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NRW: Fazit zur digitalen Berufsmesse fällt durchwachsen aus

NRW : Fazit zur digitalen Berufsmesse fällt durchwachsen aus

160 Firmen und Institutionen im Rheinland suchen noch Auszubildende. Nur wenige Schulklassen haben an den Coachings vor der digitalen Bob plus teilgenommen. Viele Eltern hatten sich vorab online über die Ausbildungssituation in der Region beraten lassen.

Die Berufsorientierungsmesse Bob musste wegen der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr digital stattfinden. Die Bilanz von Hans-Dieter Clauser (Bob-plus-Vorsitzender) und den ehrenamtlich tätigen Organisatoren fällt gemischt aus. Es habe Höhen und Tiefen gegeben. 160 Aussteller aus dem ganzen Rheinland seien beachtlich, aber 1950 digitale Besucher hätten nur der Gästezahl von November 2020 entsprochen. Im vergangenen Jahr sei die Messe kurzfristig verschoben worden, sagte Clauser.

„Mit Blick auf die nach einem Jahr Pandemie erhofften Verbesserungen in der Nutzung digitaler Möglichkeiten in den Schulen war die Besucherzahl enttäuschend“, sagt der Vereinsvorsitzende. Auch wenn im Tagesverlauf 25 400 Seiten aufgerufen worden seien und die Serverlast sechs Mal höher gelegen habe als im November. Pascal Kurschildgen und Stefan Tegethoff hatten die Messeplattform aus 2020 evaluiert und zur diesjährigen Messe weiterentwickelt, aktualisiert und im Interesse der Nutzer optimiert. Der Verein Bob plus versteht sich als eine Plattform für Unternehmen, Verbände und Institutionen in Langenfeld, Monheim, Hilden und Leichlingen, um Schüler, Lehrer und Eltern von dem breit gefächerten Berufsangebot zu überzeugen. „Ein erfolgreicher Messebesuch will – auch digital – gut vorbereitet sein“, so Clauser. Entsprechende Möglichkeiten seien geschaffen worden. Man habe 65 Klassen nach dem Ende der Osterferien zum vorbereitenden Coaching eingeladen. Nur zehn Klassen aus drei verschiedenen Schulen hätten davon Gebrauch gemacht, fünf davon von der Peter-Ustinov-Schule in Monheim. „Unsere Kommunikation mit einigen Schulen entsprach leider in vielen Fällen den allseits bekannten Klagen über die desaströse technische Grundausstattung“, so Stefan Tegethoff. Leider seien daher viele Besucher unvorbereitet erschienen. Sie hätten die weiter entwickelten technischen Möglichkeiten nicht angemessen nutzen können. Clou war der Okomo-Button, ein Video-, Telefon- und Chat-Tool, mit dem jede Form der wechselseitigen Kommunikation möglich gewesen sei, bis zum direkten Versand von Bewerbungsunterlagen.

Eltern, Lehrer und
Aussteller trafen sich online

Nicht nur die traditionellen Bob-Touren mit der Präsentation von Unternehmen sei digitalisiert gewesen; auch Eltern-, Lehrer- und Aussteller Treffen vorab hätten in dieser Form stattgefunden. In vier online-Meetings seien rund 500 Eltern beraten worden. Einige Firmen hätten ihre Auftritte optimiert, teilweise mit Videos, die Mitarbeiter erstellt haben. Bei der „Osteria“ zum Beispiel zeigen Kurzfilme, wie die Arbeit der Azubis in den einzelnen Lehrjahren aussieht. Die meisten Zugriffe hätten die Aussteller Bayer, die Bundeswehr und die Kreispolizeibehörde Mettmann gehabt. Der Blick auf den Lehrstellenmarkt zeige - so Clauser - noch ausreichende Angebote. Auffallend sei das Interesse an Pflegeberufen, die als sicherer Arbeitsplatz wahrgenommen würden. Industriekaufleute und IT-Interessenten würden nach wie vor sehr gesucht. Bei den Praktika sei mit Blick auf die Corona-Situation in den Firmen noch immer große Zurückhaltung zu erkennen. Auch die Bob-Macher hoffen auf eine Präsenz-Veranstaltung im kommenden Jahr. Allerdings könne „die bisher geschaffene Struktur auch bei einer Hybrid-Messe genutzt werden“, blickt Clauser optimistisch in die Zukunft.