Erzbistum Köln verspricht mehr Freiheit für die Gemeinden vor Ort

Pastoraler Zukunftsweg : Reformvorschläge – Erzbistum Köln will mehr Freiheit für die Gemeinden vor Ort

Es liegen Reformvorschläge für die Gemeinden des Erzistums Köln für den Zeitraum bis 2030 vor. Den Ehrenamtlichen soll mehr Verantwortung eingeräumt werden. Aber vieles ist noch vage.

 Das Erzbistum Köln will seinen Gemeinden mehr Autonomie einräumen und den Ehrenamtlichen mehr Verantwortung ermöglichen. Außerdem sollen die Verwaltungsstrukturen entschlackt und der Gemeindebegriff erweitert werden. Das sind die Kerninhalte einer Zielskizze 2030 des Pastoralen Zukunftsweges, den Kardinal Rainer Maria Woelki 2016 eingeleitet hatte.

Mit dem Reformprozess will das Erzbistum auf die drastische Reduzierung der Seelsorgerstellen reagieren. Bis 2030 wird die Zahl der Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Diakone von derzeit gut tausend auf 500 bis 600 sinken. „Wir möchten die Veränderungen gestalten und nicht nur passiv erleiden“, sagt der Kölner Generalvikar Markus Hofmann.

„Die Zukunftsskizze möchte abbilden, was vielleicht 2030 mal Wirklichkeit wird“, beschreibt Vera Krause, Leiterin der zuständigen Diözesanstelle, das Ergebnis einjähriger Beratungen auf fünf Arbeitsfeldern. Einschließlich einer Online-Umfrage seien bisher rund 10 000 Menschen an dem Prozess beteiligt worden. Beschlossen ist laut Hofmann aber noch nichts. Die Vorschläge sollen jetzt in drei Regionalforen vorgestellt und diskutiert werden.

Gemeinde kann auch die Kita oder das Krankenhaus sein

Der Gemeindebegriff im Erzbistum soll sich nicht mehr allein an örtlichen Kirchen orientieren. „Gemeinde kann auch die Kita, das Krankenhaus oder die Schule sein“, sagt Hofmann. Zugleich wird vorgeschlagen, den Gemeinden gegenüber der übergeordneten Pfarrei und dem Bistum mehr Eigenständigkeit zuzubilligen. Das gelte sowohl finanziell als auch für die Möglichkeit der Gemeindeleitung durch Ehrenamtliche. „Es geht um echte Verantwortung und nicht nur um scheinbare.“ 

Diakonisch will sich die katholische Kirche in Zukunft vor allem da engagieren, wo es Lücken im Angebot gibt und ein lokaler Bedarf besteht. Die Refinanzierbarkeit soll dabei nicht mehr allein ausschlaggebend sein. „Wir wollen auch dorthin gehen, wo es wehtut und man weniger Anerkennung bekommt“, so Hofmann. Andererseits müsse wegfallen, „was wirtschaftlich nicht länger verantwortbar ist und was andere besser können als wir“. Die Verlässlichkeit der sonntäglichen Eucharistie will das Kölner Erzbistum zumindest für einen Ort pro Gemeinde garantieren.

Pfarreien sollen von komplexem Verwaltungsgeschehen befreit werden. Das kann für Kitas wie für Senioreneinrichtungen gelten. Auch für die Immobilienverwaltung könne man sich Partner suchen, hieß es. 

„Das Papier geht in eine richtige Richtung, aber es kommt auf die Details an“, reagierte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) in seiner Funktion als Vorsitzender des Diöze­sanrats auf die Präsentation. Vieles sei noch nicht definiert. Eine Zentralisierung von Verwaltung sei sicher sinnvoll. „Aber wer über Personal und Geld entscheidet, hat auch ziemlich viel Macht.“ Auch behandele die Skizze das Thema Ökumene nur am Rand. „Für mich ist die Ökumene aber an vielen Stellen die Lösung.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung