Zwei Marathons in zwei Wochen? Düsseldorfs OB Thomas Geisel will es wissen

Düsseldorf : Zwei Marathons in zwei Wochen? Düsseldorfs Oberbürgermeister will es wissen

Gerade erst lief OB Thomas Geisel den Marathon in Boston, jetzt steht seine Heimatstrecke an – doch eine Erkältung könnte ihn bremsen.

OB Thomas Geisel will am Sonntag wieder einmal den Düsseldorf-Marathon laufen. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, weil Geisel in seiner Stadt jedes Jahr an den Start geht, wäre diesmal etwas Besonderes. Denn der laufwütige OB hatte eigentlich auf die volle 42,195-Kilometer-Strecke verzichtet und nur für den Halb-Marathon gemeldet. Wofür Geisel auch eine sportlich astreine Rechtfertigung vorweisen kann: Vor nicht mal zwei Wochen, am 15. April,  kam er beim Boston-Marathon, diesem großen Traditionslauf am Patriot’s Day der Amerikaner, gemeinsam mit Künstler Mischa Kuball nach 4:07 Stunden ins Ziel. Was er natürlich sogleich auf seiner Facebook-Seite kundtat.

Zwei Marathons binnen zwei Wochen? Da winken nicht nur Orthopäden und Physiotherapeuten entsetzt ab, auch die deutsche Lauf-Ikone Herbert Steffny verweist auf die Faustformel: Ein Marathon pro Halbjahr. Mehr nicht. Allein die Regeneration von Muskeln und Gelenken dauere vier bis sechs Wochen, oft länger, schreibt der Marathon-Experte. Wieso will Geisel sich diese Tortur antun? Fürchtet er etwa, sein dynamisch-sportliches Selbstbild könnte bei den Düsseldorfern nicht mehr richtig rüberkommen? Dass sie von Boston nichts wissen und nur denken könnten: So so, der OB schafft nicht mehr den echten Marathon, es reicht nur noch für die Hälfte?

„Iwo“, winkt Geisel ab, „ich will und muss nach gut 60 Marathons niemandem mehr etwas beweisen.“ Er habe die Strapazen bislang körperlich immer erstaunlich schnell und gut weggesteckt, einmal sei er sogar binnen einer Woche zwei Marathons gelaufen, Rom und Düsseldorf. „Zum Glück machen mir da Gelenke und Sehnen keinen Kummer“. Er liebe diese Herausforderung, den langen Lauf einfach, das habe auch eine reinigende Wirkung.

Nur der Tokio-Marathon fehlt noch

Fast alle großen Marathons dieser Welt hat der OB unter die Joggingschuhe genommen, von London bis Chicago, von Berlin und Paris bis New York, nur Tokio fehlt noch. Als er 2015 das besonders harte Original von Marathon nach Athen meistert, wird er in Griechenland zum „Weltbotschafter des Marathons“ ernannt. 4:14 Stunden benötigte der 55-Jährige dort, jetzt in Boston 4:07.

Ob er das auch am Sonntag schafft? Geisel weiß es noch nicht. Bis Freitag ist er auf Dienstreise in der Ukraine, wo er sich bei einer achtstündigen Autofahrt eine Erkältung gefangen hat, an Training war da nicht zu denken. „Ich werde das erst Sonntag entscheiden, wenn’s mir nicht wirklich gut geht, dann laufe ich mit meiner Frau eben nur den Halb-Marathon.“ Denn auf jeden Fall will er an der „After-Lauf-Pasta-Party“ der Initiative „Verändere deine Stadt“ mit Wohnungslosen auf dem Marktplatz teilnehmen.

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