Vor Beginn der neuen Saison Viel Arbeit hinter den Kulissen

Analyse · Analyse In knapp zwei Wochen beginnt das Profi-Team wieder mit dem Training, erste Personalentscheidungen sind getroffen. Doch „Fortuna für alle“ fehlen Sponsoren, der Vorstandsvorsitzende braucht Entlastung und das Verhältnis zur Stadt ist nicht optimal.

Fußballfans auf dem Weg zum „Fortuna für alle“-Spiel gegen Kaiserslautern.

Fußballfans auf dem Weg zum „Fortuna für alle“-Spiel gegen Kaiserslautern.

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Es ist gar nicht so einfach, in diesen Tagen nicht an Fußball zu denken. Jeden Tag flimmern mindestens zwei und manchmal sogar vier Spiele der Europameisterschafts-Endrunde über die Bildschirme, wenn nicht sogar live in der Düsseldorfer Arena gekickt wird. Zudem ist da schon die Vorfreude auf den 3. Juli, wenn Fortunas Cheftrainer Daniel Thioune seine Schützlinge wieder zum ersten Training nach dem Urlaub in den Arena-Sportpark bittet.

Parallel dazu gibt es allerdings einige Dinge, die zwar in direktem Zusammenhang mit Fußball stehen, aber nicht unmittelbar mit dem aktiven Geschehen auf dem Rasen. Fortuna muss einige Themen beackern, die von großer Bedeutung für die Zukunft des Vereins sind und letztlich eben doch großen Einfluss auf die sportliche Entwicklung haben.

Zuvorderst ist dabei „Fortuna für alle“ zu nennen. Der Einstieg in das ambitionierte Projekt, das einiges mehr umfasst als nur den Gratis-Zugang zu einigen Heimspielen, ist dem Zweitligisten vom Ablauf her weit besser gelungen, als viele geglaubt haben: Die Partien in der Premieren-Saison gegen Kaiserslautern, St. Pauli und Braunschweig fanden enormes Publikumsinteresse, die No-Show-Rate (also die Zahl der Leute, die ein Gratisticket zugelost bekamen und dann nicht erschienen) war geringer als bei herkömmlichen Spielen.

Projekt hat momentan
noch zu wenige Sponsoren

Aber: Es gibt nach wie vor zu wenig Sponsoren für das Projekt. Die Targobank ist, wenn man ganz ehrlich ist, das einzige Unternehmen, das auf direktem Wege Geld in „Fortuna für alle“ steckt. Und das ist auf Dauer zu wenig, zumal da der Klubvorstand um den Vorsitzenden Alexander Jobst die Zahl der „Fortuna-für-alle“-Spiele in der kommenden Saison auf vier aufgestockt hat. Vor allem Jobst ist bei der Aufgabe gefragt, schon in den nächsten Monaten weitere große Geldgeber zu finden.

Stichwort Jobst: Ein weiteres wichtiges Thema für die neue Saison ist, den Vorstandsvorsitzenden bei seiner Arbeit zu entlasten. Viel zu oft noch muss sich der 50-Jährige in Details verzetteln und um Dinge kümmern, die ihn wertvolle Zeit für seinen Hauptjob kosten. Wenn sich Jobst auf sein Kerngeschäft – Vermarktung, Repräsentation, Sponsorenkontakte – konzentrieren könnte, käme das allen zugute.

Was ebenfalls dazugehört: Verhandlungen mit der Stadt. Noch immer ist das Verhältnis zwischen Stadtführung und dem wichtigsten sportlichen Aushängeschild nicht optimal. Es müssen auch nicht alle beste Freunde sein, aber das Schiff muss fahren. Dafür muss man noch einmal an den Mietvertrag mit der Arena ran, die Kosten müssen reduziert werden, die Sichtbarkeit der Fortuna in und um die Arena muss weiter verbessert werden.

Dabei ist auch an die erweiterte Infrastruktur zu denken. Wer sich zum Beispiel zu Fuß oder per Fahrrad auf den Weg zur Arena macht, wird feststellen, dass außer dem Fortuna-Büdchen nichts Rot-Weißes zu finden ist. Keine Stände, weitere Büdchen, nicht einmal fahrende Händler – da ginge einiges mehr, was in anderen Städten selbstverständlich ist.

Auch intern muss Fortuna vieles anpacken. Das Dauerthema Multifunktionsgebäude am Trainingsgelände, die Digitalisierung aller Abläufe in der Arena, die Organisation der Geschäftsstelle. Ist da wirklich alles effektiv? Sind die mehreren Millionen Euro Verwaltungsaufwand jährlich in dieser Form und Höhe wirklich notwendig? Zuletzt war die Tendenz bei diesen Kosten sogar steigend.

Generell gilt es, die Finanzen des Vereins weiter zu konsolidieren. Fortuna täte dabei gut daran, noch mehr Transparenz als bisher zu zeigen, denn im Gespräch mit Fans taucht immer sehr schnell die Frage auf: Wo ist eigentlich das ganze Geld geblieben? Die Transfereinnahmen für „Elo“ Fernandes Neto (RB Salzburg) oder Christoph Klarer (Darmstadt 98), die Prämien für den Einzug ins Pokal-Halbfinale? Für all das gibt es Gründe, angefangen bei den stark gestiegenen Spieltagskosten, aber nicht immer wurden die Fans mit ausreichenden Antworten auf ihre Fragen bedient.

Fortuna braucht noch mehr Klarheit, wohin die Reise in schwierigen Zeiten geht. Keine leichte Aufgabe, aber eine, die die Geschlossenheit im Verein nur erhöhen kann.