1. NRW

Kunst: Ein Leben mit Käthe Kollwitz

Kunst : Ein Leben mit Käthe Kollwitz

Das Kölner Museum gewährt in einer neuen Sonderausstellung Einblicke in private Sammlungen.

„’Die Klage’ ist die erste Kollwitz-Plastik, die ich erworben habe – wobei das eher an der Gelegenheit lag, und nicht, weil ich sie mir als erste Plastik ausgesucht hätte. Trotzdem gehört sie zu meinem Leben, wir haben uns sozusagen aneinander gewöhnt“, sagt eine Sammlerin aus Köln und beschreibt so die Beziehung, die sie zu dem Werk von Käthe Kollwitz aufgebaut hat. Bei der Lithografie „Die Mütter“ kommen Erinnerungen an die eigene Familie auf: „Auch meine Kinder hatten, als sie klein waren, runde Köpfe, wie die bei Kollwitz dargestellten.“

Eine neue Sonderausstellung im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum präsentiert aus der großen Anzahl privater Kollwitz-Sammlungen drei Beispiele aus Köln, NRW und der Schweiz. Der Betrachter erfährt, wie die Kunstliebhaber mit dem Werk der Künstlerin leben, das mit dem Vorurteil zurechtkommen muss, etwas schwermütig zu sein. Entsprechend wurde der Titel „Kollwitz im Esszimmer – Leben mit ‚schwerer Kost‘“ gewählt.

Kollwitz-Werke werden
zum Teil des eigenen Lebens

Ein Blick in die Wohnräume mit den Sammlungen macht schnell klar, dass es sich dort bei weitem keine schwermütige Stimmung verbreitet hat. Die Kollwitz-Werke sind Teil des Lebens ihrer Besitzer geworden und strahlen durchaus ein interessantes und angenehmes Wohnambiente aus – egal, ob sie ihren Platz im Wohn- oder im Arbeitszimmer oder auch im Treppenhaus gefunden haben. Sie hängen über dem Sofa genauso wie an den Wänden rund um den Schreibtisch.

Spannend werden die Kollwitz-Werke auch, wenn sie in Beziehung mit anderer Kunst treten. Das gilt zum Beispiel bei Kollwitz „Mutter mit Kind“ aus dem Jahr 1917 und der „Maria mit Kind“ aus der zweiten Hälfte der 15. Jahrhunderts, die in einer Sammlung in NRW in einer interessanten Sichtachse zu betrachten sind. Beide Skulpturen haben auch ihren Weg in die Kölner Sonderausstellung gefunden, die noch bis zum 29. September gezeigt wird. In der NRW-Sammlung findet sich auch ein Werk, das erst vor zwei Wochen ersteigert worden ist und das noch gar nicht den Weg in die Wohnräume der Arztfamilie gefunden hat.

In der Schweizer Sammlung können die Betrachter die Entwicklung zweier Kunstwerke in verschiedenen Stadien erfahren. Das gilt für den Holzschnitt „Hunger“ genauso wie für den „Besuch im Kinderkrankenhaus“, wo die Figuren in verschiedenen Konstellation zu sehen sind. Das gleiche Werk findet sich auch wieder in der Sammlung NRW, nur in einem anderen Stadium. Alle drei privaten Sammlungen treten wiederum in Dialog mit der ständigen Kollwitz-Sammlung im Museum. Im Begleitheft zur Ausstellung sowie an den Wänden finden sich Kurzinterviews mit den Sammlern über deren Motivation und Ausrichtung. Außerdem kommen auch ein Auktionator und eine Kunsthändlerin zu Wort.

Weltweite Faszination für Käthe Kollwitz bis heute ungebrochen

Die große Anzahl privater Kollwitz-Sammlungen weltweit ist ein Beleg für die anhaltende Faszination, die vom Werk der Künstlerin bis heute ausgeht. Ziel der Ausstellung ist es auch, zu fragen, woher diese Begeisterung kommt und warum sie auch gut ein Jahrhundert später noch ungebrochen ist. In der Schau berichten die drei ausgewählten Sammler von ihrer Leidenschaft für Käthe Kollwitz und geben Einblicke in ihr Leben mit dem Werk der Künstlerin.

Zu sehen sind pro Sammlung zehn bis 15 Leihgaben. Damit werden die wichtigsten Werke der Sammlung vorgestellt und es wird erklärt, warum diese ihren Besitzern so am Herzen liegen.

Für die Kölner Sammlerin, eine Unternehmerin und Mutter von vier Kindern, war der spontane Besuch einer Galerie-Ausstellung der Auslöser: „Da hat es mich gepackt und bis jetzt nicht mehr losgelassen.“ Zu ihren Lieblingswerken zählen die Mutter-Kind-Gruppen ebenso wie Motive von Kollwitz zur Situation der Arbeiter. „Ihre Werke berühren mich, gehen unter die Haut. Ihre Themen sind auch meine Lebensthemen“, sagt die Sammlerin, die ihren Namen wie auch bei den anderen Kunstfreunden nicht genannt haben möchte.

Eines der ersten Blätter, das ein Ärzte-Ehepaar aus NRW erwarb, hatte mit dem Berufsalltag zu tun – dem Behandlungszimmer. Inzwischen gehört Kollwitz auch zum Familienleben: „Alles im Werk der Künstlerin wirkt so authentisch – die Verzweiflung, aber auch das Nichtaufgebenwollen und die Momente der Lebensfreude.

Ein Schweizer Juristenpaar hingegen ist berührt vom beharrlichen Ringen von Kollwitz um die künstlerische Umsetzung des menschlichen Befindens: „Uns fasziniert die Gegenüberstellung von Blättern, welche die Entstehungsgeschichte aufzeigen und es uns ermöglichen, der Künstlerin quasi über die Schulter zu schauen, wie sie ein Motiv entwickelt“, erklären die Sammler.