Schulen Rückkehr zu G9: Erste Gymnasien wollen Ganztag abschaffen

Düsseldorf · Zwei städtische Gymnasien im Düsseldorfer Süden wollen zum Halbtag zurückkehren. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche ist über die Anträge alles andere als erfreut.

 Blick in den Unterricht an einer weiterführenden Schule. An Gymnasien stellt sich jetzt die Frage: zurück zum Halbtag?

Blick in den Unterricht an einer weiterführenden Schule. An Gymnasien stellt sich jetzt die Frage: zurück zum Halbtag?

Foto: Julian Stratenschulte

Zwei der insgesamt neun Ganztags-Gymnasien in Düsseldorf wollen weg vom verpflichtenden Drei-Tage-Nachmittagsprogramm. Weniger volle Stundenpläne wegen der Rückkehr zu G9 (Abitur nach 13 Schuljahren) und der Elternwunsch nach einem flexibleren Betreuungsmodell sind die Gründe, heißt es. Das Schloß-Gymnasium und das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium, beide in Benrath, haben jetzt Anträge auf Rückkehr zum Halbtag gestellt. Diese werden nun von Schulausschuss und Bezirksregierung geprüft.

Die Argumente, die vor neun Jahren zum Ganztag führten, sind für Schulleiter Raimund Millard heute komplett überholt. Mit G8 war der Stundenplan voll, Unterricht fand am Schloß-Gymnasium an zwei Nachmittagen in der Woche statt. Mit einem weiteren Unterrichtstag mit einem mindestens über sieben Zeitstunden verpflichtenden Ganztagsangebot erfüllte die Schule die Voraussetzung, ein Ganztags-Gymnasium zu werden – mit dem Vorteil des 30-prozentigen Lehrerstellenzuschlags, der teilweise ausgezahlt und in Betreuungs- und Lernangebote außerschulischer Partner floss.

Der Schulträger (die Stadt Düsseldorf) investierte an beiden Standorten in den Ausbau: 2013 wurde die Mensa am Annette-Gymnasium  fertiggestellt, 2014 folgte nach langer Wartezeit auch die Mensa am Schloß-Gymnasium.

Mit der Rückkehr zu G9 werden die Stundenpläne künftig weniger verdichtet sein. „Es muss für die Stufen 5, 6, 7 und 8 kein Nachmittagsunterricht stattfinden“, sagt Schulleiter Millard. Die Betreuungszeiten an den vorgeschriebenen drei Nachmittagen des Ganztags-Gymnasiums müssten dementsprechend ohne Unterricht gefüllt werden.

Laut Millard sei es vor diesem Hintergrund vor allem der Elternwunsch gewesen, auf ein flexibleres Betreuungsmodell umzustellen. „Die Eltern wollen mehr Flexibilität. Das Spektrum reicht von Eltern, die gar keine Betreuung für ihr Kind brauchen oder wünschen bis zu den Eltern, die am liebsten eine Fünf-Tage-Betreuung hätten“, sagt er.

Für alle bereits angemeldeten Kinder gilt der Ganztag

Das bestätigt auch Dietmar Scheffler, Vorsitzender der Elternvertretung am Schloß-Gymnasium. Der gebundene Ganztag schränke die Kinder zu stark ein, Zeit für private Hobbys bleibe kaum – Argumente, die auch schon bei der Forderung nach G9 vorherrschten. Der angestrebte Halbtag solle aber auch für berufstätige Eltern, die ihre Kinder an mehreren Tagen der Woche betreuen lassen wollen, Möglichkeiten bieten – sie sollen ihr Kind kostenpflichtig betreuen lassen können. „Das Modell wird deshalb auch gerechter: Eltern, die Betreuung benötigen, zahlen dafür. Die anderen eben nicht“, sagt Scheffler.

Ob wirklich die Mehrheit der Eltern mit dem Antrag auf Rückkehr zum Halbtag einverstanden ist, kann er nicht einschätzen. Schließlich wurde das Konzept ausschließlich in der Schulkonferenz den sechs gewählten Elternvertretern vorgestellt. In einem Eilausschuss mit Dietmar Scheffler als einzigem Elternvertreter sei schließlich die Entscheidung für den Antrag gefallen. „Es musste alles sehr schnell gehen, damit im November beim Tag der offenen Tür schon feststeht, ob die Kinder an einem Ganztags- oder Halbtags-Gymnasium angemeldet werden“, sagt Scheffler. Zeit für eine Befragung aller Eltern sei nicht gewesen. Sie seien aber durch einen Brief der Schulleitung über den Antrag informiert worden.

Ein weiterer Grund für die Rückkehr zum Halbtag ist für Raimund Millard, dass alle drei Gymnasien im Süden Düsseldorfs – das Schloß, das Gymnasium Koblenzer Straße und das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium – aktuell im gebundenen Ganztag sind. „Die Eltern haben somit keine Wahlmöglichkeit im Süden“, sagt er. „Möchten sie ein Halbtags-Gymnasium, müssen sie in die Stadtmitte ausweichen.“

Schuldezernent Burkhard Hintzsche sieht durch einen solchen Antrag die Planungssicherheit für den Schulträger massiv gefährdet. „Es ist am Annette-Gymnasium in den Ganztag investiert worden. Wir müssen öffentliche Mittel zurückzahlen, wenn wir den Antrag so umsetzen“, sagt er. Geld, das anderen Schulen dann wiederum fehle. Auch in Sachen Bedarfsentwicklung müsse langfristiger gedacht werden. „Der Bedarf an Ganztagsbetreuung steigt. Das verdeutlichen alle Umfragen, bundesweit. In den Kitas, in den Grundschulen. Und auch für die Klassen 5, 6 und 7 wächst der Bedarf“, sagt er. Bestätigt bekäme man diese Einschätzung, wenn man Eltern nach ihren Wünschen zum Ganztag befragte, deren Kinder aktuell noch eine Grundschule besuchen.

Dass tatsächlich der Wunsch nach einem flexiblen Betreuungsangebot hinter dem Antrag auf Halbtag stehen soll, kann Hintzsche nicht nachvollziehen. „Wenn das so ist, sollte man einfach mal mit dem Schulträger darüber sprechen, bevor ein Antrag gestellt wird.“

Raimund Millard, Leiter des Schloß-Gymnasiums, plant aktuell zweigleisig. Er betont: „Die Entscheidung über den Antrag trifft in keinem Fall die Kinder, die im Sommer an unsere Schule kommen. Sie wurden an einem Ganztag-Gymnasium angemeldet und sie bekommen auch ein Ganztags-Gymnasium.“ Für jeden, der im Sommer kommt, seien die nächsten sechs Jahre im Ganztag geplant. „Wenn das der Wunsch ist.“

Die Schulleitung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.