Finanzieller Zuschlag soll Problemschulen für Lehrer attraktiver machen

Lehrermangel : Finanzieller Zuschlag soll Problemschulen für Lehrer attraktiver machen

Wo Lehrerstellen ein Jahr unbesetzt sind, will das Land mit einer Aufstockung von 350 Euro pro Monat Bewerber anlocken.

Schulen, die ein Jahr lang vergeblich versucht haben, eine Lehrerstelle zu besetzen, können Bewerbern für zweieinhalb Jahre einen monatlichen Bruttozuschlag von 350 Euro anbieten. Das Angebot ist Teil des dritten Maßnahmenpakets zur Gewinnung von Lehrkräften, das NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer am Donnerstag präsentierte. Das Land stellt dafür von 2020 bis 2022 gestaffelt insgesamt 17 Millionen Euro zur Verfügung. Allein im kommenden Jahr könnten damit bis zu 700 bisher dauerhaft unbesetzte Stellen attraktiver gemacht werden.

Der Landesverband der Bildungsgewerkschaft VBE sieht das kritisch: „Das ist sehr heikel für den Frieden in den Kollegien. Die Lehrkräfte, die teils seit Jahrzehnten in schwierigeren Lagen arbeiten, erhalten keine Wertschätzung für ihre Leistung. Gleichzeitig zählt aber jede originäre Lehrkraft“, sagt der Landesvorsitzende Stefan Behlau. Ministerin Gebauer hält dem entgegen: „Das Angebot führt auch zu einer Entlastung derjenigen, die bisher die Mehrarbeit vor Ort leisten mussten.“ Auch die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern begrüßt den Vorstoß: „Die Zulage kann helfen, Lehrkräfte an schwierig zu versorgende Schulen zu bekommen. Die Frage ist, ob sie ausreicht.“

Regelung könnte vor allem Schulen im Ruhrgebiet helfen

Das Schulministerium greift damit auf eine schon bestehende Regelung im Landesbesoldungsgesetz zurück, die aber aber im Schulbereich bisher keine Anwendung fand. Laut Gebauer hat noch kein anderes Bundesland eine ähnliche Maßnahme getroffen. Sie soll in NRW grundsätzlich für alle Schulformen gelten, an Gymnasien und Gesamtschulen aber in der Regel beschränkt auf die Fächer Mathematik, Informatik, Physik und Technik. Gebauer geht davon aus, dass die Zuschlagsregelung vor allem von Schulen im Ruhrgebiet in Anspruch genommen wird.

Weiterer Bestandteil des Maßnahmenpakets ist die geplante Verlängerung eines besonderen Angebots für pensionierte Lehrer. Sie haben dann bis Ende 2024 die Möglichkeit, durch eine weitere Schultätigkeit unbegrenzt zu ihren Pensionsbezügen hinzuzuverdienen, ohne dass ihnen dort Abzüge drohen. Aktuell machen laut Gebauer rund 800 Pensionäre davon Gebrauch.

Schon im Gesetzgebungsverfahren befindet sich das Vorhaben, den bisher 391 Lehrkräften der Sekundarstufe II, die sich zu einem zweijährigen Einsatz in der Grundschule bereitgefunden haben, einen dauerhaften Verbleib dort zu ermöglichen. Sie müssen dabei aber weiter Gehaltseinbußen hinnehmen.

Insgesamt haben die beiden ersten Maßnahmenpakete gegen den Lehrermangel nach Angaben der Ministerin seit 2017 zu mehr als 1700 Einstellungen geführt, die sonst nicht möglich gewesen wären, darunter gut 700 Seiteneinsteiger bei den Grundschulen. „Das ist bereits ein Erfolg.“ VBE und GEW halten die Maßnahmen aber noch nicht für ausreichend. „Bildungspolitik sollte nicht der schwarzen Null dienen“, so Behlau.