Umfrage: Forscher sehen Innenstädte in Gefahr - So reagieren Kommunen in der Region

Umfrage : Forscher sehen Innenstädte in Gefahr - So reagieren Kommunen in der Region

Eine Studie zeigt, dass viele Kunden Mängel in den Innenstädten sehen. Wie reagieren Städte in der Region auf das „Alarmsignal“ der Forscher?

Die Einkaufsstraßen in den deutschen Städten lösen bei den Verbrauchern selten Begeisterung aus. Bei einer Befragung von mehr als 59 000 Konsumenten in 116 Städten durch das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) gaben die Verbraucher den Zentren im Schnitt die Schulnote „Drei plus“.

IFH-Geschäftsführer Boris Hedde sieht darin ein Alarmsignal. Denn seit der ersten derartigen Umfrage des IFH im Jahr 2014 habe sich kaum etwas verbessert. „Die Innenstädte kommen nicht voran. Um attraktiv zu sein, muss ein Ergebnis im Zweierbereich her“, mahnt Hedde.

Der Handelsexperte drängt die Kommunen, mehr für die Aufwertung ihrer Innenstädte zu tun. „Standorte, die kein klares Profil haben, werden den knallharten Wettbewerb im Handel nicht überleben,“ so Hedde.

Zu den zentralen Problemen der Innenstädte zählt der Boom des Onlinehandels. Mehr als zehn Prozent des Umsatzes im deutschen Einzelhandel werden bereits im Internet erzielt. Branchenkenner erwarten, dass es in wenigen Jahren 25 Prozent sein könnten. Jeder fünfte Verbraucher gab bei der IFH-Befragung an, er komme seltener ins Stadtzentrum, weil er mehr online einkaufe. Bei den unter 25-Jährigen waren es sogar 29 Prozent.

Wuppertal hat genug Daten
und braucht die Umfrage nicht

Andere strukturelle Probleme kommen hinzu. Während der Einzelhandel in den vergangenen Jahren insgesamt zulegen konnte, lief der Textilbereich schlecht. Damit schrumpft ausgerechnet jene Kategorie, die für die Innenstädte besonders wichtig ist. Laut Hedde geben die Leute ihr Geld statt für Mode lieber für Essen und Trinken, Streaming-Abos oder Konzertbesuche aus.

Wichtig ist den Verbrauchern der IFH-Umfage zufolge vor allem das Ambiente der Innenstädte und die Vielfalt des Einzelhandelsangebotes. Auch Städte ohne historische Bausubstanz können bei den Konsumenten Erfolg haben, „wenn sie Events und gastronomische Erlebnisse bieten und das Einkaufen für die Kunden so bequem wie möglich machen“, so Hedde.

Offen ist, wie die Städte in NRW bei der Studie abgeschnitten haben. Das Institut nennt nur die Sieger. Krefeld will sich erst am 18. Februar äußern, wenn die Stadt ihre eigene Passanten-Befragung präsentiert. Solingen wird Mitte des Jahres ein Einzelhandelskonzept vorstellen und sich vorher nicht zu den IFH-Daten äußern.

Wuppertal hat darauf verzichtet, an der für die Kommunen kostenpflichtigen Studie teilzunehmen. Auf Nachfrage sagte Wirtschaftsförderer Rolf Volmerig, die Stadt verfüge bereits über genügend Datenmaterial. „Wir haben die Analysephase längst verlassen und setzen jetzt die Projekte um, zum Beispiel am Döppersberg“, so Volmerig. Die Qualitätsoffensive Innenstadt sei im vollen Gange. Neben der Stadt sei dabei die Gastronomie ebenso mit im Boot wie der Handel und die Immobilieneigentümer.

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