Zu Fuß und per Rad: Wie Düsseldorf den Rheinufertunnel eroberte

Fest zum 25. Tunnel-Geburtstag : Zu Fuß und per Rad: Wie Düsseldorf den Rheinufertunnel eroberte

Zum 25. Geburtstag des „Jahrhundert-Bauwerks“ war eine Röhren-Besichtigung der speziellen Art möglich.

Sehr schnell wird es dunkel und kühl. Beim Umdrehen erblickt man Umrisse von Menschen, die ins Innere der dunklen Röhre vorstoßen. Einige halten sich an den Händen. Zu Fuß durch den Rheinufertunnel zu laufen, gegen die Dunkelheit, daran muss man sich erst mal gewöhnen. Zum Glück ist das hier keine Evakuierung  und es wird auch kein Endzeit-Blockbuster gedreht. Anlässlich des 25. Geburtstages des Rheinufertunnels ist dieser am Sonntag für Fußgänger und Radfahrer geöffnet.

Plötzlich flammen an den tiefschwarzen Tunnelwänden neon-hellblau leuchtende Säulen auf, die ihren Verlauf über den Tunnelboden nehmen. Ein faszinierender Seheindruck entsteht: Im Abstand weniger Meter akzentuieren die Umrisse neon-hellblauer Rechtecke die Tiefe des Raumes. Die Schatten der Gehenden werden zu einem Teil der Lichtinstallation. Das gelungene Spektakel ist ein Geschenk der Stadt Monheim an die Landeshauptstadt zum 25-Jährigen des Rheinufertunnels. Indem sie die Themen Licht und Wasser aufgreift, verweist sie auf das „Fortschreiten und ewig Fließende des Werdens und Vergehens“. Nach zehn Sekunden wird es wieder dunkel, bis sich das Schauspiel wiederholt. Nach wenigen Minuten endet der ungewöhnliche und unvergessliche Fußweg auf der Höhe kurz unterhalb des Burgplatzes. Doch vor dem Verlassen des Tunnels über den Notaufstieg unterhalb des Schlossturms erwarten die Besucher weitere Highlights: Eine weitere Lichtinstallation im Inneren des für Besucher gesperrten Tunnelraumes sowie die Video-Installation „Within“ des australischen Filmproduzenten Darius Devas.

Viele Menschen waren gleich zur Eröffnung am Tunnelmund in Höhe Fritz-Roeber-Straße gekommen, um zu Fuß oder mit dem Rad den Rheinufertunnel zu erobern. Foto: ja/M.ZANIN

Vor dem Bau des Tunnels war das Rheinufer eine stark befahrene Achse mit bis zu 55 000 Fahrzeugen täglich und die Stadt war vom Rhein getrennt. In einer Bauzeit von drei Jahren, Bauaufttakt war am 15. März 1990, wurde der Straßentunnel errichtet und ein neuer Boulevard auf dem Tunneldeckel angelegt. Das Bauwerk wurde am 15. Dezember 1993 eingeweiht. Der Düsseldorfer Architekten- und Ingenieurverein (AIV) zeichnete die Stadt für das „Bauwerk des Jahrhunderts“ aus. Kaum ein zweites Vorhaben in der Stadtgeschichte hat Düsseldorf aus stadtplanerischer Sicht derart verändert und nach vorn gebracht wie die Tieflegung der Rheinuferstraße. Die Trennung zwischen Stadt und Strom wurde überwunden, und Düsseldorf rückte wieder an den Rhein.

Drängten sich die Besucher bei der Eröffnung, ist am Sonntag beim Jubiläum alles anderes organisiert. Eine Tunnelröhre ist für jeweils 100 Fußgänger freigegeben und eine weitere für 500 Radfahrer. Die Zählung erfolgt elektronisch – mit Ampelsystem. Schon zu Beginn bildeteten sich lange Warteschlangen am Tunneleingang Fritz-Roeber Straße, Ecke Joseph-Beuys-Ufer/Tonhallenufer, wo ein Vierzigtonner den Bereich für den Autoverkehr absperrte. Jung und Alt, mit Kind und Kegel – aber ohne Haustier, wie den Nutzungsregeln zu entnehmen war – wollten sich das Ereignis nicht entgehen lassen.

Ariane ist begeistert, wie eigentlich jeder: „Es war super spannend, den Tunnel mal aus einer anderen Perspektive zu erleben und es gab auch viel zu gucken. Das Kunstwerk mit der Welle hat sehr gut gefallen“, berichtet sie, die sich trotz Platzangest in den Tunnel gewagt hat. „Ich muss  sagen, das ist alles super organisiert“, lobt sie. Der Tunnel habe der Stadt „Lichtjahre an Lebensqualität“ gegeben.

„Das war nett, mal wieder durchzulaufen. Als Kind war ich bei der Eröffnung und nun mache ich das mit meinen eigenen Kindern“, freut sich Milena Pape. Auch Iris Witt und Jürgen Jansen finden: „Es ist ein Erlebnis, da durchzulaufen.“ Stefan hat sich mit seinem Söhnchen Max (5) für die Rad-Variante entschieden. „Es war toll. Ich war als Kind bei der Eröffnung des Tunnels dabei und wollte das nun mit dem Kleinen erleben“, schwärmt er. Auch für Angela Drenkard war die Radtour durch den Rheinufertunnel ein „super Erlebnis“. Sie meint: „Wie einfach es doch ist, Leuten eine Freude zu machen!“ Ihre Begleitung Olga Finett ergänzt begeistert: „Alle hatten ein Grinsen im Gesicht und klingelten um die Wette.“

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