Ende Gelände dringt in Garzweiler ein: Polizei meldet verletzte Beamte

Protest : Weitere „Ende Gelände“-Aktivisten dringen in Tagebau Garzweiler ein - Polizei meldet verletzte Beamte

Am Samstag sind „Ende Gelände“-Aktivisten in den Tagebau Garzweiler eingedrungen und sollen die Bagger stilllegt haben. Laut Polizei sind dabei Beamte verletzt worden.

Nachdem Aktivisten des Bündnisses „Ende Gelände“ den Tagebau Garzweiler gestürmt haben, spricht die Polizei erstmals von verletzten Beamten. Bei Twitter schrieb die Aachener Polizei, die Aktivisten würden sich weiter in Richtung Tagebau bewegen. „Hier wurden unsere KollegInnen massiv angegangen & teilweise verletzt.“

Bislang gebe es sechs verletzte Beamte, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Es könnten aber noch mehr werden. Die Verletzungen hätten sie erlitten, als Aktivisten die Polizeisperren durchbrachen, um auf das Gelände des Tagebaus Garzweiler zu gelangen. Ob auch Klimaschützer verletzt worden seien, sei der Polizei nicht bekannt, sagte die Sprecherin weiter.

Viele der Aktivisten vom Aktionsbündnis „Ende Gelände“ sollen zuerst an einem Protestmarsch der „Fridays For Future“-Bewegung teilgenommen haben, der am Abbaugelände von Hochneukirch nach Keyenberg führte. Und seien dann durch die Polizeikette in den Tagebau gestürmt. Schon zuvor waren an einer anderen Stelle Aktivisten eingedrungen. Die Aktivisten im Tagbaue haben nach Angaben der Organisatoren die Bagger zum Stillstand gebracht.

"Örtlich verteilt" um den Tagebau Garzweiler sollen einige tausend weitere Klimaschützer protestiert haben. Mehr als tausend durchbrachen am Nachmittag die Polizeisperren und strömten auf das Gelände, wie Sprecherin Kathrin Henneberger erklärte. Sie seien von zwei Seiten gekommen - aus Hochneukirch und Jackerath. "Die Bagger stehen still", verkündete Henneberger das Ziel dieser Aktion.

Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Pfefferspray gegen die Aktivisten ein. „Aus dem Aufzug, der vom Gut Aspernschlag in Richtung Kraftwerk Niederaußem unterwegs ist, hat sich eine Personengruppe gelöst und eine Polizeikette durchbrochen. Es kam zum Einsatz von Pfefferspray“, twitterte die Polizei Aachen.

„Ende Gelände“ schrieb dazu ebenfalls bei Twitter: „Pfefferspray kann extrem gefährlich und sogar tödlich sein - warum wird es gegen Menschen eingesetzt, die für das Überleben der Menschheit kämpfen?“ In einem weiteren Tweet schrieb das Bündnis, man setze nun das um, „was wir in unseren Aktionstrainings geübt haben: besonnen und entschlossen die Polizei durchfließen, wenn sie sich uns in den Weg stellt“.

Zehntausend Menschen nehmen an der Protesten teil

Rund zehntausend Menschen sind bis zum Samstagnachmittag in das rheinische Braunkohlerevier gekommen um an den Protesten teilzunehmen. An einer Kundgebung im Ort Keyenberg, der dem Tagebau weichen soll, nahmen nach Angaben der Organisatoren rund 8000 Menschen teil.

Die Demonstranten in Keyenberg bildeten ein gelbes Band, "um sich so schützend vor den Ort zu legen", wie eine Greenpeace-Sprecherin sagte. Die Demonstranten waren bis zum frühen Nachmittag aus verschiedenen Richtungen nach Keyenberg gekommen, darunter mehrere hundert mit dem Fahrrad.

Zu dem Aktionstag unter dem Motto "Kohle stoppen - Klima und Dörfer retten" hatte ein Bündnis aus umwelt- und zivilgesellschaftlichen Gruppen aufgerufen - dazu gehören etwa Greenpeace, der BUND, Campact oder die NaturFreunde Deutschlands.

„Fridays for Future“ protestiert ebenfalls am Tagebau Garzweiler

Auch Teilnehmer einer neuen „Fridays-For-Future“-Kundgebung am Rheinischen Tagebau Garzweiler sind am Samstag in Hochneukirch angekommen. Die jungen Leute laufen bei einem Protestmarsch am Tagebau zum Dorf Keyenberg laufen und demonstrieren dabei für mehr Klimaschutz. „Auf geht's, auf geht's - Ende Gelände“ skandierten sie bei ihrer Ankunft am Samstagmorgen. Die jungen Leute kamen aus Aachen, wo sie am ersten internationalen Streiktag der Protestbewegung teilgenommen hatten. Zu der Demonstration sind laut Polizei 2500 Teilnehmer angemeldet.

Die Polizei ist am Samstag mit einem Großaufgebot im Rheinischen Revier im Einsatz. Auch Räumpanzer und ein Wasserwerfer wurden vorsorglich am Rande des Tagebaus Garzweiler in Stellung gebracht. Am Samstagmorgen hatten die Einsatzkräfte für etwa zwei Stunden den Bahnverkehr eingeschränkt, um die Anreise von Braunkohle-Gegnern zum Rheinischen Revier zu verhindern. Laut einer Polizeisprecherin hielten in Viersen am Samstagmorgen zwischen 7.40 Uhr und 9.35 Uhr keine Züge, die Richtung Mönchengladbach fuhren.

Die Klima-Aktivisten von „Ende Gelände“ wichen nach Angaben der Sprecherin unter anderem auf Busse aus, um zu einer Demonstration gegen Braunkohle-Verstromung in Hochneukirch zu gelangen.

Die Polizei wollte die Aktivisten aber erst einsteigen lassen, wenn sie ihre „Schutzbewaffnung“ ablegten. Darunter versteht die Polizei zum Beispiel Schutzbrillen oder Helme, die vermuten ließen, dass die Betroffenen nicht an einer friedlichen Versammlung teilnehmen wollten, so eine Sprecherin der Polizei Aachen.

Die Polizei twitterte gegen 9.45 Uhr, dass nun auch ein weiterer Zug Teilnehmer zur Demo bringe. Wie es zu dieser Wende kam, konnte die Pressestelle zunächst nicht sagen.

Aktivisten blockieren weiterhin die Kohlebahn Garzweiler

Hunderte Aktivisten von Ende Gelände hatten bereits am Freitagabend die Bahnstrecke vor dem Kohlekraftwerk Neurath blockiert und so den Kohletransport vom Tagebau Garzweiler zum Kraftwerk des Energiekonzerns RWE unterbrochen.

Die Blockade dauerte am Samstag an. Am Samstag besetzten Klimaschützer zudem die Hambach Bahn beim Tagebau Hambach. "Damit sind alle zentralen Knotenpunkte des Rheinischen Kohlereviers blockiert", erklärte Ende Gelände.

(dpa/AFP)
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