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Zu Besuch bei Vergoldern und Hutmachern

Zu Besuch bei Vergoldern und Hutmachern

Beim Perlfisch-Wochenende öffneten Kreative ihre Ateliers für die Besucher.

Hier ist garantiert alles Gold, was glänzt: Im Atelier von Oro Fino in der Gneisenaustraße in Pempelfort können Besucher beim Perlfisch-Samstag den Vergoldermeisterinnen Lis Butz und Christiane Nick über die Schulter schauen. Die beiden waren eine von 27 Stationen, bei denen die Besucher Mode, Kunst und Design, Schmuck, allerlei Köstlichkeiten im Stadtteil entdecken konnten.

Hauchfein ist das 23 Karat Blattgold-Blatt — genaugenommen ein zehntausendstel Millimeter — das Fachfrau Christiane Nick auf einem Holzrahmen platziert. Das geht prima mit einem Anschießer. Das ist ein breiter, flacher Pinsel mit Eichhörnchenhaaren, an dem das empfindliche Blattgold wie durch Zauberhand haftet. Zuvor hatte die Vergolderin auf einem Rahmen eine rötliche Substanz aufgetragen.

Im nächsten Arbeitsgang streicht sie winzige Bläschen, die sich unter dem Blattgold gebildet haben, heraus. Wenn der Rahmen fertig ist, wird es so aussehen, als hätte er jahrelang an der Wand gehangen und wäre emsig geputzt worden. „Wir ahmen diesen Effekt nach, das nennt man Polyment-Vergoldung“, erklärt die Christiane Nick den Besuchern. „Schon die Ägypter haben auf ähnliche Weise vergoldet.“ Sie verdeutlicht anschaulich, wie hauchfein das edle Arbeitsmaterial ist: „Wenn man eine Goldmünze in Blattgold umwandelt, reicht das für ein Reiterstandbild.“ Durch unterschiedliche Farbspiele zwischen Untergrund und Blattgold können die Vergolderinnen individuell auf das Kunstwerk, das eingerahmt werden soll, eingehen.

Christiane Nick ist durch Zufall, über ein Praktikum, zum Vergolder-Beruf gekommen. Das kleinste Objekt, das die Pempelforter Vergolderinnen bislang mit Gold überzogen haben, war übrigens eine Erbse. Und der Sebastian mit dem goldenen Mantel in der Dreifaltigkeitskirche geht auch auf deren Kappe.

Geballte Frauenpower erwartete die Besucher an der Parkstraße. Die Goldschmiedin Vivien Reig-Atmer präsentierte in ihren heimischen vier Wänden, die gleichzeitig ihre Werkstatt beherbergen, mit Modistin Laurence Leleux und der Keramikerin Christine Atmer de Reig ihre Arbeiten. Reig-Atmer setzt bei ihren Schmuckstücken — Unikate aus Feingold, Silber, Palladium und Edelstein mit geschmiedeter Oberfläche — auf Unperfektheit. „Ich mag Farben, die nicht ganz perfekt sind und Steine mit Einschlüssen“, sagt sie und fährt fort: „Auch wenn wir Menschen zu glatt und makellos sind, sind wir austauschbar.“

Die Modistin Laurence Leleux, mit ihrem Atelier in Flingern ansässig, und hier zu Gast ist, lebt bei ihren Kreationen ihre Liebe für die Hutmode der 20 und 30er Jahre aus. „Das war modisch gesehen eine ideenreiche Zeit: sehr weiblich, charmant, alltagstauglich, aber trotzdem besonders“, sagt die junge Hutmacherin. Ob der verdrehte Turban — Kopfbedeckung der „Trümmerfrauen“ und für viele Witwe-Bolte-Look — oder der Topfhut jener Zeit: Diese Formen nimmt Leleux als Inspiration und entwickelt diese mit grafischen Elementen weiter.

Besucherin Karin Pohl jedenfalls will einen Filzhut, der sich auch noch wunderbar zurechtknuddeln lässt, gar nicht mehr ausziehen. Die Dritte im Bunde, Keramikerin Christine Atmer de Reig (82) aus Meerbusch, lässt sich bei ihren gebauten und gedrehten Stücken von sich selber inspirieren, wie die quirlige Seniorin augenzwinkernd bemerkt. Sie präsentiert Porzellan und Steinzeug.