragen von Masken ergab auch keine Hinweise auf vermehrte Gesichtsberührungen. Auch die Behauptung, dass Masken und Gesichtsbedeckungen den Gasaustausch stören und zu einer Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff und ungesunden Kohlendioxid-Werten im Blut führen, hat den Experten zufolge keine empirische Grundlage.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologe und die Gesellschaft für Virologie betonen, dass beim Tragen von chirurgischen Masken unter zeitlich begrenzter Belastung keine höhergradige Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung oder des Abatmens von Kohlendioxid zu erwarten sei, „so dass das Tragen unbedenklich ist“. Eine Atemnot unter Belastung könne subjektiv vorhanden sein oder auch durch unterschiedliche Temperaturempfindungen hervorgerufen werden. „Inwiefern eine sehr lange Tragedauer chirurgischer Masken Auswirkungen auf das HerzKreislaufsystem hat, muss noch untersucht werden“, heißt es in der Stellungnahme. 

Unabhängig davon ist es möglich, sich aus medizinischen Gründen von einer Maskenpflicht befreien zu lassen. Beispiele dafür sind Asthma, Herzschwäche und chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD). Die Entscheidung darüber erfolgt individuell. 

Kritiker der Maskenpflicht zitieren als Beleg einer vermeintlichen Gefahr einer „CO2-Rückatmung“ teils eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2005, berichtet das WDR-Magazin „Quarks“. Die Autorin hatte untersucht, ob sich der Gehalt an Kohlendioxid im Körper unter Verwendung von OP-Masken (MNS) erhöht. Demnach sei der Gehalt an Kohlendioxid bei Masken-Trägern höher, sie hatten auch mehr Kohlendioxid im Blut. „Ein gemessener erhöhter CO2-Gehalt bedeutet nicht, dass er auch Auswirkungen haben muss“, erklärte hierzu Peter Walger von der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene in dem Beitrag. Zu diesem Schluss kam auch die Autorin der Dissertation selbst.